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Artikel 20 / 28

Briefe

BRIEFE
• aus DER SPIEGEL 34/1953
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BRIEFE

ROBERT A. TAFT (Nr. 32/1953, Internationales)

... Die Deutschen sollten auch nicht vergessen, daß Taft in den Jahren 1943 bis 1945 einen mutigen Feldzug gegen die bedingungslose Kapitulation Deutschlands geführt hat. Er erwies sich damit ebenso als Realpolitiker wie in der Beurteilung der Tat der Männer vom 20. Juli. Diese Tat, so sagte er, sei zwar eine heroische Geste gewesen, hätte aber, selbst wenn es dadurch gelungen wäre, Hitler zu beseitigen, keine praktische Bedeutung gehabt.

Mainz

Claus Pistor

cand. phil.

Die Amerikaner haben in Taft einen großen Politiker verloren. Wäre es nach ihm gegangen, hätte der Korea-Krieg sicherlich nicht stattgefunden; denn er hatte seine Ansicht zu diesem unheilvollen Konflikt so formuliert: »Ich widersetze mich gar nicht einer Intervention in Korea, falls diese wirklich notwendig ist, um die Sowjets in ihre Grenzen zu weisen. Was ich aber verurteile, ist die Leichtfertigkeit, mit der man Hals über Kopf in einen Krieg eintritt und diesen dann schönfärberisch eine Polizeiaktion nennt.«

Bonn

Heinrich Etzel

stud. jur.

PIERRE LAVAL (Nr. 30/1953, Ausland)

Mit unsagbarer Empörung habe ich die von Yves-Frédéric Jaffré geschilderte Szene aus dem Gerichtsverfahren gegen Laval und seine Hinrichtung gelesen ...

Die Haltung und Gesinnung Y.-F. Jaffrés hingegen bestätigt uns, daß es in Frankreich auch eine echte, nicht national-gefärbte Wahrheit gibt.

Hildesheim

Walter Jünemann

Ihre Veröffentlichung des Falles Pierre Laval hat mich tief erschüttert ... Frankreich ist um einen Justizskandal reicher und um einen Politiker von europäischem Format ärmer geworden. Auch ich rufe mit den Gefangenen von Fresnes: »Vive Laval!« ...

Berlin

Dr. A. Stolz

ALLES QUATSCH (Nr. 32/1953, Deutschland)

Ich erkläre ausdrücklich, daß ich zwar in Emanuelssegen, Kreis Pless/Oberschlesien, geboren wurde, doch bereits im Alter von drei Wochen nach Graupen in Böhmen gebracht worden bin. Seitdem habe ich meinen Wohnsitz in Böhmen im Hause meiner Eltern gehabt, und zwar seit 1906 in Königswerth, Bezirk Falkenau/Eger, auch während ich in Deutschland die Schule besuchte, studierte und mich meiner Ausbildung zum Bergassessor unterzog. Auch als ich nach 1933 in Deutschland Stellungen im Bergbau bekleidete, habe ich stets meinen Hauptwohnsitz in Böhmen beibehalten, wie aus dem Paß, den ich damals besaß und der von der Deutschen Gesandtschaft ausgestellt war, klar und eindeutig hervorgeht. Die Stellungen, die ich in Deutschland bekleidete, habe ich immer nur als eine Lehrzeit vor der Übernahme der Leitung der im Familienbesitz befindlichen Bergwerke in Böhmen angesehen und schon aus Gründen der Aufrechterhaltung meiner Aufenthalts- und Berufsgenehmigung in der Tschechoslowakei entscheidenden Wert darauf legen müssen, meinen Wohnsitz in Böhmen nicht aufzugeben. Nach der Eingliederung des Sudetengebietes 1938 und nach Ausbruch des Krieges ist diese Voraussetzung natürlich weggefallen. Meine Familie und ich haben jedoch in der ganzen Zeit bis zur Beendigung des Krieges den Wohnsitz in Böhmen gehabt, auch wenn ich selbst während des Krieges zu verschiedenen Aufgaben eingesetzt war, wobei ich meine Familie nicht mitnehmen konnte. Es ist merkwürdig, daß man offenbar in meinem Fall nicht zugeben will, daß ein Mensch einen doppelten Wohnsitz haben kann. Auch heute ist es ja bei mir wieder so: Mein eigentlicher Wohnsitz ist Braunschweig, und gleichzeitig wohne ich, solange ich das Amt eines Bundesministers für Verkehr innehabe, mit meiner Familie in Bad Godesberg.

