Dämonisch - DER SPIEGEL
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Briefe

Dämonisch
• aus DER SPIEGEL 19/1950
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Dämonisch

Ihr Mitarbeiter führt auf Seite 24 in der 3. Spalte aus: Bismarck hat es im Alter offen gestanden: »Ohne mich hätte es drei große Kriege nicht gegeben ...« Die Sätze können nur dem Bericht von Moritz Busch über eine Abendunterhaltung in Varzin am 21. 10. 1877 entnommen sein (Tagebuchblätter 1899 bei Grunow in Leipzig, 2. Band, S. 468). Es heißt an der Stelle:

»Der Reichskanzler gilt als ein eiserner Charakter, als ein selbstbewußter und seiner stets sicherer Geist - - . Allein er hat auch weiche Augenblicke, Augenblicke scheinbarer oder wirklicher Unzufriedenheit mit seinen Leistungen und seinem Schicksal, wehmütige oder sagen wir lieber schwermütige Stimmungen ... So klagte er Sonntag, den 21. Oktober, nachdem er eine Weile schweigend vor sich hingesehen hatte, gegen uns, daß er von seiner politischen Tätigkeit wenig Freude und Befriedigung gehabt habe. Niemand liebe ihn deshalb, sagte er. Er habe damit niemand glücklich gemacht, sich selbst nicht, seine Familie nicht, auch andere nicht.

»Wir protestierten. Er aber fuhr fort: »Wohl aber viele unglücklich.« (Folgen die in Ihrem Aufsatz zitierten Sätze, unter denen nur ein unwesentlicher ausgelassen ist. Im Anschluß an »mit Gott abgemacht« heißt es dann noch bei Busch:) »Aber Freude habe ich wenig oder gar keine gehabt von allem, was ich getan habe, dagegen viel Verdruß, Sorge und Mühe«, was er dann noch eine Zeitlang weiter ausführte.

»Wir schwiegen, und ich war befremdet. Aber ich hörte dann von Holstein und Bucher, daß er sich in den letzten Jahren schon einige Male in ähnlicher Weise geäußert habe.

Bismarck ist und bleibt, glaube ich, eine Erscheinung der Vergangenheit. Aber das Dämonische seiner Erscheinung, die bei jedem historischen Problem gestellte Frage nach den Wurzeln der in ihm sichtbar werdenden schöpferischen Kräfte, dürfte nur dann richtig erhellt werden, wenn der Hintergrund solcher Berichte wie der von Moritz Busch eine sorgfältigere Beachtung findet.

Hamburg

Dr. G KRAUSE

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