Der Glücksbringer - DER SPIEGEL
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SPIELBANKEN Der Glücksbringer

• aus DER SPIEGEL 1/1962
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dem christdemokratischen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Kai-Uwe von Hassel, drohte im Landtag zu Kiel peinliche Befragung. Aber noch bevor dem Fragesteller, dem SPD-Abgeordneten Heinz Adler, das Wort erteilt wurde, retirierte von Hassel aus dem Sitzungssaal.

Dem kühnen Adler, einem Rechtsanwalt aus Oldenburg in Holstein, blieb nichts anderes übrig, als mit Blickrichtung auf den leeren, weinroten Ministerpräsidentensessel zu lamentieren, er habe gehofft, daß gerade Herr von Hassel sich der Frage nicht entziehen würde:

Hat die Stadt Glücksburg irgendwelche Zahlungen aus Anlaß des fallengelassenen Projektes Spielbank Glücksburg erhalten? Wenn ja, in welcher Höhe?

Den Ministerpräsidenten von Hassel gedachte Adler mit seiner Frage deshalb anzuvisieren, weil der Landesvater - von 1947 bis 1950 Bürgermeister von Glücksburg - seit Jahren nebenbei als Bürgervorsteher der Stadt fungiert: eine Ämterkonstellation, von der sich die Glücksburger Wähler ein besonders glückliches Gedeihen ihrer Kommune versprechen.

Die Glücksburger sind seit Jahren bestrebt, den verheißungsvollen Namen ihrer Stadt in die Tat umzusetzen: Sie wollen, eine staatlich konzessionierte Glücksburg in ihren Mauern, eine Spielbank, ähnlich der Travemünder oder Westerländer. Als prominentester Befürworter dieses Plans gilt seit jeher Kai-Uwe von Hassel.

Hassels Regierung hatte schon vor zweieinhalb Jahren der bereits bestehenden und florierenden Spielbank Travemünde in einem Konzessions -Verlängerungsvertrag vom 27. April 1959 auferlegt, in Glücksburg eine Ableger-Spielbank zu etablieren.

Diese Auflage reichte freilich nicht aus, die Finanzen der Hassel-Stadt aufzubessern, da Travemünde ungeachtet des unterzeichneten Vertrages in der Folgezeit keine Anstalten machte, Fortuna in Glücksburg einen neuen Tempel zu errichten.

Durch die Anfrage des Abgeordneten Adler im Landtag aber kam jetzt ans Licht, daß von Hassel für Glücksburg obgleich es bisher des ersehnten Spielkasinos entraten mußte - doch noch zum Glücksbringer geworden war.

An Stelle des entwichenen Ministerpräsidenten von Hassel gestand Innenminister Dr. Helmut Lemke, genannt von Soltenitz, daß die Stadt mit dem Bürgervorsteher von Hassel eine Entschädigung in Höhe von 200 000 Mark als »Vergütung für die Aufgabe von Rechten aus einer günstigen Lage« erhalten habe.

Gezahlt wird zwar offiziell aus der Schatulle der Travemünder Spielbank, aber Schleswig-Holsteins öffentliche Hand muß dennoch mithelfen, Glücksburg für seine zunichte gewordenen Träume zu entschädigen:

Nur 40 Prozent der Travemünder

Spielbankgewinne, von denen die 200 000-Mark-Gabe für Glücksburg abgezweigt wird, gehören der Träger-Gesellschaft und der Stadt Lübeck; 60 Prozent fließen dem Lande Schleswig -Holstein zu.

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