BRIEFE
EARL MOUNTBATTEN (Nr. 22/53, Ausland)
Es ist bedauerlich, daß Sie in Ihrem biographisch so überaus genauen Mountbatten-Bericht nicht etwas mehr von den Beziehungen zwischen Louis Mountbatten und dem ehemaligen Prinzen von Wales zu erzählen wußten. Meines Erachtens hätte durch einen Vergleich des Lebensschicksals und durch eine Charakteranalyse dieser beiden Männer Ihr Aufsatz noch interessanter gestaltet werden können. Allein die Meldung zum Beispiel, daß der ehemalige König von England, jetzige Herzog von Windsor, nicht an den Krönungsfeierlichkeiten teilnimmt, sein ehemaliger Adjutant, jetziger Earl Mountbatten of Burma, aber selbstverständlich mit von der Partie ist, ist ein Beweis für die Macht einer Tradition, die Deutschland leider verlorengegangen ist.
Stadthagen
Udo von Wittgenstein
Sehr schön, daß Du Dich von der Krönungskonjunktur fernhältst und mit dem »vorletzten Gentleman« etwas aus der Reihe tanzt. Die von Dir zitierte Vorliebe für kleidsame Uniformen und schriftstellerische Tätigkeit läßt interessante Parallelen zu mit dem ehemaligen »ersten Gentleman« des britischen Empire, dem Exprinzen von Wales, jetzigen Herzog von Windsor, dessen Vorliebe für das kleidsame Zivil so offensichtlich ist, daß er lieber auf ein Wiedersehen mit seinem Freund, dem Herzog in spe Mountbatten, zur Krönung verzichtet.
Gelsenkirchen
Dr. Ernst Ruhe
KRIEGSGESCHICHTE (Nr. 22/53, Briefe)
Herr Theodor Witte beklagt sich bitter über die Verleger, denen er die Manuskripte über seine Kriegserlebnisse angeboten hat, ohne daß nur ein einziger den Inhalt geprüft habe.
Auch an mich hat sich Herr Witte 1951 gewandt, und auch ich habe es abgelehnt, die Manuskripte anzufordern, obwohl in meinem Verlag bisher bereits neun kriegsgeschichtliche Darstellungen zum Zweiten Weltkrieg erschienen sind. Abgelehnte Autoren werden später nicht selten als große Talente anerkannt, und auch Herrn Witte gönne ich gern den Erfolg. Aber wohl kaum ein Verleger wird alle angebotenen Manuskripte prüfen können; um so aufmerksamer liest er den ersten Brief, mit dem ein Unbekannter sich und sein Werk vorstellt ... Die »Perspektive
des Grabenschweines« allein macht noch keinen Schriftsteller aus. Natürlich kann es sein, daß wir alle uns in Herrn Witte geirrt haben.
Bad Nauheim
Hans-Henning Podzun
PLASTIK (Nr. 22/53, Rückseite)
Bravo, SPIEGEL. Schade, daß Du nicht eine noch größere Verbreitung hast. »Scheußliche Neue Welt, die solche Bürger trägt.«
Hamburg
Dr. H. F. Berger
Mit den Abbildungen auf der Rückseite in Nr. 22 hast Du der modernen Kunst einen Bärendienst getan. Es ergibt einen völlig falschen Eindruck, wenn neben offenbar nichtgekonnten, ausdruckslosen Gebilden ein fraglos ausdruckstarkes Werk, wie zum Beispiel die Ozeanide, von Dir gezeigt und so das Gute mit dem undiskutablen Schlechten in einen Topf geworfen wird. Den Fehler der Ausstellungsleitung hätte der SPIEGEL nicht wiederholen sollen.
Hamburg
Fritz Westphal
DOLCHSTOSS (Nr. 18/53, Internationales)
Ich war sehr überrascht, in Ihrem Aufsatz »Adenauer-Reise - Sieben Tage Rhöndorf« die Feststellung zu lesen, General Gruenther hätte meine letzten Artikel im »Manchester Guardian« als einen Dolchstoß in den Rücken der europäischen (Verteidigungs-)Gemeinschaft bezeichnet. Diese Darstellung verträgt sich aber schlecht mit der dann folgenden Bemerkung, ich hätte sehr gute, ja enge Beziehungen zum Shape-Hauptquartier.
