Bülent Ecevit
trat im Januar 1974 mit dem ehrgeizigen Plan an, die sozialen Ungerechtigkeiten in der Türkei zu lindern. Land- und Bildungsreform sowie Vermögensumverteilung sollten ihm einen bescheidenen Platz neben Kemal Atatürk sichern.
Für Reformen fehlte die Zeit, dafür überstrahlt Ecevits Ruhm als kriegerischer Volksheld, der den Erzfeind Griechenland auf Zypern in die Schranken wies, heute schon die Verehrung für Kemal.
Das kriegerische Image scheint zu Ecevit nicht zu passen. Bevor er über den Journalismus zur Politik kam, hat er Eliot, Ezra Pound und Tagore übersetzt. Er dichtete sogar über die Türken als »Brüder« der Griechen.
Seine Gegner unterschätzten ihn stets. Kaum einer hatte es für möglich gehalten, daß dieser intellektuelle Schöngeist 1972 dem abgebrühten Ismet Inönü die Führung der Republikanischen Volkspartei entwinden könnte; keiner auch hatte ein Jahr später, als die Militärs in der Türkei wieder wählen ließen, einen Sieg Ecevits vorausgesehen.
Die realistische Rechnung, daß den Amerikanern der Allianzpartner Türkei wichtiger sein müßte als der Fortbestand des zyprischen Einheitsstaates unter Makarios, führte Ecevit zu seinem größten Triumph.