BRIEFE - DER SPIEGEL
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Artikel 22 / 29

Briefe

BRIEFE
• aus DER SPIEGEL 42/1953
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

BRIEFE

BUNDESKANZLER RAAB

(Nr. 36/1953, Internationales)

Ein origineller Zufall bestätigte mir die Richtigkeit Ihrer Ausführungen über Herrn Bundeskanzler Raab, Wien, in Ihrer Nr. 36. Dieses Heft begleitete mich von Köln nach Obladis, kam da Herrn Raab vor Augen, von dessen Anwesenheit im gleichen Raum ich bis dahin keine Ahnung hatte. Der Inhalt Ihres Berichtes machte Herrn Raab und Frau offensichtlich viel Spaß, und er dankte mir anschließend für die Überlassung des Heftes. Ein anwesender alter Österreicher bestätigte bei der Gelegenheit, daß Ihr »Cäsar mit »Knöpflschuhen« sehr treffsicher von Ihnen beobachtet sei.

Köln

H. Velten

GLAUBENSFREIHEIT (Nr. 40/1953, Briefe)

Antwort an SPIEGEL-Leserin Sigrid Gottmann:

Die Forderung Christi nach einer Konfessionsschule kann mit der Bibelstelle Matthäus 26,41 belegt werden: »Wachet und betet, daß Ihr nicht in Anfechtung fallet! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.«

Der Katholik glaubt, die vollständige Glaubenswahrheit in der von seiner Kirche vorgetragenen Lehre zu besitzen. Er wird daher seine Kinder am liebsten in eine Schule schicken, deren Lehrpersonen Katholiken sind, damit der ganze Unterricht von einem einheitlichen Geiste durchweht ist. Das kommt besonders bei der Besprechung von Lesestücken und Gedichten sowie im Geschichtsunterricht zur Geltung ... In einer gemischten Schule wird nicht gebetet.

Diese Zeilen gelten auch für den SPIEGEL-Leser Heinz Wagner-Richelmann.

Bensberg

Johann Baptist Scherer

ROBERT LEHRS ABSCHIED

(Nr. 38/1953, Deutschland)

Für Ihren informativen Artikel über Minister Lehr kann ich mir kaum einen würdigeren Abschluß denken als folgenden Brief, den Herr Dr. h. c. Lehr seinen Freunden im September 1953 geschrieben hat; er lautet:

»Mein 70. Geburtstag brachte eine mich tief beeindruckende Fülle von herzlichen Bekundungen freundschaftlicher Zuneigung, ein gütiges und verständnisvolles Eingehen auf meine Lebensarbeit in Staat und Gemeinde, in amtlichem und ehrenamtlichem Wirken, in guten und schweren Jahren. Freundeshände haben mein Haus mit herzerfreuenden Blumen und wohldurchdachten Gaben festlich geschmückt. Dem allem stehe ich ergriffen und aufrichtig dankbar gegenüber und finde es schwer, für so viel Freundschaft und Liebe die rechten Dankesworte zu finden.

Nach einer behüteten Jugend ist mein Leben bisher in wechselvollem Auf und Ab arbeits- und kampfreich gewesen. Deswegen bestimmte ich den 70. Geburtstag zu einem Tag der Zurückgezogenheit und stiller Besinnung und verbrachte ihn mit meiner Lebensgefährtin, der Mitarbeiterin und Mitkämpferin, an den Stätten der Kindheit zu Überblick und Ausschau. Das war um so notwendiger, weil ich gerade an dem Geburtstag unmittelbar vorhergegangenen Tagen die in deutschen Zeitungen weitverbreitete Nachricht gelesen hatte, ich hätte es abgelehnt, in meinem bisherigen Wahlkreis Düsseldorf-West wieder zu kandidieren und wollte auch nicht auf der Landesliste erscheinen. Die Nachricht ist unwahr. Ihre Urheber und Verbreiter kenne ich nicht. Ich habe im Gegenteil den Verantwortlichen meine Bereitschaft zur Kandidatur erklärt, aber meine Freunde sind im eigenen Lager zugunsten anderweitig erhobener Ansprüche überstimmt worden, während ich mich auf Wahlreisen befand. Die Wahlversammlungen habe ich, meinen eingegangenen Verpflichtungen entsprechend, fortgesetzt. In der Mehrzahl der Glückwünsche ist die Frage nach jenen Zeitungsmitteilungen enthalten. Man versteht

mein Schweigen nicht und versteht auch nicht, warum ein alter Fahrensmann in so bewegten Zeiten sein Schiff verläßt.

Ich habe bis zu den Wahlen geschwiegen, um nicht der Sache zu schaden, der ich diene. Der Grund zum Schweigen ist jetzt fortgefallen.

Eine zweite Lesart ist im Umlauf, daß ich aus gesundheitlichen Gründen mich aus dem öffentlichen Leben zurückziehe Erfreulicherweise trifft dieser Grund nicht zu.

