Cem Özdemir,
32, Bundestagsabgeordneter der Bündnisgrünen, hat sich im Netz der Schleierfahndung verfangen. Als der türkischstämmige Parlamentarier kürzlich in Köln den Zug verließ, gerieten er und ein Geschäftsmann in eine der von Innenminister Manfred Kanther neu eingerichteten verdachtsunabhängigen Kontrollen des Bundesgrenzschutzes (BGS) an Bahnhöfen und in Zügen. Weitere Fahrgäste blieben unbehelligt. Nach Vorlage seines Abgeordnetenausweises durfte Özdemir passieren. Wenige Tage später, vergangene Woche, ist der Grünen-Politiker erneut Zielperson, die einzige im Großraumabteil eines Zugs. Während im selben Wagen angetrunkene deutschstämmige Landsleute lautstark grölten, interessierten sich vier Grenzschützer und ein Schäferhund nur für den Abgeordneten aus Schwaben. Die Frage Özdemirs, warum es gerade ihn immer treffe, beantworteten die BGS-Beamten knapp mit »Erfahrungswerte«.