Bruch aus Bayern - DER SPIEGEL
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Am Rande Bruch aus Bayern

• aus DER SPIEGEL 49/2001
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Nehmen wir mal an, die Bayern wären die älteste Kulturnation auf Erden. Hätten das Feuer gezähmt, das Rad erfunden und ein, zwei mittlere Weltreligionen gestiftet. Dann wäre gewiss ein Bayer Kanzler, und zwar solange er wollte. Auf ihn folgte sein ältester Sohn.

Tatsächlich aber hat Bayern gerade mal den Radi erfunden. Und alle Versuche, irgendetwas Taugliches von Bayern nach Berlin zu exportieren, scheinen zum Scheitern verurteilt. Zuletzt haben sie noch nicht mal einen anständigen Weihnachtsbaum in der Hauptstadt aufstellen können: Die im letzten Jahr gelieferte Fichte war dermaßen krüppelig, dass sie zersägt und den Zoo-Elefanten zum Fraß vorgeworfen wurde.

Und der Bayernbaum 2001 auf dem Ernst-Reuter-Platz, 36 Meter hoch und geschlagen, um ein für alle Mal zu zeigen, aus welchem Holz die Bayern sind - diese Mutter aller Fichten, sie zerbrach. Knacks, einfach in der Mitte durch. War wohl morsch, ließ sich nicht schienen, und nicht mal der Zoo wollte die Reste abnehmen.

Das weitere Schicksal des Baumes ist unbekannt. Mit Glück und gefälschten Herkunftspapieren könnte er in einem skandinavischen Bettenhaus Karriere machen, als Sitzmöbel »Edmund« vielleicht. Schwarz lackiert, und als mahnendes Exempel dafür, dass der feste Wille, in der Hauptstadt Glanz zu verbreiten, mitunter doch zu wenig ist, selbst wenn man aus Bayern kommt.

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