DER DEUTSCHE FÜHLT SOLDATISCH
Demokratie - Herrschaft des Volkes - oder wie es so schön heißt: »Alle Gewalt geht vom Volk aus« -, das bedeutet in der Praxis nicht etwa, daß die einzelnen Bürger in den öffentlichen Dingen einen unmittelbaren Einfluß ausübten. Die Masse der kleinen Leute ist überhaupt nicht fähig, sich ein eigenes Urteil zu bilden und selbständig zu handeln. Sie will regiert werden. Ihre Tätigkeit in der Demokratie beschränkt sich darauf, in den sogenannten »Wahlen« den Männern, die Macht und Einfluß schon haben oder den von diesen präsentierten Strohmännern ihr Vertrauen auszusprechen . . .
Demagogen nutzen die Urteilslosigkeit der primitiven Interessen bestimmter Massen, die - ein ahnungsloses Objekt der Propaganda - Männern ihr Vertrauen schenken, die, durch keine Tradition und Standesehre mehr gebunden, die eigene Macht und den eigenen Vorteil im Auge haben. Allgemeine Mißwirtschaft und Korruption sind die Folgen. Im alten Rom führten solche Zustände zur Diktatur.
Mir scheint, auch die abendländische Welt ist nicht mehr allzu weit von diesem Punkte entfernt. Die gewaltige Entwicklung der Technik in den letzten 150 Jahren hat zu einer nahezu völligen Nivellierung der Stände geführt, und zwar nicht nut in sozialer, sondern auch in geistiger Hinsicht. Nur wenige Persönlichkeiten ragen noch vereinzelt aus dem allgemeinen Brei der halbgebildeten Arbeitsbürger hervor, an Zahl zuwenig, ohne rechte Bindung untereinander und nicht von der robusten Kraft, die zur politischen Führung auf die Dauer unerläßlich ist, während anonyme Kräfte unter skrupelloser Ausnutzung aller Mittel der Propaganda ihre privaten Interessen verfolgen.
Jedenfalls können wir im Religiösen mit einem sicheren Grund für das soldatische Berufsethos keinesfalls rechnen. Von dieser Tatsache müssen wir ausgehen. Um so notwendiger ist es, daß die politische Autorität so stark wie möglich ist, damit sie das Fehlen einer ausreichenden religiösen Bindung wenigstens einigermaßen aufwiegt.
Wo aber ist in Deutschland die Autorität, die anzuerkennen das deutsche Volk und der deutsche Soldat bereit wären? Daß es das SED-Regime, in der Ostzone nicht ist, bedarf nicht der Begründung. Aber man sollte sich hüten, die werbende Kraft dieses Systems zu unterschätzen. Bei einem Einschwenken auf die nationale Linie (Titoismus) dürfte dieser National-Kommunismus in Deutschland noch große Chancen haben.
Mit der Autorität unserer westdeutschen Bundesrepublik steht es bislang leider nicht viel besser. Zwar sind Volksvertretung und Regierung aus freien Wahlen hervorgegangen. Aber diese Parteien und ihre Vertreter ... sind dieselben, die schon einmal mit den Problemen der Zeit nicht fertig geworden sind. Und es hat bislang auch nicht den Anschein, als ob sie aus ihren eigenen Erfahrungen gelernt hätten . . .
Es kommt hinzu, daß wir teils diesen selben Männern, teils den Besatzungsmächten eine Verfassung verdanken, deren Hauptsinn darin liegt, die Bildung von Macht und Autorität auf jeden Fall zu verhindern.
Was aber soll dann geschehen? Wenn wir den Soldaten seinen Eid bei Gott schwören lassen und mit den christlichen Sitten pflegen, was irgend im Volke an christlichen Glaubenskräften noch lebendig ist, dann wird dieser Eid, wie wir sehen, doch weithin nicht mehr die bindende Kraft haben, wie sie ein Eid vor fünfzig Jahren noch allgemein besaß.
Mit der Obrigkeit, auf die dieser Eid zu leisten wäre, steht es nun also nicht viel besser. Was wir haben, ist ein Provisorium, das in dieser Form sicher nicht Bestand haben wird. Soll man den Soldaten auf den Präsidenten dieser vorläufigen westdeutschen Bundesrepublik vereidigen oder auf deren Verfassung? Damit könnte die neue Wehrmacht leicht wieder in dieselbe Rolle geraten wie seinerzeit die Reichswehr. Bei der früher oder später mit Sicherheit einsetzenden Neuordnung unserer politischen Verhältnisse darf die neue Wehrmacht keinesfalls womöglich auf die verkehrte Seite festgelegt sein; dem würde ihr inneres Gefüge sicher nicht gewachsen sein.
