Chaos bei der Terrorbekämpfung - DER SPIEGEL
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SÜDOSTASIEN Chaos bei der Terrorbekämpfung

• aus DER SPIEGEL 50/2002
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Streit zwischen Regierungen und Geheimdiensten droht Fahndungserfolge gegen das Qaida-Netzwerk in Südostasien und dessen indonesischen Ableger Jemaah Islamiah (JI) zunichte zu machen. Obwohl Indonesiens Geheimdienst (BIN) vergangene Woche Ali Gufron, den als Mukhlas bekannten JI-Militärchef und mutmaßlichen Organisator der Bali-Bomben, nur mit Hilfe australischer Überwachungstechnologie dingfest machen konnte, herrscht in Jakarta heftige Verstimmung über Canberras Premier John Howard. Dieser hat angekündigt, sein Land werde nicht vor militärischen Präventivschlägen in Nachbarländern zurückschrecken, wenn es der Terrorbekämpfung diene.

Malaysias Premier Mahathir Mohamad, in dessen Land sich Islamisten der Region wie Mukhlas und JI-Chef Abu Bakar Ba'asyir zwischen 1999 und 2001 zu insgesamt fünf Terrorgipfeln mit Abgesandten Osama Bin Ladens getroffen hatten, kündigte gar an, die weitere Zusammenarbeit mit Australien »zu überdenken«. In Jakarta herrscht zudem heftige Irritation über die CIA. Obwohl der US-Dienst mit Hilfe des BIN den Kuweiter Omar al-Faruk im Juni in Indonesien verhaftete, diesen außer Landes brachte und in anschließenden Verhören zahlreiche Erkenntnisse über die Struktur von al-Qaida gewinnen konnte, gibt Langley wenig Information nach Jakarta weiter. Als BIN-Abgesandte Faruk im US-Lager Guantanamo Bay einvernehmen wollten, verweigerte die CIA den indonesischen Kollegen den Zugang zu dem Top-Terroristen.

Bei Singapurs Abwehrdienst (ISD) herrscht Irritation über Agenten aus Malaysia. Obwohl Malaysia schon im November vier Singapurer Islamisten festgenommen hat, die Selbstmordattentate in der Bankenstadt durchführen wollten, erfuhr der ISD bis Ende letzter Woche noch nicht mal deren Namen.

Wenig ergiebig scheint auch die Zusammenarbeit der Indonesier mit den deutschen Justizbehörden im Fall des Deutsch-Arabers Seyam Reda zu sein, der im September in Jakarta als mutmaßlicher al-Qaida Aktivist festgenommen wurde. Obwohl die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gegen Reda ein Verfahren wegen des Verdachts auf Unterstützung einer ausländischen Terrororganisation eingeleitet hat, steht er seit letzten Mittwoch in Jakarta nur wegen Verstoß gegen die Einreisebestimmungen vor Gericht. Damit könnte der Mann schon bald wieder auf freiem Fuß sein.

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