BRIEFE - DER SPIEGEL
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Artikel 11 / 21

Briefe

BRIEFE
• aus DER SPIEGEL 43/1955
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

BRIEFE

SCHMEISSER-PROZESS (Nr. 41/1955; Nr. 42/1955, Briefe)

Nein, das war kein Urteil im Namen des Volkes! - Aber für Herrn Schmeißer könnte es das Thema einer Dissertation abgeben: »Justitia im neuen Gewande«.

Regensburg

ROBERT NITZSCHMANN

Der Schmeißer-Prozeß hat erneut bewiesen, daß immer noch die besten Propagandisten für Zeitschriften mitunter - die Staatsanwälte sind. Bravo!

Hannover

RUDOLF WOLFAHRT

Aufrichtige Wünsche zum Gewinn des SPIEGEL-Prozesses. Wenn auch Herr Schmeißer als Mittel zum Zweck dienen mußte, so ist das Mittel durch die Erfüllung des Zwecks mir nahezu wertvoll geworden.

Enkenbach (Pfalz)

CARL B. DOHMEN

Was aber im »Schmeißer-Falle« von den Angeklagten Ihres Verlages hingenommen wurde, läßt mich daran zweifeln, daß Sie hier noch mannhaft und aufrichtig geblieben wären ... So haben Sie in diesem höchst eigenartigen Prozeß den Verdacht einer unrichtigen Presseveröffentlichung auf sich geladen und damit Ihr Gesicht verkratzt.

Dachau

HANS HORNUNG

... oder ging es nur um die Staatsraison, der auch Sie sich unterwarfen?

Hamburg

HEINZ PASSOTH

Auch du, mein Brutus?

Shakespeare, »Julius Cäsar«, III, 1

Darmstadt

KAPITÄN C. HAUG

Erfreute Glückwünsche zum bewiesenen Mut und vor allem zum taktischen Geschick. Sollte Dich die umlaufende Knochenweiche nicht schließlich auch noch erfassen, machst Du Geschichte. Und keine schlechte. Die SPIEGEL-Nummer vom 9. Juli 1952 mit dem Aufsatz »Am Telefon vorsichtig« erwarb ich nach ihrem Erscheinen in einer Bahnhofsbuchhandlung, ehe die Polizei mit der Beschlagnahmeaktion erschien. Wem gehört nun eigentlich das in meinem Besitz befindliche Exemplar, mir oder dem Staatsanwalt?

Witzenhausen

K. A. QUER

Die Göttinger Professoren haben sich das Lob der ganzen Welt erworben, als sie, und zwar ausdrücklich als Vertreter des »deutschen Geistes«, wegen der vergleichsweise harmlosen moralischen und intellektuellen Mängel des Herrn Schlüter ... ihr Gewissen sprechen ließen ... Hoffen wir, daß der »deutsche Geist« auch jetzt sein Gewissen sprechen läßt, wenigstens da, wo er »zuständig« ist - mehr zu hoffen, wäre vermessen. Er wird dann gegen Adenauers, Blankenhorns, Reifferscheidts (vielleicht auch Herwarths und Strohms) sowie Hatjes Verbleiben im Amte protestieren, gegen das der ersten, solange sie ihre moralischen Mängel nicht abgewaschen haben, gegen das des letzten, solange er seine intellektuellen Mängel nicht als Schein und Scherz ausweist.

Hannover

GERTRUD WITTMAACK

... In England soll ja sogar mal vor zirka einem Jahr ein Landwirtschaftsminister demissioniert haben, weil unter seiner Ägide irgendwo ein paar Hektar Land verkungelt worden sind ...

Lauenbrück

WALTHER WIECHERN

Michel, wach' endlich auf!

Düsseldorf

HELMUTH KRAUSE

Bei uns in der Pfalz ist es üblich, daß jeder Weinjahrgang einen Namen erhält. Mein Vorschlag für den 1955er lautet nunr »Schmeißer« - weil er manchen umschmeißen kann (wird?).

Trippstadt

ALFRED H. KUBY

... Der bisherige Verlauf läßt ohne Zweifel sowohl eine positive als aber auch negative Deutung zu und schafft dadurch ein abgekühltes Freundschaftsverhältnis zu Ihren Lesern.

