DECKBLATT - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 75 / 79

Briefe

DECKBLATT
• aus DER SPIEGEL 12/1969
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

DECKBLATT

(Nr. 9/1969, Affären)

Nein! Nein! Wie können die SPIEGEL-Redakteure an der Lauterkeit eines deutschen Ministers zweifeln, der nach Artikel 23 der Landessatzung vereidigt wurde.

Kiel HORST ZISSEN

Die FDP empfand die Vorwürfe gegen Minister Knudsen als außerordentlich schwerwiegend. Deswegen forderte sie einen Untersuchungsausschuß. Denn nach dem Fall Gerstenmaier sei es dringend nötig, darzustellen, daß nur integre Politiker ein verantwortliches Amt einnehmen könnten. So jedenfalls tönten die ewig ungeteilten Freidemokraten noch in ihrer Fraktionssitzung. Aber dabei ist es auch geblieben.

Kiel KNUD HANSEN

Hat der allzu clevere Herr Knudsen, von 1958 bis 1967 parlamentarischer Vertreter des Ministers für Wirtschaft und Verkehr und anschließend Chef des gleichen Ministeriums, mit der Auffassung, daß Gesetze für sogenannte Führungskräfte nicht gelten, seit 1958 dem Ministerium das Gepräge gegeben oder hat ihn das Ministerium geprägt, oder haben sich in diesem Ministerium Gleichgesinnte gesucht und gefunden? Dieses

Wirtschafts-Verkehrsministerium hieße wohl besser Ministerium für verkehrte Wirtschaft.

Wenn die Jungdemokraten Schleswig-Holsteins den Rücktritt Knudsens fordern, so genügt das nicht. Dieser Mann ist auch als MdL untragbar, und sein Ministerium bedarf dringend einer radikalen Frühjahrskur zur Säuberung der Eingeweide. Bei den nächsten Wahlen sollten die Wähler sich weniger nach den Versprechungen als vielmehr nach dem bisherigen Verhalten der Parteien und ihrer Kandidaten richten, wenn sie eine einigermaßen klare Linie haben wollen.

Flensburg S. STEGEMANN

Um das Bild abzurunden, wäre es erforderlich zu ermitteln, wieviel Mark Knudsen unmittelbar oder mittelbar aus Landesmitteln erhalten hat und nunmehr zusätzlich flüssig zu machen vermochte, so daß es ihm möglich wurde, die illiquide Reederei flottzumachen. Die eigenen Mittel des Herrn Knudsen reichen dazu bestimmt nicht. Wenn er sich die Kredite zu sichern wußte, die mit seiner Hilfe Sartori verweigert worden sind, dann ist

es leicht, fremde Firmen über den Schnabel zu nehmen.

Rendsburg (Schl.-Holst.) FRITZ ZEIDLER

In dem Artikel zitiert das Nachrichtenmagazin der SPIEGEL nur die erste Hälfte des Ergebnisses meines Rechtsgutachtens. Als der SPIEGEL-Redaktionsvertreter sich am 28. Januar 1969 mit der Frage an mich wandte, ob das Ergebnis des Gutachtens veröffentlicht werden dürfe, erklärte ich mit vorher von Herrn Sartori erhaltener Zustimmung, »daß das im Deckblatt des Gutachtens formulierte Ergebnis wörtlich in dem Artikel zitiert werden« könne. Da der SPIEGEL nur zur Hälfte zitiert hat, möge hiermit der volle Wortlaut des Ergebnisses zur Kenntnis genommen werden, er lautet: »Die stärkeren Gründe sprechen dafür, daß Knudsen sich einer vollendeten Erpressung schuldig gemacht hat. Im Falle einer anderen Beurteilung des wirtschaftlichen Ergebnisses des Vertrages 1968 drängen aber Gründe zur Annahme einer Nötigung,«

Es ist hervorzuheben, daß ich als Gutachter für die mir von Herrn Sartori vorgelegte Rechtsfrage die Pro- und Kontra-Argumente herauszuarbeiten und abzuwägen hatte. Eine Wiedergabe der vollständigen Formulierung des Gutachtenergebnisses hätte deutlicher gezeigt, daß die Beantwortung der Gutachtenfrage kein »forsches Fazit«, sondern das Resultat einer Abwägung ist.

Kiel CARL-EUGEN DOBBERSTEIN Rechtsanwalt

Zur Ausgabe
Artikel 75 / 79

Mehr lesen über