Von der Höhe der siebzig Jahre aus soll man das Geschehen und die Menschen mit Ruhe und Reife beurteilen. In der Politik ist vieles nach Art und Weise nicht schön, aber gebräuchlich. Gewisse Vorgänge sind für mich schmerzlich und eine menschliche Enttäuschung gewesen. Das Verhalten der dabei Beteiligten übergehe ich; denn ich kann sehen, daß die Sache, der ich mit Überzeugung anhänge, sich im Wechsel des Geschehens bewährt und vervollkommnet. Das ist für meine Einstellung entscheidend.

Das Wahlergebnis ist ein beglückender Volksentscheid für die Weiterführung der bisher geleisteten Aufbauarbeit.

Ich blicke auf 46 Jahre Dienst am Staate zurück. Die Aufgaben in meinem Leben haben vielfach gewechselt, die Geisteshaltung und der Staatsgedanke sind dieseiben geblieben.

Ich bitte deshalb meine Freunde, mir ihre Zuneigung weiter zu bewahren, und danke allen nochmals aufrichtig für ihre guten Wünsche und Gaben.«

Köln

Martin Beuermann

HOEGNERS HÄHNCHEN

(Nr. 40/1953, Personalien)

In Ihrer Nr. 40, Seite 25, bringen Sie eine Mitteilung, daß ich mir auf der Oktoberfestwiese ein Hendl habe einwickeln lassen und dann nach Hause gegangen sei.

Wie das Bild in der Süddeutschen Zeitung Nr. 217 vom 21. September 1953, Seite 1, ausweist, habe ich das Hendl auf der Oktoberfestwiese zur Hälfte verzehrt. Da ein ganzes Hendl über mein Fassungsvermögen gegangen wäre, habe ich als guter Ehemann die andere Hälfte meiner Frau nach Hause gebracht.

München

Dr. Wilhelm Hoegner

HJ-FÜHRER (Nr. 27/1953, Personalien)

Als Verantwortliche für die Einladungsliste zum Kameradschaftstreffen ehemaliger HJ-Führer und BdM-Führerinnen in Rendsburg erklären wir hiermit, daß der ehemalige Leiter des Kulturamtes der Reichsjugendführung, Zander, der jetzt als Kulturschriftleiter einer ostzonalen Zeitung tätig ist, zu dieser Veranstaltung weder eingeladen, noch daß seine Einladung überhaupt in Erwägung gezogen wurde.

Rendsburg

v. Düsterlho Hubert Meiforth

LUDWIG ERHARD (Nr. 37/1953, Deutschland)

... glaube ich, daß das von Erhard erstrebte Ideal von Wirtschaft genau so einer Rakete gleicht wie das amerikanische Wirtschaftswunder der Jahre 1927/29 und daß er die eternal prosperity ebensowenig erfunden hat wie die Amerikaner damals. Vielmehr dürfte sich wieder zeigen, daß genau wie bei einer Rakete der Spielraum nach unten um so größer ist, je höher sie gestiegen ist.

Lübeck

Dr. Meint Harms

Daß Erhards Politik der sozialen Marktwirtschaft gut ist, daß sie ein voller Erfolg war, an dem breite Massen des Volkes fühlbaren Anteil hatten, müssen wohl selbst eingefleischte Planwirtschaftler zugeben.

Kiel

Günther Ballerstaedt

PRESSE (Nr. 33/1953, Deutschland)

DER SPIEGEL brachte in seiner Ausgabe vom 12. August 1953 unter der Überschrift »Das süße Gift« einen Beitrag, in dem es unter anderem heißt:

»Die beiden Verlage bereiteten damals die Herausgabe des katholischen Blattes unter den zwei Köpfen 'Deutsches Volksblatt' (für Württemberg) und 'Badische Zeitung' (für Baden) vor.«

Wir teilen Ihnen hierzu mit, daß es sich bei der im Badenia-Verlag seit dem 1. Juli erscheinenden katholischen Zeitung nicht um die »Badische Zeitung«, sondern um die »Badische Volkszeitung« handelt.

Die »Badische Zeitung« erscheint bereits seit dem Jahre 1946 in Freiburg.

Freiburg i. Br.

Badische Zeitung

GANZWORTMETHODE

(Nr. 28/1953, Briefe)

Mit Ihrer »Ganzwortmethode« - unter »Briefe« letzte Umschlagseite der Nr. 38 / 1953 - haben Sie bestimmt den meisten, ich will nicht gleich behaupten, allen Eltern aus der Seele gesprochen ... Sicher ist, daß die Aufnahmefähigkeit der Kinder sehr unterschiedlich ist, aber genau so sicher ist auch, daß die neue Ganzwortmethode bzw. Ganzheitsmethode, wie man hier sagt, eine totale »Fehlgeburt« ist.

Hagen

Günther Ackermann

Mit Vergnügen las ich die Stellungnahmen in Nr. 38/1953. Sie zeigten, daß die Entwicklung im Fluß ist und daß alle starren und doktrinären Methoden nicht befriedigen.