Karlsruhe

WILHELM KERN

... Mag Herr Schmeißer zwielichtig erscheinen, zwielichtig erscheint mir auch die andere Seite, weil sie solchen Vergleich eingegangen ist. Daß Herr Schmeißer aber genötigt war, die Beendigung des Verfahrens durch alleinige Übernahme der Kosten zu ermöglichen, weil sonst seine Zukunft selbst im Falle eines Freispruches mit anschließender Revision bedroht gewesen wäre, berührt ein trauriges Kapitel des praktischen Lebens ... So aber bitte ich Sie, im SPIEGEL ein Konto des Herrn Schmeißer mitzuteilen, damit ich ihm einen kleinen Betrag schicken kann. Vielleicht tun es Gleichgesinnte auch, und viele Wenig ergeben ein Viel.

Bonn

HERMANN PROWE

Ich bin Gründer des Bundes der Steuerzahler Nordbayerns und fühle mich daher im öffentlichen Interesse veranlaßt, den Steuerzahlern kundzutun, inwieweit für die Bezahlung dieses Prozesses Steuergelder, insbesondere der Justizverwaltung und des Auswärtigen Amtes, Verwendung fanden und künftig noch Verwendung finden müssen. Laut »Nürnberger Nachrichten« soll allein der Antransport eines einzigen Zeugen aus Pretoria (Flugzeug) 4000 Mark gekostet haben, von den ungeheuren Aufwendungen für die Durchführung des eintausendseitigen Gerichtsverfahrens gar nicht zu sprechen.

Nürnberg

DR. FRISCH Rechtsanwalt

Sowohl Sie als auch der Kanzler haben bei mir viel verloren; Sie, weil Sie sich selbst untreu wurden, der Kanzler, weil seine Angelegenheit allem Anschein nach doch nicht ganz in Ordnung war. Der Wahrheit, dem Recht und der Demokratie ist ein schlechter Dienst erwiesen worden.

Gelsenkirchen

HEINICH FROMME

Es ist mehr als ein achtungsvoller Erfolg, bedauerlich ist nur, daß es Dir und Deinen

aufrechten Mannen nicht vergönnt war, mit Deinen hochgestellten Gegnern die Klingen zu kreuzen.

Hamburg

FIETJE DREWES

Das Bemerkenswerteste und leider auch Deprimierendste an Ihrer Darstellung in eigener Sache (SPIEGEL 41/1955, Seite 11 ff.) anläßlich des überraschenden, wenn auch zu erwartenden Ausganges der Affäre Schmeißer ist die zwischen den Zeilen lesbare Resignation.

Wiesbaden

DR. HELMUT LORENZ

Ich habe mit einem Juristen über den Ausgang des Schmeißer-Prozesses gesprochen. Er sagte mir, Schmeißer hätte eine Mindeststrafe von sechs Monaten Gefängnis bekommen, wenn das Gericht den Wahrheitsbeweis auch nur für einen wesentlichen Punkt des SPIEGEL-Berichts als nicht erbracht angesehen hätte. Jetzt verstehe ich, daß er Ihnen die Hölle heiß gemacht hat und warum Sie seinem Drängen nachgeben mußten.

Hannover

WERNER DIECKMANN

PRÄSIDENT HATJE (Nr. 41/1955, Gewerkschaften)

Die Rationalisierungsmethoden der Bundesbahn, nicht wahr, wenn man die Sache vom Standpunkt des Steuerzahlers aus betrachtet - so hat der Herr Präsident schließlich ja unmißverständlich, glaube ich aber, nicht wahr, anzunehmen berechtigt zu sein dürfen, daß letzten Endes wiederum der Besen nicht zum Saubermachen geschieht!

Lünen

WERNER GRAF

... Nun kann ich mir ungefähr ein Bild machen, warum die Bundesbahn mit der Rationalisierung bisher wenig Erfolg hatte und der Kampf Straße - Schiene nicht auf dem üblichen Wege ausgetragen wird, sondern wahrscheinlich durch Gesetze entschieden werden soll ...

Erding

BERTHOLD KLEIN

Wenn Sie schon einen solchen Artikel gegen einen führenden Mann der deutschen Bundesbahn aufnehmen, so steht Ihnen das selbstverständlich frei. Aber was ist der Zweck davon? Sollte Herr Hatje diffamiert und Herr Karch glorifiziert werden? Herr Hatje ist mit seinen 65 Jahren immerhin noch ein rüstiger, schneidiger alter Gewerkschaftler, der ein Leben hinter sich hat, voller Arbeit und Kampf für die Rechte des Personals bei der Deutschen Bundesbahn ...

