BRIEFE - DER SPIEGEL
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Artikel 22 / 31

Briefe

BRIEFE
• aus DER SPIEGEL 20/1953
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

BRIEFE

REINHOLD MAIER (Nr. 18/53, Deutschland)

Ihre Titelgeschichte über Ministerpräsident Reinhold Maier und seinen württembergischen CDU-Widersacher Müller war mal wieder von gewohnter SPIEGEL-Klarheit.

Besonders bemerkenswert scheint mir, daß derselbe Mann, der März 1933 seine Reichstagsfraktion mit Engelszungen überredete, dem Ermächtigungsgesetz zuzustimmen, heute in Fragen der westdeutschen Wiederbewaffnung eine Schlüsselposition innehat. Vielleicht wird in künftigen Geschichtsbüchern einmal der Satz stehen: »Die westeuropäische Bewaffnung konnte nicht stattfinden, weil sich Großwürttembergs Maier und Müller über die Schulfrage nicht einig wurden.«

Frankfurt (Main)

Dr. J. Nordmeyer

Ich sehe für niemanden, dem die Belange der Bundesrepublik und Europas am Herzen liegen, einen Anlaß, sich über den Schwabenstreich Dr. Maiers zu freuen.

Dafür, daß die Außenpolitik des Bundeskanzlers zumindest für die weitere Zukunft richtig ist, spricht die bisherige Weitsicht Adenauers.

München

August Polaczy

Ihr Artikel über Dr. Reinhold Maier war ausgezeichnet. Was Herrn Dr. Adenauer betrifft, so sprechen allerdings die beiden letzten Jahre eine zu deutliche Sprache. Die Vorstellung einer Wiedervereinigung Deutschlands mit Dr. Adenauer als Bundeskanzler könnte etwa verglichen werden mit der Vorstellung einer fröhlichen Hochzeit, bei der ein katholischer Geistlicher glücklicher Bräutigam ist. Allmählich wird es wohl zwingend notwendig, daß über den kräftigen Teil Europas, den das in Jahrhunderten gewachsene Deutsche Reich darstellt, wieder ein einheitliches Geschichtsbewußtsein kommt. Dieses Geschichtsbewußtsein kann aber nur kommen, wenn an die Spitze der Bundesregierung eine Persönlichkeit tritt, die nach ihrer politischen Tradition und nach ihrer praktischen Haltung die Wiedervereinigung Deutschlands verbürgt. Dr. Reinhold Maier ist eine solche Persönlichkeit.

Berlin

Dr. Walter Badenhoop

ADENAUER-REISE (Nr. 16/53, Deutschland)

Die gehässigen und geschmacklosen Anrempeleien des Bundeskanzlers durch Herrn »Jens Daniel« mochten noch angehen, solange sie sich in bewußter räumlicher Trennung außerhalb der Berichterstattung als subjektive Meinung herausstellen. Jetzt geistert, sobald vom Bundeskanzler die Rede ist, der

Ungeist Jens Daniels auch im »Nachrichten-Magazin« zwischen den Zeilen. Der Artikel »Zwei Schüsse zuviel« ist in seiner bagatellisierenden Gehässigkeit ein echter Jens Daniel, dem man nur erneut »Abtreten! und zwar schleunigst!« zurufen kann.

Bergedorf

Willy v. Brescius

Ein Bild wirkt nur dann plastisch, wenn es Licht und Schatten zeigt. Da so wenig beachtenswerte Presseerzeugnisse, die den Schatten zeigen, vorhanden sind, hast Du eine ganz große Aufgabe zu erfüllen. Laß Dich von dieser Aufgabe, die Dich interessant macht, nicht abbringen! Die Demokratie wird bei uns erst dann lebendig, wenn es eine echte, staatspolitisch verantwortliche Opposition gibt. Soweit ist es aber leider noch nicht. Scheinoppositionen wirken auf die Dauer doch recht fade. - Hast Du Jens Daniel in die Wüste geschickt? Seine Abhandlungen scheinen mir den Kern oder eine gesunde Wurzel einer echten Opposition abgeben zu können. Ich kann mir vorstellen, daß sie zur Zeit nicht überall begrüßt werden, das darf Dich aber nicht hindern, sie trotzdem zu bringen. Im »Mannesmut vor Fürstenthronen« liegt das Beste der Demokratie, gleichgültig, wie diese Throne jeweils gefärbt sind!

