Conny & Peter - DER SPIEGEL
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SCHLAGER / TEENAGER-GESCHÄFT Conny & Peter

• aus DER SPIEGEL 46/1958
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Filme mit Schallplattenstars«, berichtete die unabhängige Korrespondenz »Film -Telegramm« kürzlich, »sind in einer viel wirksameren Weise vom Star her Erfolge als etwa Filme mit reinen Filmstars ... Es gibt Maria Schell-, Curd Jürgens- und O. W. Fischer-Filme, die beim Publikum glatt durchgefallen sind, weil sich die berühmten Fans, die ihren Idolen sonst überall zujubeln, an den Kinokassen nicht blicken ließen. Aber es gibt kaum Filme mit Elvis Presley, Freddy und Peter Alexander, die trotz mangelhafter Drehbücher und trotz mangelhafter Regie ihr Geld nicht eingebracht hätten ...«

Um Gewinn aus dieser Erkenntnis zu ziehen, die den Filmproduzenten besonders in den letzten beiden Spielzeiten gekommen ist, hatte der Filmproduzent und Musikverleger Schaeffers, Mitinhaber der »Melodie-Film GmbH«, das »ideale deutsche Schlagerpaar« für einen Musikfilm engagiert: den bajuwarischen Presley-Imitator Peter Kraus, 19, und die der »Badehose« entwachsene Cornelia ("Conny") Froboess, 15.

Die hohe Verkaufsziffer von Schallplatten mit Gesängen der beiden Teenager schien dem Schaeffers von vornherein ein sicheres Kinogeschäft beim schlagernärrischen jungdeutschen Publikum zu garantieren, das sich bisher gegen die Verlockung des deutschen Fernsehens als immun erwiesen hat: Der modisch wackelnde Gitarrenjüngling Kraus ist in diesem Jahr auf die vorderen Plätze der »Schlagerparaden« gerückt, und der einst durch den unnatürlich klingenden Vortrag von Kinderliedern bekannt gewordenen Froboess gelang es nach einer pubertären Zwangspause, mit bemerkenswertem Erfolg zum zweitenmal in das Unterhaltungsgeschäft vorzudringen - diesmal mit einem amerikanisch inspirierten, unartikulierten Geplärr, das von den Schallplatten-Herstellern sogleich pflichtschuldig als »new sound« (neuer Klang-Stil) begrüßt wurde.

Anfang Oktober begann der Regisseur Fritz Umgelter, der bis dahin hauptsächlich beim Fernsehen tätig gewesen war, in den Film-Ateliers von Berlin-Tempelhof die Dreharbeiten mit dem minderjährigen Sangespaar. Der Tonsetzer Werner Scharfenberger hatte sechs Schlager ersonnen, die der »Melodie-Film«-Mitinhaber Aldo von Pinelli und der Drehbuchschreiber Joachim Wedekind mit einer lebhaft an den englischen Film »Wie herrlich, jung zu sein!« gemahnenden Handlung garnierten.

Die Werbeabteilung der Verleihfirma Constantin schwärmte den Kinobesitzern mit den branchenüblichen Schlagworten vor, »dieser in seiner Art einmalige Film wird alt und jung begeistern - Spitzenschlager des Rundfunks und Millionenerfolge der Schallplatte ... sind die Sensation dieses spritzigen Films«. Auch die einschlägigen Film-Illustrierten begrüßten mit dem ihnen arteigenen Schmus die Nachricht von dem ersten gemeinsamen Auftreten: »Conny und Peter brachten ... einen neuen Sound, der ganz groß eingeschlagen ist« (Star-Revue).

Doch schon bald sah sich Film- und Schlagerproduzent Schaeffers in den kalten Krieg der Schallplattenfirmen Polydor und Electrola verstrickt. Grund: Halbstarken -Idol Kraus strapaziert seine Stimmbänder exklusiv für Polydor. Conny Froboess plärrt nur für Electrola. Man hatte sich zwar geeinigt, daß beide ihre Filmschlager jeweils auf Schallplatten ihrer Vertragsfirma konservieren würden. Clou des Films sollten aber zwei Duette sein, und im dissonanten Streit über die Frage, auf weichem Wege diese »heißen Duette« auf die Plattenteller eingeschworener Schlageranbeter gelangen sollten, vereisten die Fronten.

