Das Ende der Doppelmonarchie
Bismarck war sehr angetan, als er 1852 den österreichischen Kaiser Franz Joseph I. traf. »Der junge Herrscher«, schrieb der spätere deutsche Reichskanzler, »hat mir einen sehr angenehmen Eindruck gemacht: zwanzigjähriges Feuer gepaart mit der Würde und Bestimmtheit reifen Alters.« Vor allem im Vergleich mit seinem Vorgänger schnitt der neue Kaiser deutlich besser ab. Sein Onkel Ferdinand I., »der Gütige«, war körperlich schwach und geistig behindert.
Im Jahr 1848 war Franz Joseph zum österreichischen Kaiser gekrönt worden und herrschte nun über einen Staat mit 40 Millionen Einwohnern, darunter 8,5 Millionen Deutsche, 16 Millionen Slawen, 6 Millionen Italiener, 5 Millionen Ungarn, 2,7 Millionen Rumänen, etwa 1 Million Juden - ein Riesenreich, das von Böhmen bis Dalmatien, von der Lombardei bis Galizien, Bukowina und Siebenbürgen reichte.
Daß er schon als Jüngling von 18 Jahren auf den Thron gelangte, verdankte er seiner Mutter, der Erzherzogin Sophie, und der 48er Revolution. Im Habsburgerreich hatten sich wie überall in Europa liberal-demokratische, nationale und soziale Bewegungen formiert. Die Revolution wurde blutig niedergeschlagen, eine Vielzahl von Revolutionären zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Kaiser Ferdinand dankte am 2. Dezember 1848 ab. Und weil dessen Bruder Franz Carl, der eigentliche Thronfolger, auch nicht fähiger erschien, wurde er von seiner Frau Sophie überredet, zugunsten seines ältesten Sohnes zu verzichten.
Franz Joseph herrschte ganz im Sinne seiner Mutter, also absolut: mit gnadenlosen Blutgerichten gegen Revolutionäre, ohne Parlament und mit einer oktroyierten Verfassung, die zudem 1851 wiederaufgehoben wurde. Oberster Kriegsherr der 600 000 Soldaten war er auch. Österreich rang damals um seine Vormachtstellung im Deutschen Bund, die zunehmend an Preußen überging. Die Verbindung mit einer bayerischen Prinzessin sollte die Stellung der Habsburger festigen. Sophie entschied sich für die älteste Tochter ihrer Schwester Ludovika, die mit dem Wittelsbacher Herzog Max in Bayern verheiratet war. Daß Franz Joseph beim Verlobungstreffen in Ischl Helenes jüngere Schwester Elisabeth vorzog, war politisch gesehen kein Problem.
Franz Joseph regierte 68 Jahre lang, von der Märzrevolution bis zu seinem Tod mitten im Ersten Weltkrieg; das Habsburgerreich zerfiel, und der Kaiser, militärisch und politisch oft erfolglos, kämpfte vergeblich dagegen an. Im Krimkrieg (1853 bis 1856) entschied er sich nach langem Schwanken gegen den ehemaligen Bundesgenossen Rußland. Österreich stellte sich zwar auf die Seite der siegreichen Alliierten, stand aber nach dem Krieg ohne Verbündete da, dafür mit schwer zerrütteten Staatsfinanzen. Die europäische Politik bestimmte nun der siegreiche Napoleon III. von Frankreich, der österreichische Einfluß ging rapide zurück.
Im Krieg gegen Frankreich (1859/60) erlebte der Kaiser eine fürchterliche Niederlage in Solferino und büßte die Lombardei ein. Elisabeth hatte vergeblich versucht, ihn zum Friedensschluß zu überreden. 1866, in der Schlacht von Königgrätz, schlug Preußen das österreichische Hauptheer und verdrängte Österreich aus Bismarck-Deutschland. Venetien ging an Italien verloren.
Im Machtkonflikt um Ungarn setzte Elisabeth ihren politischen Willen durch. Sie hatte ein Faible für dieses Land und lernte 1866 den magyarischen Rebellen Graf Gyula Andrássy kennen, der kurz nach der Revolution in Abwesenheit zum Tode verurteilt und später begnadigt worden war. »Le beau pendu«, der schöne Gehenkte, hieß der Graf in den Salons von Paris. Er gewann die Kaiserin für die Versöhnung mit seinem Land und die wiederum ihren Mann. Es folgte der »österreichisch-ungarische Ausgleich« mit der Krönung des Paares zum König und zur Königin von Ungarn, durch die 1867 die k. u. k. Doppelmonarchie entstand.
Ob Elisabeth damit dem Haus Habsburg diente, ist unter Historikern umstritten. Manche, wie Brigitte Hamann, sehen in dieser Bevorzugung der Ungarn gegenüber anderen Nationalitäten den Grundstein für neue Konflikte, vor allem mit den bevölkerungsmäßig dominierenden Slawen, die dann zum Ersten Weltkrieg führten. Zwei Jahre danach starb Franz Joseph, noch zwei Jahre später, 1918, endete die Herrschaft der Habsburger, die weit mehr als 600 Jahre überdauert hatte.
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Das Habsburgerreich zur Zeit Franz Josephs I.
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Das Habsburgerreich zur Zeit Franz Josephs I.
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