UKRAINE Buhlen um China
Das Verteidigungsministerium in Kiew unternimmt einen neuen Anlauf, ein Prestigeobjekt zu retten - den Bau des Schwertransporters An-70. Neuer Partner bei der Produktion des Flugzeugs soll nun China werden. Noch voriges Jahr galt der Lasten-Jumbo als mögliches Symbol einer neuen militärischen Ost-West-Kooperation: Insbesondere die Bundeswehr wollte ihn zum künftigen Nato-Militärtransporter küren. Nach wirtschaftlichen und technischen Kriterien ist die An-70 dem in Westeuropa geplanten Airbus A400M überlegen. Sie kostet nur 60 Prozent des West-Modells, ist bereits flugerprobt und wäre kurzfristig herzustellen. Aus politischen Gründen aber kündigte die westliche Allianz die Kooperation mit Kiew auf. Die frustrierten Ukrainer knüpften nun Kontakte zu den Chinesen auf der Waffenshow von Zhuhai. Und Pekings Behörden zeigen sich an dem Großraum-Transporter interessiert, auch an der zivilen Variante An-70T. Gelänge der Sprung auf den chinesischen Markt, wäre der Absatz von über 200 Maschinen gesichert - und ein Gewinn von drei Milliarden Dollar. Allerdings: Nur wenn Kiew in den nächsten Monaten die Entwicklung bis zur Produktionsreife vorantreibt, besteht die Chance, der West-Konkurrenz zuvorzukommen. Doch um die An-70 schon 2002 in Serie zu bauen, müsste die notorisch klamme Ukraine noch einmal umgerechnet 80 Millionen Mark in das Projekt investieren.