ECUADOR Chávez oder Gott
Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt am kommenden Sonntag wird, so oder so, der »Chávez-Faktor« die Entscheidung bringen. Der Nationalist Rafael Correa, der sich einen »christlichen Linken« nennt, ist mit Hugo Chávez befreundet und sieht in dem Linkspopulisten aus Venezuela sein Vorbild. Nach dem Muster Venezuelas und Boliviens strebt Correa eine verfassunggebende Versammlung für sein Land an. Er ist gegen ein Freihandelsabkommen mit den USA und wettert gegen die traditionelle politische Klasse. Im ersten Wahlgang hatte dem favorisierten Correa die Nähe zu seinem politischen Ziehvater allerdings geschadet: Er verpasste die Mehrheit deutlich. Nun hofft sein Gegner, der Multimillionär Alvaro Noboa, in der Stichwahl auf einen ähnlichen Effekt wie zuvor in Peru und Mexiko, wo die Einmischung von außen nicht gut ankam und die Chávez-Protegés verloren. Der nicht minder populistische Bananenproduzent Noboa gilt als reichster Mann Ecuadors. Er verteufelt Correa als Kommunisten und behauptet, dessen Wahlkampf werde von Chávez finanziert. Noboa selbst beruft sich auf Unterstützung von oben. Er tritt als »Gesandter Gottes« an, verspricht den Armen viel Geld und verteilt im Wahlkampf Geschenke.