Dabei bleibt's!
(Nr. 11, 12,15/1975, Briefe)
Liest man sich einmal die Pro-Strauß-Leserbriefe durch, so wird man unschwer feststellen, daß deren Autoren die gleiche »Terminologie« wie Strauß gebrauchen. Er ist nach Ansicht dieser Autoren der starke Mann, der alle Mißstände beseitigen kann, ja ein Professor Dr. W. Carras bezeichnet Strauß als eine Art Messias, der uns alle vor dem Teufel in Gestalt der Sowjet-Union erretten kann. -- All diese Leserbriefe machen deutlich, daß ein sehr großer Teil der Deutschen, vor allem die ehemaligen Weltkriegssoldaten, aus seinen Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus nichts gelernt hat. Offenbar ist für diese Leute sowie für den Halbgott Strauß das Gegenteil von »Rechtsstaat« nicht »Unrechtsstaat«. sondern »Linksstaat. Eine solche Einstellung in der deutschen Bevölkerung hat die Machtergreifung Adolf Hitlers begünstigt.
Kirchheilen (Nrdrh.-Westf.) LUDGER SCHMEINK
Student
Denen, die Franz Josef Strauß verteidigen und mich angreifen, weil ich über ihn, mit straußischer Deutlichkeit. nichts als die Wahrheit gesagt habe, vielen Dank für ihre zärtlichen Zuschriften. Und als hübsche Dreingabe ein Zitat aus meiner Strauß-Sammlung (auf Wunsch noch weitere Sprachschönheiten): und wer uns da angreifen will, dem hau ich die Zähn' ein, daß sie ihm zum Arsch aussifahr'n.« Dies als Präludium. für empfindsame Ohren.
Nun eine Kostprobe von vielen gleich oder ähnlich lautenden Zuschriften von Strauß-Freunden an mich: »Ob der Vaterlandsverräter Brandt mit seinem Buch »Deutsche und andere Mörder« auch Sie mit gemeint hat?« Ich frage mich immer wieder, warum solche Schweine, wie Sie eines sind, nicht in die DDR oder Rußland emikrieren« (so geschrieben). »Sie Vollblutidiot.« Oder: »ich verstehe nicht, warum Sie jetzt nicht nach Portugal gehen«, oder: »Man müßte Sie einen qualvollen Tod sterben lassen, nämlich mit Marmelade erschießen oder von Spatzen tottreten lassen, Sie Honigkuchen!«
Die etwas besser »Gebildeten« unter den Strauß-Freunden wünschen mir keinen langsamen. sondern einen schnellen Tod; das ist sehr gütig. »Man sollte Sie gleich erschießen.« »Man sollte Sie ohne Prozeß aufhängen.« »Auch so einer« (schreibt ein Diplom-Kaufmann aus Bayern), »den man zu vergasen unterlassen hat.« »Bezahlter Sowjet-Agent.« » Vaterlands- Verräter.« (Diesen Titel bekam ich gleich elfmal; da muß es ja wohl seine Richtigkeit haben ...) »Stänker«, »Scheißpfaffe«, »Banditen freund«. »Jugendverführer«. »falscher Prophet«. »vaterlandsloser Geselle« ..., Moskau-Spion.« (Ich könnte bei jedem Ausdruck den Absender beifügen. aber das macht zuviel Mühe.)
Und nicht nur ich werde genannt: »Ihr beleidigender Schmähartikel rechtfertigt meinen früher schon wegen Leuten wie Gollwitzer und Scharf getaner; Schritt, eine auf dem Wege zum Kommunismus befindliche evangelische Kirche zu verlassen. Sie sind ein geistiger Ziehvater kommunistischer Studenten! ... Und so weiter. Und so weiter
Und nun das Netteste: Strauß-Freunde und Strauß-Verteidiger warfen mir in wüsten Schimpfbriefen vor, wie ich »als Theologe und Professor« so scharf einen Menschen angreifen könne? Wo da die »Toleranz« und die »christliche Liebe« bleibe? Haben diese Leute eine andere Bibel als ich? In der meinigen steht (Matthäus 23 und anderswo) klar zu lesen, wie »lieb und tolerant« Jesus die Heuchler beim Namen genannt hat. Eben deshalb haben ihm die decouvrierten Heuchler den Garaus gemacht. Schuft ist Schuft -- ob man's sanft oder hart sagt. Dabei bleibt's!
Mainz PROF. D. DR. M. MEZGER
Voller Bestürzung haben wir dem SPIEGEL entnommen, daß ausgerechnet ein Vertreter unserer obersten Kirchenbehörde, Dr. theol. Walter Allgal er vom Landeskirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, m einer unseres Erachtens erschreckend unüberhörbar disqualifizierenden Sprache ("von ... gewähltes Vokabular«; »Schelte«; »Invektiven«; »zu bedauern") in Manfred Mezger einen Mann als Christenmenschen und Theologen maßregelt, der -- Gott sei Dank! -- nicht nur theoretisch »praktischer Theologe« ist. Das kann doch gar nicht wahr sein, daß es sich in fast zwei Jahrtausenden unter Christen immer noch nicht herumgesprochen haben sollte: Versöhnung, christlich, ist nicht synonym für »Ausgleich« (Allgaier), Kompromiß, sondern ganz im Gegenteil Produkt des unvermeidlichen Zusammenstoßes des Christlichen mit dem Bestehenden -- so Kierkegaard, kein Mainzer Theologe, sondern einer des 19. Jahrhunderts, und auch weder Bayer noch Preuße, sondern Däne; * Jan Peter Tripp, 30, bezeichnet sich als Foto-Realist«, wurde bekannt durch seine »Impressionen aus dem Irrenhaus«. »Verschlossen ist ein unverkäufliches Unikat und Hinweis für die im Mai beginnende Ausstellung »Frühlingsstrauß« der Galerie Wendelin Niedlich. Stuttgart. Schmale Straße 14.
und wer ihm nicht glauben mag, lese doch bitte p. e. Paulus, 1. Kor. 5,6 f. oder 2. Kor. 6,14 ff. -- Nebenbei: Wenn Luther riet, dem Volke »aufs Maul zu schauen«, ist das dann ins heutige Deutsch unbedingt richtig übertragen mit »den Leuten nach dem Mund reden«?
Schweinfurt (Bay.) HELGA KÜNZEL, Pfarrvikarin
LUDWIG WILD. Pfarrer
Roisdorf (Nrdrh.-Westf.) BERNHARD WOLF. Wiss. Ass.