Soll man also den Soldaten überhaupt'nicht auf die Obrigkeit vereidigen? Das wäre zweifellos in der Lage, in der wir uns heute befinden, das Wünschenswerteste. Aber es bliebe dann nur übrig, den Soldaten zum Gehorsam seinem Vorgesetzten gegenüber zu verpflichten. Auf die Autorität des militärischen Vorgesetzten ist gewiß ganz besonderes Gewicht zu legen. Der Deutsche denkt und fühlt soldatisch. Er ordnet sich leicht und willig einer soldatischen Gemeinschaft ein und ist bereit, seinem Vorgesetzten volles Vertrauen zu schenken und ihm, wenn es sein muß, blindlings zu folgen. Auf diese Seite des deutschen Wesens setze ich meine besten Hoffnungen.
Wie aber soll nun dieses neue Deutschland aussehen, für das es sich lohnt, zu leben und zu sterben? Selbstverständlich muß und soll das neue Gebäude auf den Fundamenten der Vergangenheit errichtet werden, ein Grundsatz, der nirgends so sehr zu betonen ist wie gerade beim Neuaufbau einer Wehrmacht ...
Wenn wir aus diesen Erfahrungen Nutzen ziehen wollen, ist es zunächst einmal notwendig den Nationalsozialismus und das ganze Geschehen um das Dritte Reich als ein Stück unserer deutschen Geschichte anzuerkennen. Ich mache gar kein Hehl daraus, daß für mich nicht alles, was aus der Zeit des Dritten Reiches herrührt, darum verwerflicher Irrtum ist
Es ist doch keineswegs so, daß die Entwicklung zum totalen Staat nur auf das Konto dieses einen Mannes zu setzen wäre. Es ist vielmehr umgekehrt: Er war der Exponent einer Entwicklung, für welche die Zeit reif war. Das NS-Gedankengut war tatsächlich ja auch nichts Neues. Adolf Hitler setzte nur in politische Wirklichkeit um, was andere vor ihm gedacht und zum Teil schon trefflich formuliert hatten. Der Nationalsozialismus wurzelt durchaus in der europäischen und speziell der deutschen Geschichte der vorhergehenden dreißig bis fünfzig Jahre. Auch war die praktische Durchführung durchaus nicht nur unzulänglich. Bei allen Fehlern, die gemacht wurden, war doch vieles so vorbildlich, so sehr den Bedingungen der Zeit wie dem Charakter des Volkes angemessen, daß man es nur als gute Erfahrung mit in die Zukunft nehmen kann.
Damit will ich natürlich die Mängel dieses Regimes nicht verkleinern. Auch über diese muß man sich klar sein, wenn man, auf den Erfahrungen der Vergangenheit fußend, das Neue bauen will. Alle diese Mängel haben meines Erachtens ihre entscheidende Ursache darin, daß Adolf Hitler sich leider nicht 'auf die alte Führungsschicht unseres Volkes stützte, sondern auf die Masse der kleinen Leute. Man stelle sich einmal vor: Die ersten tausend Anhänger eines Parteiführers vom Format eines Hitler überwiegend aus den Kreisen des guten alten Bürgertums, der Kirche, des Offizierkorps! Ich bin überzeugt, mit einer solchen »Partei« und diesen »alten Kämpfern« hätte unsere Geschichte einen völlig anderen Verlauf genommen.
Und um nun hiernach das Bild des neuen Deutschland zu umreißen, das wir zu unserem Programm, zum tragenden Ideal unserer neuen deutschen Wehrmacht erheben wollen, so müßte dieses nach all unseren Erfahrungen etwa so aussehen:
Eine starke zentrale Staatsgewalt, auch die örtlichen Verwaltungen von sichtbaren Verantwortlichen geführt, das Programm dieser Regierung eine deutsche Lösung der sozialen Frage . . .
Daß dieses ideale Neue nicht heute oder morgen und überhaupt nicht so ohne weiteres zu realisieren ist, ist mir natürlich klar. Führerpersönlichkeiten kann man nicht vom rechten Flügel abteilen, sie sind ein Geschenk des Himmels. Wir können nur hoffen, daß zur rechten Stunde der rechte Mann da ist und die rechten Mitarbeiter findet.