Bruch - DER SPIEGEL
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Bruch

• aus DER SPIEGEL 5/1954
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Ein »Ernst-Reuter-Kreis« der Berliner SPD, dem u.a. der Alt-Reichstagspräsident Paul Löbe und der ehemalige Berliner Stadtrat Gustav Klingelhöfer angehören, hat an politische Interessenten einen Brief mit Beiträgen zur Erneuerung der Sozialdemokratischen Partei versandt. Darin heißt es, die Partei »schleppe unzeitgemäße Vorstellungen und Begriffe hinter sich her...« Mit dem klassischen Marxismus wird in prägnanten Thesen gebrochen:

* »Es kann heute eine Streitfrage der Gesellschaftswissenschaft bleiben, ob der

wirtschaftliche Klassenkampf die letzte Ursache alles geschichtlichen Wandels ist...«

* »Es hat sich als falsch erwiesen, daß die Interessen der Arbeiter und des Kapitals immer und mit Notwendigkeit einander entgegengesetzt sein müssen ...«

* »Es hat sich auch als falsch erwiesen, daß die Entwicklung des Kapitalismus zur Proletarisierung der überwältigenden Mehrheit der Menschen führen und die Vernichtung des kleinen Kapitaleigentums und des Mittelstandes zur Folge haben muß ...«

* »Folgerichtig ist auch die Frage nach der klassenlosen Gesellschaft heute nicht mehr so gestellt, daß zu ihrer Herbeiführung die Vergesellschaftung aller Produktionsmittel geboten erscheint. Das private Kapitaleigentum und die dieses riskierende freie Geschäftsinitiative können heute in Stadt und Land als nützlich anerkannt werden. Sie sind nur zu beschränken, wo sie die Bildung privater Marktmonopole mit sich bringen und machtmäßig mit dem demokratischen Gesetzgeber in Konkurrenz treten.«

* »Sozialismus als eine Heilslehre ist heute entbehrlich ...«

Zins, Kapital, Börse und Aktie werden des Begriffsinhalts der klassischen marxistischen Vorstellungswelt entkleidet und als Faktoren einer funktionsfähigen Wirtschaftsordnung neu gedeutet.

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