Karlsruhe

HERMANN WIMMER

Und welche Qualifikation hat Herr Hatje mitgebracht? Nur das richtige Parteibuch und den richtigen Gewerkschaftsausweis, die können heute manchmal wichtiger sein als die beste Doktor-Dissertation. Braucht man sich dann zu wundern, wenn so manches schief liegt bei der Deutschen Bundesbahn?

Mainz

HEINZ MÜLLER

Wir wünschen der DB unter der Führung solcher Exponenten einen glücklichen Zusammenbruch.

Köln

HANS UND IRENE WAGNER

Lassen Sie mal Ihre eigenen Stegreifreden auf Tonband nehmen - Sie werden sich wundern, welch seltsames Deutsch da zum Vorschein kommt. Eine Rede ist noch nie eine Schreibe gewesen. Es ist recht billig, sich über so etwas lustig zu machen.

Bonn

FERDINAND PETSCH

Ihr Vergleich mit Napp ist gut.

Hannover

FRIEDRICH STUTZ

Wir haben uns in unserem Kegelklub »Alle Neun« köstlich über die Formulierungen

des Präsidenten Hatje amüsiert. Carl Napp hätte es tatsächlich nicht besser machen können. Insofern scheint Herr Hatje wenigstens besondere Qualitäten zu besitzen. Die Deutsche Bundesbahn ist um einen solchen Komiker zu beneiden - oder auch zu bemitleiden, nicht wahr! Gut Holz!

Oberhausen

KEGELKLUB »ALLE NEUN« I. A. HENSCHELT

Lieber SPIEGEL, besten Dank für die heitere Viertelstunde mit Hatje!

Düsseldorf

HANS-ERICH STROEHMER

SÜDTIROL (Nr. 41/1955, Südtirol)

Das Heft Nummer 41 vom 5. Oktober 1955 brachte einen Aufsatz über Südtirol, an dessen Inhalt ich aus eigener Sachkenntnis feststellen konnte, wie ungemein treffend, übersichtlich, wahrheitsgetreu und gründlich Sie die Leser zu unterrichten verstehen. Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen als Tiroler für die ausgezeichnete Behandlung dieses für uns so schmerzlichen Themas aufrichtigsten Dank und Anerkennung zum Ausdruck bringe.

Innsbruck

HUGO BRUNNER Schulrat

... muß festgestellt werden, daß unsere selbstherrliche Regierung im Begriffe ist, wie seinerzeit Hitler, der zweifelhaften Freundschaft eines Nachbarstaates deutsches Land zu opfern oder - sagen wir es weniger kraß - auf unsere klaren Ansprüche zu verzichten. Südtirol ist bald vierzig Jahre italienisch, und was ist heute? Das Saarland verspricht bei diesen verschwommenen Methoden der Flurbereinigung ein Zankapfel für fünfhundert Jahre zu werden ...

Lindau (Bodensee)

WALTER BÜHRER

Als geborener Südtiroler ... kann ich die in Ihrem Artikel erwähnten Tatsachen aus eigener Kenntnis und Anschauung bestätigen ...

Dillenburg

GEORG SCHWINGHAMMER

Ich habe mich ehrlich darüber gefreut, daß Du so fest für das deutsche Volkstum in Südtirol eintrittst, wo doch sogar heutzutage noch deutsche Atlanten erscheinen, in denen die deutschen Städtenamen im Bezirk Oberetsch italienisiert wurden (Bozen: Bolzano, Brixen: Bressanone usw.). Wohlgemerkt - deutsche Atlanten!

Gelnhausen

KLAUS KREIBIG

Ihr Bericht über die Verhältnisse in Südtirol war sehr aufschlußreich, und ich hoffe, daß die zuständigen Stellen in Bonn Österreich bei den Bemühungen um die Erhaltung des Deutschtums in Südtirol aktive diplomatische Unterstützung gewähren; denn es ist nicht nur ein österreichisches, sondern ein den ganzen deutschen Sprachraum berührendes Problem.