Schaeffers entsann sich einer Vereinbarung, durch die in einem ähnlichen Fall der Electrola-Star Bibi Johns und der Polydor-Sänger Peter Alexander harmonisch vereint werden konnten: Beide boten ihre Duette für beide Plattenfirmen dar. Mit dem ihm eigenen Optimismus erhoffte der »Melodie«-Filmproduzent sich eine Neuauflage dieses Abkommens.

Doch die Electrola-Leute konnten sich für diese einfache Lösung - die ein aussichtsvolles Geschäft bei den minderjährigen Plattenkäufern garantiert hätte - nicht mehr erwärmen. In der unerschütterlichen Überzeugung, »daß die Conny keinen Werbevorspann für den Kraus abzugeben braucht«, lehnten sie den Vorschlag ab.

»Im Falle von Conny«, begründete Electrola-Produktionsleiter Wolfgang Renk die Ablehnung des Angebots, »ist die Verbindung mit der Marke 'Electrola' besonders eng, da wir Conny seit Jahren auf ihren neuen Start als 'Teenagerstar' vorbereitet haben und überhaupt die besondere Pflege der musikalischen Geschmacksrichtung der Teenager in Deutschland von unserer Gesellschaft ausging. Es würde nun im Publikum ein vollkommen falscher Eindruck entstehen, wenn plötzlich der Name unserer jungen Exklusivkünstlerin - die als Teenager-Idol richtunggebend ist - auch auf einer anderen Schallplattenmarke erscheint.« Conny Froboess solle noch in weiteren Filmen auftreten, »die über Deutschlands Grenzen hinausführen und ihr einen Aufstieg zur Weltpopularität ermöglichen«.

Bei Schaeffers »Melodie«-Filmgesellschaft vermutet man indes, daß die Ablehnung noch auf einen anderen, nämlich »werbepsychologischen« Grund zurückzuführen sei. Erinnert sich Conny-Vater Froboess: »Nachdem wir vor Jahren unsere ersten großen Erfolge bei Electrola hatten, ließen wir uns überreden, zu Polydor zu gehen. Aber in dem großen Polydor-Stall ist Conny glatt gestorben.« Darauf sei er »ruckartig« zu Electrola zurückgekehrt. »Und man soll nun nicht sagen können: Aha, jetzt ist die Conny also doch wieder bei Polydor!«

Den beiden Firmen blieb somit nichts übrig, als sich nach Ersatzpartnern für die jungen Tonsäulen ihres Plattengeschäfts umzutun und ihren Kunden neben den filmoriginalen Solo - Gesängen jeweils Ersatz-Duette zu liefern.

Die Polydor-Leute stöberten als Conny Ersatz einen bis dahin unerprobten Wiener Teenager auf, dem sie den Namen Micky Main anhängten. Die Eiectrola-Plattler entschieden sich für ihre (bereits hauseigene) Frankenfeld - Entdeckung Will Brandes, nachdem sie über die Verpflichtung des schwedischen Presley-Jüngers »Little Gerhard« nicht einig werden konnten. (Die Tatsache, daß der 26jährige Brandes nicht gerade ein idealer Nietenhosen-Partner für die 15jährige Froboess ist, stört die Schallplattenleute nicht - den »sein Steckenpferd Nr. 2 ist das Spiel mit der elektrischen Eisenbahn«.)

Dem Schlager-Schaeffers, der seinen Abstecher in den Gegenwartsfilm - seine Gesellschaft produzierte für die Ufa den Hildegard-Knef-Film »Madeleine und der Legionär« - mit stattlichen finanziellen Einbußen bezahlen mußte, ist die Uneinigkeit der Platten-Konkurrenten nur recht: das »ideale deutsche Schlagerpaar« wird lediglich in seinem Film existieren.

Im Vertrauen auf die Zugkraft des minderjährigen Sängerpaares glaubte er, auf die Mitwirkung kassenträchtiger Filmstars verzichten zu können. Eingedenk der Erfolge von Schlagerfilmen hofft er sogar, daß die Teenager-Schlagerparade - mit dem spekulierenden Titel »Wenn die Conny mit dem Peter ...« - sich als eines der großen Kinogeschäfte der diesjährigen Kinosaison erweisen und die »Madeleine« -Schlappe wettmachen wird.

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