Der Alte - DER SPIEGEL
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Am Rande Der Alte

• aus DER SPIEGEL 2/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ob der Kanzler zu Weihnachten zum ersten Mal in seinem Leben eine warme Rheumadecke bekommen hat oder mollige Angora-Wäsche? Oder eines dieser Heizkissen, die Senioren sonst auf Erlebnisfahrten nach Bad Kreuznach oder Buxtehude erstehen? Jedenfalls muss es Gerhard Schröder um Weihnachten sehr warm ums Herz geworden sein, als er an die älteren Mitbürger dachte. Da hat der besorgte Staatsmann nämlich in der Zeitschrift »Max«, dem Fachblatt für ewige Jugend, vor einem »ganz unguten Jugendwahn« in der deutschen Gesellschaft gewarnt. Auch die Alten hätten ihre Qualitäten, mahnte Schröder und legte ein gutes Wort für die Ü-50-Generation bei den jugendversessenen Arbeitgebern ein. Ist das noch derselbe Schröder, der einst in jugendlichem Rowdytum am Zaun des Kanzleramtes gerüttelt hatte? Der später mit dem Nimbus eines Jung-Siegfried den in die Jahre gekommenen Helmut Kohl aufs Altenteil schickte? Dessen jugendlich dunkle Haarpracht in so auffälligem Kontrast zu den hellen Schöpfen der Politikerkollegen steht? Möglicherweise hat der Kanzler mit seinem Appell auch nur schnöde an sich selbst gedacht. Schließlich wird Schröder in diesem Jahr schon 58, und er ist überzeugt davon, dass ihn auch sein eigener Arbeitgeber noch dringend braucht: das deutsche Volk. Als älteren, nicht als Altkanzler.

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