Brille
Thüringens SED-Zeitung las die westdeutschen KP-Stimmzahlen durch die stark vergrößernde Parteibrille. Die ersten Wahlergebnisse brachte das »Thüringer Volk« unter der Ueberschrift »Stimmenzuwachs der KPD - schwache Wahlbeteiligung - KP gewinnt bis zu 50 Prozent - ». »Diese Tatsachen«, schreibt die Parteizeitung, sind um so beachtlicher, da sowohl die englischen und amerikanischen Besatzungsbehörden als auch ihre getreuen Söldlinge wie Schumacher, Adenauer, Pünder und Konsorten alles unternahmen, um die Stimme der KP brutal zu unterdrücken«. Der Artikel schließt mit »einigen Ergebnissen, die typisch für den Wahlausgang sind": Karlsruhe KPD 9015 Stimmen (letzte Wahl 6200); in Heilbronn erzielte die KPD 2500 Stimmen mehr als bei der letzten Wahl. - Genosse Pieck nannte das Wahlergebnis drei Tage später eine »Fehlentscheidung, die ähnlich verhängnisvolle Folgen haben kann wie die Wahlen von 1932«.