DE GAULLES DEMOKRATUR - DER SPIEGEL
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Briefe

DE GAULLES DEMOKRATUR
• aus DER SPIEGEL 24/1958
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DE GAULLES DEMOKRATUR

Der Angstschrei »De Gaulle ante portas«, gegen den Jens Daniel, so geschliffen wie immer, in seinem Artikel »Wechselt den Baum« die vernünftige Überlegung stellt, wie man das Beste aus der nun einmal nicht zu umgehenden Situation machen sollte, hat nun wirklich keinen Sinn mehr. De Gaulle ist nämlich drin, und so muß man es wohl oder übel mit dem General und potentiellen Diktator versuchen; Es gibt zweifellos schlechtere Lösungen als de Gaulle, ob aber eine bessere nach diesem skandalösen Selbstmord der Vierten Republik zu denken wäre, das ist hier sicherlich die Frage.

Zürich WALTHER MEILE

Ob die Alternative de Gaulle oder Mendès -France, die Alternative also de Gaulle oder der Bürgerkrieg, wie Jens Daniel sie zu

sehen glaubt, echt ist, möchte ich sehr bezweifeln. Gut informierte französische Presseleute, mit denen ich sprechen konnte, glauben an diese Alternative nicht. Sie sind nicht so optimistisch wie Herr Daniel und sehen auch mit de Gaulle die Gefahr von Volksfront und Bürgerkrieg nicht gebannt. Aufgeschoben, so meinen sie, sei noch nicht aufgehoben, und die Alternative habe gelautet: sofort oder später! Einstweilen hat man sich also für »später« entschieden. Ich glaube fast, die Franzosen haben allen Grund, de Gaulle als starken Diktator zu wünschen, damit er das »später« eventuell doch noch zu ersparen imstande ist.

Paris MARTIN ESSER

Der Artikel von Jens Daniel »Wechselt den Baum« ist mir viel zu schwülstig, ein Wortgetöse à la Maximilian Harden von der ehemaligen »Zukunft«. Wenn man ihn ausgelesen hat, ist man genauso dumm wie vorher.

Hamburg JOHANNES P. H. MEYER

Jens Daniel hat die Dinge richtig gesehen und glänzend dargestellt. Es wäre zu wünschen, daß er sich einmal mit den daraus zu ziehenden Folgerungen für Deutschland beschäftigte... Ist ein parlamentarisch-demokratisches System überhaupt auf die Dauer zu halten und durchzuführen? Die Weltgeschichte scheint das Gegenteil zu beweisen. In Rom setzte eine ungeheure Korruption ein, Ciceros Reden sind voll davon. Selbst in der »Königlichen« Demokratie England wurde Pitt, einer der bedeutendsten Männer, durch Kulissen -Intrigen gestürzt, und die Lobbyisten sind bekanntlich eine Erfindung des Musterlandes aller modernen Demokratie.

Oldenburg DR. HANS ULRICH HEINKE

Frankfurter Allgemeine

Streng legal

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