SPANIEN Brüchige Freundschaft
Spanien und Marokko haben ihre seit 15 Monaten andauernde diplomatische Fehde mit einem Staatsbesuch der spanischen Außenministerin beendet. Tiefpunkt des Zerwürfnisses der beiden Nachbarn war die Besetzung der Petersilien-Insel durch königlich-marokkanische Gendarmen und die militärische Rückeroberung durch Spanien im Juli vorigen Jahres. Jetzt kehrten die Botschafter beider Länder wieder auf ihre Posten zurück. Doch der neuen Freundschaft steht schon bald eine Zerreißprobe bevor. Gerade wurde das Mandat der Uno-Blauhelme in der ehemaligen spanischen Kolonie Westsahara bis zum 31. März verlängert. Spätestens dann muss Spanien als Mitglied des Sicherheitsrates über den neuen Plan von Vermittler James Baker abstimmen. Eine heikle Situation: Denn Marokko hatte sich das gigantische Wüstenterrain 1975 einverleibt. Seither unterstützen die Spanier die Unabhängigkeitsbestrebungen der Frente Polisario. Baker schlägt zwar eine Autonomie vor, aber unter Souveränität Marokkos und nur auf Probe. 2008 soll die dort lebende Bevölkerung in einem Referendum über ihr Schicksal abstimmen. Das lehnen sowohl die im Exil lebenden Polisario-Führer als auch Spaniens Ministerpräsident José María Aznar ab: Sie berufen sich auf einen Uno-Beschluss von 1991, der eine unmittelbare Volksabstimmung über die Unabhängigkeit vorsah.