»Den Hund verscharren« - DER SPIEGEL
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KOSOVO »Den Hund verscharren«

Bujar Bukoshi, 52, war vor der Nato-Intervention im Kosovo Ministerpräsident der von der Demokratischen Liga (LDK) geführten Exilregierung. Er verwaltet einen Millionenfonds von Hilfsgeldern albanischer Emigranten.
• aus DER SPIEGEL 17/2000
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SPIEGEL: In Deutschland leben noch etwa 180 000 Kosovo-Albaner, die nach 1990 vor serbischen Repressalien geflüchtet sind. Gibt es Gründe, ihre Rückführung zu verzögern?

Bukoshi: Nein, die Hälfte könnte sofort ins Kosovo heimkehren, auch gegen ihren Willen. Keiner würde auf der Straße sitzen. Hauptgrund ihrer Flucht war der serbische Genozid. Das ist vorüber, und wir haben kein moralisches Recht, die Gastfreundschaft des deutschen Steuerzahlers weiter zu strapazieren. Der Rest sollte spätestens in zwei Jahren zurück sein.

SPIEGEL: Der Neuaufbau durch die Uno-Verwaltung verläuft schleppend. Sollten die Albaner nicht tatkräftiger mitarbeiten?

Bukoshi: Wir haben zehn Monate durch die Unfähigkeit des Uno-Verwalters Bernard Kouchner und der OSZE verloren. Es wurden keine Arbeitsplätze geschaffen, kaum Investitionen getätigt, nicht einmal die Frage des Wahlrechts für unsere im Ausland lebenden Landsleute geklärt. Man könnte die Kosovo-Albaner auch durch finanzielle Anreize zur Rückkehr ermutigen, damit sie selber in der Privatwirtschaft und beim Aufbau investieren können.

SPIEGEL: Würde man nicht die Vertreibung der restlichen kaum 90 000 Serben riskieren?

Bukoshi: Das ist schon ein moderner Mythos geworden. Die Serben verkaufen mittlerweile ihre Häuser freiwillig an Albaner. Aber natürlich: Vereinzelte Übergriffe sind nicht auszuschließen. Prinzipiell sind wir zur Zusammenarbeit mit den Serben bereit. Nur müssen die endlich begreifen, dass Belgrad im Kosovo nie mehr für sie zuständig sein wird.

SPIEGEL: Müssen heimkehrende Albaner, die während des Krieges nicht mit der Untergrundarmee UÇK zusammengearbeitet haben, mit Repressalien rechnen?

Bukoshi: Sicher besteht die Gefahr, dass sie erpresst werden. Aber das Klima ändert sich. Die Bevölkerung erhebt bereits ihre Stimme gegen die Schurken im Umkreis des ehemaligen UÇK-Chefs Hashim Thaçi. Der Westen muss uns bei der Bekämpfung der aus Albanien importierten Mafia-Gesellschaft helfen, indem er die demokratischen Kräfte im Kosovo unterstützt. Wir haben ein Sprichwort: »Wenn du den Hund getötet hast, musst du ihn auch noch verscharren.« Der Westen darf im Kosovo nicht auf halbem Weg stehen bleiben.

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