Clintons außenpolitisches Team - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 60 / 106

Clintons außenpolitisches Team

• aus DER SPIEGEL 53/1992
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Anfang November gab sich Warren Christopher noch bescheiden. Er erwarte keinerlei herausragende Position für sich selbst in der neuen Clinton-Administration, hatte er den frisch gewählten Präsidenten wissen lassen.

Sechs Wochen später wurde der Rechtsanwalt aus Kalifornien mit der Führung des Außenministeriums betraut, dem er bereits unter Jimmy Carter als Vizeminister angehört hatte. Wie kaum eine andere Berufung gibt die Ernennung von Warren Christopher, 67, Aufschluß über die Art, in der Bill Clinton seine Regierung führen will.

Loyal bis zur Selbstverleugnung, zeichnet das wohl wichtigste Washingtoner Kabinettsmitglied nach Meinung eines Clinton-Beraters vor allem aus, »daß er keine eigene Politik verfolgt«.

Denn nicht nur in der Wirtschafts- und Innenpolitik, auch nach außen will der Gouverneur aus Arkansas den Kurs der einzig verbliebenen Supermacht bestimmen. Das Team, das er zu diesem Zweck am Dienstag voriger Woche vorstellte, läßt dem neuen Präsidenten allen erforderlichen Spielraum. Dem liberalen Christopher, den Konservative zu verhindern suchten, weil sie ein Wiederaufleben von Carters moralinsaurer Weltpolitik fürchteten, steht mit Anthony Lake, 52, ein Sicherheitsberater gegenüber, der zu den engsten Gefährten des Realpolitikers Henry Kissinger gehörte.

Das Pentagon soll künftig von Les Aspin, 54, dem Vorsitzenden des Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus, geführt werden. Er berät Clinton in allen wichtigen sicherheitspolitischen und militärischen Entscheidungen - von der weiteren Kürzung des Wehretats bis hin zur Aufhebung des Dienstverbots für Homosexuelle in den Streitkräften.

Zur Ausgabe
Artikel 60 / 106