Globalisierung Kanzler Schröder lobt Protest
Berlin - Mit ihrer Kritik etwa an ungleichen Handelsbeziehungen oder Finanzspekulationen, die ganze Volkswirtschaften an den Rand des Ruins brächten, stünden sie keineswegs allein: "Ungleicheiten dieses Ausmaßes provozieren das Gerechtigkeitsempfinden jedes anständigen Menschen", formuliert Gerhard Schröder in einem Beitrag für die Zeitung "Welt am Sonntag".
"Wir würden es uns wohl zu leicht machen, wenn wir diese Kritiker als neuzeitliche "Maschinenstürmer" abtäten, die sich dem unaufhaltsamen gesellschaftlichen Fortschritt entgegenstemmen", schreibt der Bundeskanzler. Gleichzeitig betont Schröder, dass die Globalisierung grundsätzlich allen an diesem System beteiligten Menschen enorme Chancen biete - sofern sie demokratisiert und damit eine Rechtssicherheit hergestellt werde. Dazu zähle auch, nationale Regierungen und internationale Organisationen darauf zu verpflichten, Kinderarbeit zu verbieten und Gewerkschaftsfreiheit sowie Umweltstandards zu garantieren.
"Globale Gerechtigkeit ist zu einer Überlebensfrage geworden - da hilft kein neoliberales Vertrauen auf die "Märkte". Im Gegenteil: Unkontrollierte Märkte haben die Globalisierung zu einem Marktplatz der Angst gemacht." Unkontrollierte Globalisierung ist für Schröder im bösen Sinne anarchisch, und - wie die Firmenpleiten großer Unternehmen, die eben noch auf der internationalen Bühne mit Milliarden jonglierten - zeigten, im Zweifelsfall zerstörerisch für Menschen, Arbeitsplätze und Märkte.