Wolverton
B. H. Liddell Hart
ADENAUER-BILD (Nr. 22/53, Briefe)
SPIEGEL-Leser Barowski hätte bei Übersendung der witzigen Bildreihe aus der »Kölnischen Illustrierten Zeitung«, in der Kanzler Dr. h. c. Adenauer unter die großen europäischen Diktatoren eingereiht ist, wohl erwähnen müssen, daß es sich bei dieser Nummer der genannten Zeitung um eine Karnevalsausgabe handelt. Ich besitze sie zufällig auch noch und fand in derselben Ausgabe unter anderen humoristischen Anspielungen auf die Tätigkeit Adenauers als Oberbürgermeister von Köln auch den folgenden Vers:
»Nur nicht boshaft, bitte - bitte,
Alles spucken, bloß kein Jift,
Was defekte Defizitte
In Colonia betrifft;
Unser Ober ist besonnen,
Hat er doch - wo's mal gekracht -
Stets die Redeschlacht gewonnen!«
Oberhausen
Hans Goltzer
NAU-NAU
(Nr. 20/53, Deutschland)
In Ihrer Nr. 20 unter »Nau-Nau« führten Sie an, daß Punkt 19 des britischen »Dokuments« behauptet, daß BHE-Mann Trumpf auf der Altenberger Tagung war und zum »inneren Kern des Gauleiterkreises« gehört. Es handelt sich dabei um mich, und es ist richtig, daß ich dem Gesamtdeutschen Block/BHE angehöre. Dagegen war ich zu der Altenberger Tagung weder eingeladen noch auf ihr anwesend. In den letzten drei Jahren war ich zwar zweimal mit dem früheren Gauleiter Dr. Scheel zusammen, den ich aus seiner Tätigkeit als Reichsstudentenführer gut kenne und persönlich schätze. Sonst habe ich aber zu früheren Gauleitern keinerlei Beziehungen gehabt und niemals »innere Kerne« mit ihnen gebildet. Da meines Wissens der britische Nachrichtendienst im Rahmen des Besatzungsstatuts von deutschen Steuergeldern bezahlt wird, könnte man erwarten, daß er in der Auswahl seiner Agenten sorgfältiger vorgeht und deren Material gewissenhafter prüft, insbesondere, da andere Punkte dieses »Dokuments« zu einer in der ganzen Weltpresse groß aufgemachten Verhaftungsaktion geführt haben.
Düsseldorf
BHE-Trumpf
LANDESVERRAT
(Nr. 20/53, Deutschland)
Ihr Bericht »Besuch bei Tante Anna« hat mich empört, und es ist gut, daß Sie auch diesen Fall der Öffentlichkeit unterbreiten ... Wir empören uns über den Raub von Menschen aus der Westzone. wir protestieren gegen den Menschenraub an den Sektorengrenzen, aber der Fall des Regisseurs A. Thorndike erhellt blitzartig, daß auch »Unsere« ohne Skrupel ähnliche Methoden anwenden ...
Hamburg
Otto Reimers
Wo bleibt der Staatsanwalt, der, wie weiland der »Alte Fritz dem Müller«, Herrn Thorndike zur Gerechtigkeit verhilft und gegen seine Entführer Strafanzeige wegen Menschenraubs erstattet? Oder wie sonst will man A. Thorndike bekehren?
Stuttgart
Hans Ohlsen
EVG-ZUSATZPROTOKOLLE
(Nr. 14/53, Deutschland)
Damit Sie wissen, daß der SPIEGEL sogar in Moskau »ankommt«, möchte ich Ihnen mitteilen, was ich kürzlich - als Berufsleser russischer Zeitungen - in der Prawda, dem obersten Sowjetorgan, fand. Genau: In der Prawda Nr. 96 vom 6. April, auf der dritten Seite, auf der gewöhnlich außen- und weltpolitische Nachrichten und Kommentare serviert werden.