Ebingen (Württ.)

Oskar Kienzlen Ministerialrat a. D.

ISRAEL-ABKOMMEN (Nr. 16/53, Deutschland)

In Ihrer Nummer vom 15. April veröffentlichen Sie einen Artikel ("Bonn - Nach Ägypten abgereist") über den Vertrag zwischen Israel und Deutschland, in dem Sie unter anderem von Herrn Gerhard Lewy als »dem Vertreter des Präsidenten vom Exekutivrat des jüdischen Weltkongresses, Dr. Nahum Goldmann« sprechen.

Ich bitte Sie, davon Kenntnis zu nehmen, daß diese Ihre Angabe völlig aus der Luft gegriffen ist. Herr Lewy war niemals in irgendeiner Weise mein Vertreter oder Vertreter des jüdischen Weltkongresses. Der jüdische Weltkongreß hat verschiedene andere Vertreter nach Deutschland gesandt. Herr Lewy war und ist in keiner Weise mit dem jüdischen Weltkongreß verbunden.

New York

Dr. Nahum Goldmann

Im Jahre 1951 fuhren Gerhard Lewy und Dr. Herbert Blankenhorn gemeinsam nach London. Dort traf Dr. Herbert Blankenhorn durch die Vermittlung des Gerhard Lewy zum ersten Male mit Nahum Goldmann zusammen. Als kurz darauf Dr. h. c. Adenauer zur Außenministerkonferenz nach London fuhr, konnte Dr. Herbert Blankenhorn den Nahum Goldmann dem Kanzler vorstellen. Das war der Beginn der Verhandlungen um das Israel-Abkommen, die somit von Gerhard Lewy und sicher nicht ohne Einverständnis Nahum Goldmanns eingeleitet wurden. - Red.

SPORTWAGEN

(Nr. 15/53, Automobile)

... Dazu wird Sie die Ansicht eines Amerikaners interessieren. Mister Stanton, vormals Fernseh-Interviewer für die Columbus Broadcasting Company, hat sich zum Thema folgendermaßen geäußert:

»In Amerika fährt heute jeder bessere Neger einen Cadillac. Da müssen die Amerikaner mit gutem Geschmack einen kleinen Wagen fahren. Ich will kein Chrom an meinem Wagen. Sehen Sie sich doch nur einmal an, wie so ein amerikanischer Wagen aussieht! Wie ein Haifisch! Das ist der Neger, der in uns steckt. Der Fetischismus des Negers am Glitzern, am Glasperlengefunkel. Die amerikanische Oberschicht mit dem guten Geschmack lehnt das heute schon vollkommen ab. Wir wollen einfache Formen. Die amerikanischen Werke entwickeln heute schon die Wagen, die sie 1958 herausbringen wollen: so lange dauert es, bis diese Riesenindustrien eine Schwenkung vollziehen. Und wie wird das amerikanische Auto von 1958 aussehen? Lauter Knöpfe, nichts als Knopfbedienung, Bequemlichkeit über alles. Ein Druck auf einen Knopf, und die Scheibe geht herunter. Aber in der äußeren Form werden die amerikanischen Wagen schlichter werden, weg von dem Barock. Sie werden einem Lancia oder Alfa Romeo viel ähnlicher sehen als heute und weniger Chrom mit sich führen.«

Osthofen

Manfred Schneider

KREDITMARKT

(Nr. 15/53, Deutschland)

Wir begrüßen es außerordentlich, daß sich Ihre sehr weitverbreitete Zeitschrift mit dem Thema »Kreditschwindler - Bewegung auf dem Geldmarkt« befaßt und dabei lückenlos wie auch objektiv eine Darstellung des Falles Sebert & Scholz veröffentlicht hat ... Die Unzulänglichkeit der Vorschrift des § 35 der Gewerbeordnung zeigt sich von Tag zu Tag immer mehr. Praktisch gesehen kann jeder, der sich dazu »berufen fühlt«, über Nacht »Makler« werden ... Wir haben als Spitzenorganisation der deutschen Maklerverbände bereits seit Jahren die Forderung aufgestellt, daß die Zulassung zur Ausübung des Maklerberufes an verschiedene Vorschriften gebunden sein muß:

1. Mindestens dreijährige Praxis, bevor jemand selbständig als Makler tätig sein darf. (Ähnlich ist es in verschiedenen Staaten der USA.)

