SERBIEN Deal mit Milosevic?
Beim Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag häufen sich ernst zu nehmende Hinweise darauf, dass sich die beiden meistgesuchten bosnischen Kriegsverbrecher, der ehemalige Serbenführer Radovan Karadzic und dessen militärischer Oberbefehlshaber Ratko Mladic, in Belgrad versteckt halten. Um die beiden Kriegstreiber, die für das größte Massaker in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg an mindestens 3000 muslimischen Männern in Srebrenica angeklagt wurden, endlich vor Gericht stellen zu können, ließ US-Präsident Bill Clinton dem serbischen Diktator Slobodan Milosevic offenbar einen pragmatischen Tauschhandel anbieten: Nach einer Auslieferung der beiden Warlords an Den Haag dürfe sich der Serbenherrscher ins Exil absetzen - und den Zugriff auf sein Auslandsvermögen behalten. Das Kalkül der Amerikaner: Erst wenn Milosevic und sein Clan ihre Macht aufgegeben haben, besteht für die Balkanregion die Hoffnung auf Frieden. Dem starken Mann in Belgrad traut der Westen nach den Kriegsabenteuern in Kroatien, Bosnien und Kosovo noch immer einen Waffengang gegen Montenegro und Mazedonien zu. Ohne Milosevic wäre diese Gefahr gebannt; mit Karadzic und Mladic hinter Gittern könnte das Uno-Tribunal sein Gesicht wahren und hätte wenigstens über zwei der drei Hauptverantwortlichen für den Brudermord im ehemaligen Jugoslawien geurteilt. Um das Regime in Belgrad zu einer Entscheidung zu drängen, überredeten die westlichen Verbündeten nun die zyprische Regierung, der wichtigsten Auslandsfiliale der serbischen Staatsbank Beogradska Banka den Entzug der Lizenz anzukündigen. Milosevic, einst Direktor dieser Bank, soll dort den Großteil seines Devisenvermögens deponiert haben.