Dorsten

PAUL-HEINZ WIETHOFF

... glaube nicht recht an Bonns Willen oder gar diplomatische Fähigkeiten, Südtirols Deutsche gegen die »Europäisierung« zu schützen ...

Freiburg

G. ADOLF

In Tirol wurde schon deutsch gesprochen, als Amerika noch nicht entdeckt worden war!

Mainz

DR. PHIL. OTTO VELTEN

Hier hilft nur eine nach gerechten Grundsätzen durchzuführende Befragung der Betroffenen, wogegen sich allerdings die in einen nationalen Faschistentaumel zurückgefallenen Italiener wehren ...

Berlin-Lichterfelde

GERHARD HUBER

Es wird Sie aber interessieren, daß in den dreißiger Jahren, als die Südtiroler ihren härtesten Kampf gegenüber der faschistischen

Unterwelt zu bestehen hatten, Herr Adenauer, damals Oberbürgermeister von Köln, das Ehrenpräsidium der »Italienisch-Deutschen Kulturvereinigung« in Köln übernahm.

Großgmain (Salzburg)

FERDINAND WESSIAK

Das Problem ist hauptsächlich ein Wirtschaftsproblem. Sehr klug werden Italienisierung und Industrialisierung gekoppelt ... Von unserem Dr. Adenauer kann Südtirol aber keine Hilfe erwarten. Erstens wird in Deutschland auch die Industrialisierung rücksichtslos gefördert (mit allen Schattenseiten). Zweitens hat Dr. Adenauer für seinen europäischen Firlefanz sogar die Industrie an der Saar geopfert. Wieviel mehr dann die Bauern in Südtirol!

Gut Dessau

EBERHARD FASCHIN Dipl.-Landwirt

Es ist wirklich an der Zeit, daß die Öffentlichkeit informiert wird über das Drama, das sich in Südtirol abspielt ...

Frankfurt

HINRICH GARBADE

Die Nato-Staaten sollten überlegen, was besser ist: Italienische Kommunisten am Brenner oder Schutz der Alpenpässe durch Volksmiliz eines autonomen Staates Südtirol, der wirtschaftlich an Italien und militärisch an die Nato gebunden ist.

Würzburg

MICHL PFLIER Rechtsanwalt

Es war mir neu, daß schon 1946 der europäische Geist gespukt hat. Er scheint immer dann aufzutreten, wenn deutsches Land und Volk annektiert werden. Damals war Südtirol dran, heute die Saar.

Bismarck sagte einmal in der Preußischen Kammer:

»Die Neigung, sich für fremde Nationalitäten auf Kosten des Vaterlandes zu opfern, ist eine politische Krankheitsform, die auf Deutschland beschränkt bleibt.«

Man braucht statt der »fremden Nationalitäten« nur Europa einzusetzen.

Abensberg

LUDWIG MICKISCH

Endlich hat einmal eine Zeitschrift der Bundesrepublik den Mut gefunden, dieses heiße Eisen anzufassen ... Unsere Schulkinder werden kaum noch lernen, daß zum Beispiel Westpreußen, Danzig, Ostoberschlesien usw. jahrhundertelang deutsches Land gewesen sind, und es ist erschütternd, wie verständnislos viele unserer jungen Leute heute schon dem Oder-Neiße-Unrecht gegenüberstehen. Mit der »re-education« scheint über den »Nationalismus« hinaus auch ein Großteil unseres Nationalgefühls beseitigt worden zu sein ...

Köln

DR. DIETER KÜMMELL

Mit innerer Anteilnahme las ich Ihren Artikel über Südtirol, der mich so stark an das Schicksal meiner sudetendeutschen Volksgruppe erinnerte. Was dem ignoranten Binnendeutschen daraus eingehen müßte, ist,

▷ daß man diese Deutschen nicht weiterhin oberflächlich als Super-Nazis abstempeln kann,

▷ daß nicht nur ein dienstgradmäßiger Unterschied zwischen einem Südtiroler (sudetendeutschen) Dorfpfarrer und einem Kölner Kardinal besteht,

▷ daß man sich angesichts der von den westlichen Demokratien geübten Praktiken keinen Illusionen über die Europäisierung hingeben soll.

