Vertriebenen-Treffen Kaczynski kritisiert Köhler-Rede
Warschau - In Deutschland gebe es "eine große, vom Staat unterstützte Gruppierung, die sich unaufhörlich auf jene polnischen Gebiete bezieht, die einst zum Deutschen Reich gehörten", sagte Jaroslaw Kaczynski heute über Köhlers erste Rede auf dem Vertriebenentreffen.
Bundespräsident Köhler hatte in seiner Rede die Vertriebenen dazu aufgefordert, die Ängste in Polen und Tschechien ernst zu nehmen. "Wir müssen geduldig vermitteln, dass es in Deutschland keine ernst zu nehmende politische Kraft gibt, die die Geschichte umschreiben will", sagte Köhler beim "Tag der Heimat" des Bundes der Vertriebenen in Berlin.
Kaczynski sagte vor Journalisten in Zakopane, wenn Polen heute mit seinen einstigen Territorien in Litauen, Weißrussland und der Ukraine so umgehen würde wie Deutschland mit Polen, würden international schwere Vorwürfe erhoben und der Beitritt zur Nato wäre womöglich verweigert worden. "Wir wollen ganz einfach, dass alle gleich behandelt werden", sagte Kaczynski.
Die Berliner Ausstellung "Erzwungene Wege" war schon im Vorfeld auf heftige Kritik gestoßen. Viele Regierungspolitiker in Polen befürchten, dass Deutschland durch die Überbetonung des Leids der Vertriebenen die Geschichte des Zweiten Weltkriegs zu relativieren versuche.
bri/dpa