Stuttgart

Dr. Gustav Wenz

Die synthetische Methode ist bei normalen und schwachveranlagten Kindern vorzuziehen, denn sie kann im Laufe eines Jahres zum sicheren Ziel führen. Aber bei gutveranlagten Kindern sollte der Vorteil der Ganzwortmethode nicht außer acht gelassen werden. Demnach wäre bei mehreren parallelen Elementarklassen nach etwa vier Wochen eine Auslese vorzunehmen, welche die überdurchschnittlich veranlagten Kinder des ersten Schuljahres in das dritte Schuljahr übertreten läßt, zum Segen aller Kinder, denn die schädlichen Wirkungen großer Unterschiede in der Veranlagung wären damit auch umgangen.

Darmstadt

J. Ph. Hahn

Ich habe viele Kinder und habe deshalb alle Schriftmethoden, die in letzter Zeit kursierten, mitgemacht. Ich finde keine Lehrmethode so einfach und fürs Kind so interessant wie die Ganzwortmethode.

Gündenhausen

Anna Schwarzwälder

CHARLES LAUGHTON

(Nr. 35/1953, Schauspieler)

Im Zusammenhang mit der, wie Sie schreiben, »neu entfachten Kritikerdiskussion über Ch. Laughtons schauspielerische Qualitäten« ist es vielleicht interessant, nachzulesen, was 1938 der prominente schottische Filmpublizist

und Begründer des Dokumentarfilms, John Grierson, in einer Filmkritik über Laughton schrieb: »Die Schwierigkeit bei Laughton ist, daß er auf mehreren, sehr verschiedenen Gebieten etwas Gutes leistet. Er versteht sich auf das Tragische und hat den Ehrgeiz, König Lear zu spielen. Er hat eine geschmackvolle Art zu deklamieren, die fast einzigartig unter den modernen Schauspielern ist, und wenn auch seine Art, über Punkte im Satz wegzureden, etwas manieriert sein mag, so wird man doch seine Bibellektüre im 'Rembrandt' nicht so leicht wieder vergessen. Außerdem ist er ein gefährlich guter und aufregender Schauspieler, der sein Stichwort verpassen und eine schauspielerische Kleinigkeit hinter dem Rücken seines Regisseurs übertreiben kann. Kein Fußballspieler nutzte je die Schwäche eines Schiedsrichters geschickter aus als er. Wenn man dann noch seine verschiedenartigsten Talente als guter Lustspieldarsteller und glänzender Possenreißer hinzunimmt, dann hat man eine Mischung von Talenten, die tödlich wirkt.

»In einem einzigen Film kann man nicht alles machen wollen. Aber gerade das tut Laughton fortgesetzt. Er kann nicht haushalten, und durch die Tatsache, daß er ein Blender ist und nichts richtig durchführt, ist er der denkbar größte Saboteur eines Films ... Ein Laughton allein wäre das Wunder des Tages, fünf auf einmal verursachen dem Hersteller nur Kopfschmerzen.«

Düsseldorf

Agnes Schneider

GLAUBENSFREIHEIT

(Nr. 40/1953, Briefe)

In Ihrer Nr. 40/1953 veröffentlichten Sie einen Brief der »ungelernten Protestantin« Sigrid Gottmann aus Karlsruhe, in dem diese Dame einen »gelehrten Katholiken« um Aufklärung darüber ersucht, an welcher Bibelstelle Christus eine Konfessionsschule fordert. Ich möchte als Bewohner derselben Stadt nicht versäumen, hier etwas hinzuzufügen: Wäre Frau Gottmann nicht nur ungelernte, sondern auch religiös aktive Protestantin, so müßte sie wissen, daß sich die evangelischen Landesbischöfe von Baden und Württemberg warm für die Konfessionsschulen einsetzen und daß die Konfessionsschule in vielen überwiegend protestantischen Gegenden Deutschlands existiert. Die Rückführung heutiger Fragen der Organisation des öffentlichen Lebens auf die Bibel dürfte in dieser direkten Form nicht einmal »gelehrten« Protestanten möglich sein.

Ich zeichne als Anhänger der Simultanschule.

Karlsruhe

Paul Wehrle

PRÜGELSTRAFE

(Nr. 40/1953, Deutschland)

Auch auf die Gefahr hin, daß mal ein unverschämter Bursche ohne Prügelstrafe bleibt, muß das Prügeln in der Schule unterbunden werden. Wie der Fall Dr. med. Hans Müller kontra Lehrer Kurt Weckwerth (Wennigsen) wieder gezeigt hat, ist die Schulbürokratie ein so verfilzter Komplex falscher Solidarität, daß kaum einem Vater sein Recht wird, dessen Sohn zu unrecht geprügelt wurde. Ein Lehrer, der Mädchen schlägt, gehört nicht mehr in die Schule.

Meschede (Westf.)

Georg Heidingsfelder

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