2. Fachkunde; sie ist nachzuweisen durch Ablegung einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer.

3. Strafrechtliche Unbescholtenheit.

Man hat uns im September 1952 bereits zugesagt (Bundeswirtschaftsministerium), daß die beabsichtigte 2. Novelle zur Gewerbeordnung die Konzessionspflichtigkeit des Maklerberufes einführen wird.

Frankfurt (Main)

Bernhardt Verbandsvorsitzender Ring Deutscher Makler

KRIEGSGEGNER

(Nr. 7/53, Hohlspiegel)

Dem AP-Korrespondenten, der vergeblich nach dem Sitz des »Bundes der Kriegsgegner« in Bonn fahndete und der nach Ihrer Meldung - welch köstliche Ironie - die Telephonnummer

des Amtes Blank genannt bekam kann geholfen werden:

»Deutsche Friedensgesellschaft - Bund der Kriegsgegner« (gegründet 1892 von Bertha von Suttner, verboten 1933 bis 1945), Vorsitzender jetzt: Pfarrer Liz. Dr. Fritz Wenzel, MdB, Bonn, Bundeshaus.

Ferner: »Internationale der Kriegsdienstgegner, Deutscher Zweig« (angeschlossen der »War Resisters' International«, gegründet 1921). Vorsitzender wie oben.

Freiburg

Rüdiger Frank

POSTEN-JÄGEREI

(Nr. 12/53, Deutschland)

... Um keine Irrtümer aufkommen zu lassen, erkläre ich, daß ich nicht Mitglied der SPD bin ... Aber es wird hier kaum Menschen geben, die Herrn Kunze sein neues Amt als Polizeipräsident mißgönnen. Seine stete Güte, seine ständige Hilfsbereitschaft, seine Tatkraft im Beseitigen von Hindernissen haben ihm in den Herzen der Wolfsburger und sicher über die Stadtgrenzen hinaus ein Denkmal gesetzt.

Wenn es doch Menschen geben sollte, die Steine nach Herrn Kunze werfen wollen - sie werden ihn nicht treffen. Denn vor ihm stehen die vielen Dankbaren, denen er in größter Not half.

Wolfsburg

Fritz Schill

ERICH LÜTH

(Nr. 18/53, Deutschland,)

Da Herr Lüth aus Anlaß seiner Israel-Reise im SPIEGEL und auch sonst in der Presse einigermaßen viel von sich hat reden machen, mag es nicht abwegig erscheinen, der warmherzigen Gefühle zu gedenken, die Blockadebrecher Lüth der Stadt Hamburg entgegenbringt, deren Namen er bei all seinen vielfältigen Unternehmungen als Leiter der Staatlichen Pressestelle immer wieder rühmlich in Erinnerung bringt. Das beifolgende Gedicht stammt aus dem Versband »Vision von Ghedi, Gedichte von Erich Lüth, 1947.« Der Verfasser sagt im Vorwort: »Die Verse dieses Bändchens entstanden zum Teil während des zweiten Weltkrieges und wurden mit Hilfe einer befreundeten Druckerei illegal gedruckt und in einigen 100 Exemplaren an Gesinnungsfreunde in ganz Deutschland verbreitet.« Ein anderer Teil der Gedichte sei in amerikanischer Kriegsgefangenschaft entstanden, weshalb »ihre Bildersprache gelegentlich aus Gründen der Abgeschlossenheit, Dumpfheit und Stauung der Gefühle in der Gefangenschaft zu drängend erscheinen mag.« Nun, das mag für den Abschnitt »Eros hinter Stacheldraht« gelten, aber gewiß nicht für das schöne Bekenntnis zur Freien und Hansestadt Hamburg.

Hamburg

Du Stadt in Trümmern und Ruinen.
Dich wolln wir herrlich auferbauen,
wolln Dir mit armen, nackten Händen dienen
und wieder wenden Not und Grauen.
Noch steht der Türme Silberfiligran,
noch segelt stolz ein weißer Schwan
vereinsamt über die Alster. Doch selbst die Uferweiden,
sie trauern und sie leiden
so schmerzensgrau, so tränensatt
um Dich, Du vielgeliebte Stadt
Wir aber wolln mit dienenden Händen
Dein Los ins Lichte wenden!

Hamburg

Edgar Hinrichsen

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