Auf dieser Vorrangseite brachte die Prawda nun einen Bericht ihres Berliner Korrespondenten P. Naumow, in dem der SPIEGEL-Bericht »Blank wollte gehen« (Nr. 14 vom 1. April 1953) sehr gründlich analysiert wurde. Dabei ist zu beachten, daß es früher in der Prawda nicht üblich war, derart komplizierte Sachverhalte so ausführlich und relativ genau darzustellen. Wörtlich heißt es da: »Das gewöhnlich gut informierte Hamburger Journal (DER SPIEGEL) veröffentlicht einen Artikel, der keinen Zweifel darüber läßt, daß die regierenden französischen Kreise in der Frage der 'Zusatzprotokolle' kapituliert haben.« Abgesehen von einigen Übersetzungs-Nuancen hat sich der Prawda-Journalist Naumow ziemlich genau an den SPIEGEL-Text gehalten. »Genosse« Naumow
muß sehr schnell gearbeitet haben, wenn man bedenkt, daß diese Prawda-Ausgabe schon am 5. April abends gedruckt wurde und der Beitrag vorher noch die Zensurstelle durchlaufen mußte. Da der SPIEGEL häufiger in führenden russischen Zeitungen zitiert wird - oft natürlich mit den üblichen propagandistischen Entstellungen - , ist anzunehmen, daß sich die Korrespondenz-Funktionäre der sowjetischen Pressebüros sofort über jede neue SPIEGEL-Nummer stürzen. Übrigens berief sich auch der Moskauer Rundfunk am 5. April abends auf denselben SPIEGEL-Artikel.
München
Eugen Dürksen
KONJUNKTUR
(Nr. 16/53, Internationales)
Die Wagemannsche Theorie »Es geht automatisch wieder rauf, wenn es lange genug runter gegangen ist«, hat 1932 die Arbeitslosen in Hitlers Arme getrieben, denn diese rein fatalistische Theorie war zusätzliches Opium für die Regierung Brüning, die - nach Wagemann - nur auf den Umbruch (der Konjunktur!) zu warten brauchte und das in inbrünstigem, konjunktur-hypnotischem Tiefschlaf tat. (In den siebzig Brüningschen Notverordnungen kam das Wort »Arbeitslose« praktisch nicht vor, denn sie waren als »eine notwendige Folge der fallenden Konjunktur« gottgegeben.)
Sind aber nicht im letzten Grunde »Zusammenbrüche der Konjunktur« eigentlich Zeichen unserer Unzulänglichkeit und unserer Unfähigkeit, unsere eigene wirtschaftliche Zusammenarbeit mit »tätiger Vernunft« (Goethe) und dem nötigen Schuß akonjunkturellen Gott- und Selbstvertrauens zu gestalten und zu lenken?
Berlin
Prof. Dr. Arnd Jessen
SÜDTIROL (Nr. 18/53, Ausland)
Habe aufmerksam Ihren bedeutsamen Artikel gelesen, welcher im SPIEGEL vom 29. April erschienen ist.
Ich kann Ihnen mitteilen, daß Herr Arturo Nicolodi bereits in provisorische Freiheit gesetzt wurde, und zwar nach Erlegung einer Kaution von 50 000 Lire und mit der Verpflichtung, sich bis zum Beginn des Prozesses in Riva am Gardasee aufzuhalten.
Übrigens hat nicht der Herr Gerichtspräsident Dr. Giulio Dall'Aira den Herrn Nicolodi verhaften lassen, er hätte es ja auch gar nicht tun können, sondern die Inhaftnahme erfolgte auf Anordnung des Untersuchungsrichters, der dafür zuständig war. Herr Dr. Dall'Aira ist hier wegen seines feinen Gefühls für Recht und Billigkeit allgemein geschätzt, und ich bin sicher, daß er sich in diesem, wie in jedem anderen Fall, zugunsten des Herrn Nicolodi verwendet hat.
Claudi Rossi Avvocato
KLAMMERN (Nr. 16/53, Briefe)
Als eifriger Leser und Propagandist Ihrer Wochenschrift DER SPIEGEL möchte ich Ihnen den Vorschlag machen, neben die in Klammern angeführte Zahl, aus welcher das Alter einer Person zu ersehen ist, auch das Glaubensbekenntnis sowie die Parteizugehörigkeit zu setzen. Natürlich nur dann, wenn es nicht als allgemein bekannt vorausgesetzt werden kann. Diese kurzen Andeutungen wären oft aufschlußreicher als viele Worte.
Kaiserslautern
A. Albrecht (62, kath., ohne)