DEMONSTRATIONEN - DER SPIEGEL
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Briefe

DEMONSTRATIONEN
• aus DER SPIEGEL 45/1952
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DEMONSTRATIONEN

(Nr. 43/52, Film)

Das Gericht kam im Fall Klinkhammer zum Freispruch, und in seinem Schlußwort drehte der wegen Nötigung, groben Unfugs, Widerstands gegen die Staatsgewalt und Zusammenrottung angeklagte »Ruhr-Kaplan« nochmals mächtig auf.

Folgerung für den normalen Bürger und Kinobesucher: Beim nächsten Film, der uns moralisch nicht gefällt, schmeißen wir Stinkbomben und rempeln die Polizei an. Was dem Klinkhammer-Sturm recht ist, ist uns billig.

Die Kehrseite der Medaille sieht so aus: Bekanntlich gibt es in Düsseldorf (und anderswo) eine ganze Anzahl Nachtkabaretts und Bars, in denen die sogenannten Schönheitstänzerinnen ihr Unwesen treiben. Es

handelt sich meistens um »Bajaderen« aus Berlin-Neukölln oder Düsseldorf-Oberkassel etc., die mangelndes Talent durch freimütige Entblößung zu ersetzen versuchen und bei denen oft fehlende Schönheit durch abgeblendete Bühnenbeleuchtung ausgeglichen wird. Diese Darstellungen stehen zu den wenigen Filmmetern unbekleideter Knef im Hintergrund ungefähr im Verhältnis einer Orgie zum Kaffeekränzchen. Diese Betriebe, die ja steuerlich außerordentlich »erfaßt« werden, blühen keineswegs im Verborgenen. Jeder Polizist, jeder Taxichauffeur und Hotelportier kann einen hindirigieren. Die Vorstellungen finden heute, morgen und übermorgen unter staatlicher und städtischer Konzession statt. Wenn schon Protest, dann dürfte meines Erachtens die entrüstete Moralistenschar es keinen Tag mehr länger in den Mauern Düsseldorfs usw. aushalten können. Oder hat OB Gockeln zu einer derartigen Protestaktion keine »Genehmigung« erteilt?

Duisburg

Conrad Meißner

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