Remscheid

KARL PORTSCH

Südtirol war auch das erste Gebiet, in dem Hitler den unheilvollen Gedanken der Massenaussiedlung veröffentlichte und zur Anwendung brachte. Dieses gegen den Gedanken der persönlichen Freiheit und der Treue zur Heimat verstoßende Prinzip hat sich dann nach Beendigung des Krieges so

furchtbar gegen das Deutschtum östlich der Oder und Neiße ausgewirkt.

Wenn sich eines Tages an der Saar die »Europäisierung« auch so traurig verwirklichen würde wie in Südtirol, dann versteht man die Besorgnisse der deutschen Parteien an der Saar sehr wohl.

München

DR. JUR. F. J. BERTHOLD Rechtsanwalt

Aus eigener Kenntnis Südtirols begrüße ich Ihren Bericht, der dankenswert die schmerzlichen Lücken europäisch-demokratischen Verhaltens anprangert. Dabei befremdeten mich aber in Ihrer Karte auf Seite 32 »Südtirol 1921« die starken (20 bis 50 Prozent) Italienersiedlungen am Brenner um Sterzing usw., für die der Text keine Erklärung gibt. So muß der Nichtkenner des Gebietes annehmen, daß es doch schon eine starke italienische Volksgruppe gegeben habe. Es kann sich dabei aber gerade im Brennergebiet, wo es keine Stadt gibt und keine Industrie wie um Meran, doch nur um Straßen- bzw. Eisenbahnbeamte oder Militär handeln.

Berlin

DR. L. DOLEZALEK

... Wir Nordtiroler fühlen uns nach wie vor eins mit unseren Brüdern in Südtirol. Es ist wohl eine der beschämendsten Handlungen der Weltgeschichte, die die Alliierten begingen, als sie das deutsche Südtirol den Italienern auslieferten. Das war in der Tat der erste Teufelspakt. Bei uns in Österreich und besonders in Tirol heißt es immer noch: Von Kufstein bis Salurn ist das Tiroler Land eins!

Berlin

OPERNSÄNGER SEBASTIAN HAUSER Städtische Oper Berlin

Wenn man sieht, mit welchen Mitteln die Romanisierung betrieben wird, dann möchte ich einen kleinen Vorschlag machen: Wie wäre es, wenn wir unseren Touristenstrom nach Italien plötzlich abstoppten und an das deutsche Gewissen aller Italienfahrer appellierten? Ich glaube, daß das deutsche Volk noch nicht so zerrissen und egoistisch ist, um auf diese Art und Weise - nennen wir es ruhig einen Boykott - nicht eine Regelung der Autonomiefrage zu erzwingen. Das hat mit Chauvinismus nichts zu tun, denn dort geht es um die bloße Existenz und das nackte Leben!

Großgründlach (Fürth)

RUDOLF HELD

Original und objektiv scheint mir, daß, was Sie bei uns »romanischer Hahnenstolz« nennen, bei Ihnen »Nationalstolz« und »würdige Männlichkeit« heißt; was Sie »politische Gewandtheit und Zähigkeit« bei Signor Innerhofer nennen, als »pathologischen Haß« bei Ettore Tolomei verzeichnen. Tolomei war kein Geschichtsfälscher, er war Nationalist. Glauben Sie wirklich nicht, daß viele Namen im Alto Adige - sowohl Orts- als auch Familiennamen - romanischer Herkunft sind? Glauben Sie nicht, daß ein Teil »Ladiner« und Trentiner germanisiert worden sind? Bezweifeln Sie vielleicht auch, daß Namen wie Köln, Augsburg, Mainz, Aachen, Koblenz nicht deutscher Herkunft sind? Hat Tolomei mehr unter Deutschen in Österreich-Ungarn gelitten oder Einwohner von »Bozen in Banden« unter italienischen Integralisten? Jetzt sind Deutsche brav - aber nicht freiwillig. Ich bin gegen Italienisierung und gegen unser Geschrei wegen Triest, Korsika und Venezia Julia - bin aber auch gegen deutsches Geschrei ... Lächerlich scheint mir auch Ihr Geschrei über Industrialisierung in Bolzano. Wenn sie nicht wäre, würden Sie schreien, daß Italien Randgebiete vernachlässigt und verarmen läßt! Ich glaube, daß neben Teufel von Glen und Teufelspakt, Sie einen Teufelsartikel geschrieben haben. Mit versöhnlichen Grüßen.

Köln

DR. ING. ANTONIO SANTINI

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