Bonn

Der Bundesminister für Verkehr Seebohm

RATIONALISIERUNG (Nr. 32/1953, Deutschland)

Alle Rationalisierungs-Fachleute werden Dir dankbar sein, daß Du - keine Fachzeitschrift wagt es, das in dieser Deutlichkeit zu sagen - einmal auf den Unfug der überhöhten Handelsspannen für Verbrauchsgüter hingewiesen hast ... Es würde nicht schwerfallen, für gewisse Verbrauchsgüter den Anteil des Verteilerapparates am Endpreis einmal zusammenzustellen - aber wer würde es wagen, diese Zahlen zu veröffentlichen? Es gibt genug Firmenvertreter, deren Einkommen ein Vielfaches eines Vorstandsmitgliedes des Erzeugerwerkes ist, und mancher Fabrikant, der sich zähneknirschend die Ladenverkaufspreise seiner Erzeugnisse ansieht, wäre froh, wenn er einen Bruchteil der Verdienstspanne des Handels für notwendige Betriebsausgaben zur Verfügung hätte ...

Bei den reinen Fertigungskosten sind nur noch in wenigen Fällen ohne größere Investitionen Ersparnisse möglich. Als - allerdings extreme - Fälle seien hier nur einige Zahlen aus zwei bestimmten Industriewerken genannt. Bei einem Haushaltsgerät, das neuerdings in immer größeren Zahlen verkauft wird, Endverkaufspreis von 400 bis 600 Mark, liegt der Anteil der reinen Werkstattlöhne (ohne Hilfslöhne und sonstige Gemeinkosten) bei 3,5 Prozent des Verkaufspreises. Bei einem anderen Erzeugnis vom Endverkaufspreis um 800 Mark herum liegt der Prozentsatz der reinen Fertigungslöhne bei 4,2 Prozent. Selbst wenn eine weitere Senkung der Werkstattkosten von 10 Prozent durch weitere Rationalisierung möglich wäre, würde die mögliche Preissenkung lächerlich niedrig sein im Vergleich zu der Verdienstspanne des Einzelhändlers, die in diesen Fällen zwischen 25 und 40 Prozent des Verkaufspreises liegt ...

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte bei der Diskussion des neuen Produktivitäts-Programms ... die Dreiteilung des Rationalisierungserfolges auf Löhne und Gehälter, auf eine Investitionsrate für das Unternehmen und auf die Preissenkung. Angesichts der tatsächlichen Verhältnisse wären diese Vorschläge einer Beachtung wert gewesen. Wer den Einfluß der Handelskreise auf die Bonner Wirtschaftspolitik kennt, weiß ohnehin, daß diese »Kreise der Wirtschaft«, je weiter von der tatsächlichen Unternehmerleistung und der Arbeit des Ingenieurs entfernt, um so weniger an einer wirklichen Produktivitätssteigerung interessiert sind.

Münster

Dipl.-Ing. Karl Kayser

Mit größtem Interesse las ich Ihren Artikel »Rationalisierung« in Ihrer letzten Ausgabe. So habe ich mir das auch bisher vorgestellt, daß die Preise so abgesprochen oder festgesetzt werden, daß auch der allerunfähigste Unternehmer oder Kaufmann noch auf seine Kosten kommt. Das nennt man dann freie Wirtschaft ...

Bendorf (Rhein)

W. Nett

KINDERMODEN (Nr. 28/1953, Deutschland)

Deine Nummer 28 zeigt auf Seite 9 drei niedliche Kinderbilder, und dazu Ausführungen der katholischen Wochenzeitung »Michael«, die nicht ohne schärfsten Protest hingenommen werden können. Wer bei diesen Bildern »Eindeutigkeiten« sehen will, den kann man nur ob seiner seltsamen Phantasie bedauern. Den Unterschied zwischen kleinen Jungen und Mädchen hat schließlich Gott geschaffen, und ihm kann man gewiß keine »Eindeutigkeiten« unterstellen. Wo kommen wir denn hin, wenn die Betrachtungsweise des »Michael« Schule macht? Ich möchte hinzufügen, daß ich kein »hypermoderner« Mensch bin, der alles Heutige gutheißt, sondern eine 63jährige Großmutter, die Kinder liebt und sich herzlich über die drei Kleinen auf dem Bilde gefreut hat.

Duisburg

Elsa Dassler

... Dem »Michael« ein Bravo für die warnende Stimme. Manch ein Sittlichkeitsverbrecher ist erst durch die zu kurzen Röckchen bei den Mädchen und die zu engen Höschen bei den Kindern auf den Gedanken gekommen, sich an den Kindern zu vergehen ...

Bremen

Ursula Böttcher

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