DER HALBSMARTE
Trotz aller Ohrfeigen-Komplimente, mit denen Sie auch Herrn Beitz aus Gründen journalistischer Würze nicht ganz verschonen, können sein Temperament, seine Konsequenz, sein Einfallsreichtum und seine treffenden Formulierungen nur bestechen. Dies hat Herr von Bohlen frühzeitig gerochen, und die alten Hasen des Reviers dürften inzwischen ihre Witterung für solche Vorgänge über ihr anfängliches Mißtrauen gestellt haben. Ein Weltkonzern kann sich keine bessere Konstellation in der Spitze wünschen. Hier der besonnene Fachmann und Aristokrat mit unternehmerischer und sozialer Tradition, dort der unbekümmerte junge Manager mit unorthodoxen, vom »common sense« diktierten Organisations-, Personal- und Werbemethoden.
Frankfurt DR. F. RICHTER
Wenn der smarte, aber harte Kraftprotz unserer Industrie auch Chruschtschew mit dem Slogan »Kinder statt Kanonen« leimen konnte, scheint sein Getöne den angelsächsischen Freunden doch recht unangenehm im Ohr zu klingen. Stillschweigende Arrangements mit den amerikanischen und englischen Konkurrenten, die die Zerschmetterung des Krupp-Konzerns fordern, hätten sicher mehr Erfolg gehabt als der großmeierische Public-Relations-Rummel.
Münster DIETER FRANKE
Herr Krupp von Bohlen und Halbach scheint mit Herrn Beitz einen guten Fang gemacht zu haben. Bei letzterem wiederum scheint sich zu bewahrheiten, daß man erst in der dritten Generation ein Gentleman wird.
Marl (Westfalen) GÜNTER ENGELING
Es wäre zu wünschen, daß die unsinnigen Verkaufsauflagen für Alfried Krupp rückgängig gemacht werden. Jedem Juristen müssen sich noch heute die Haare sträuben bei dem Gedanken, daß für den angeklagten Gustav von Bohlen und Halbach einfach der Sohn vor Gericht gestellt wurde, weil der Vater haft- und vernehmungsunfähig war. Die unselige »Kanonenkönig-Legende« ist offensichtlich in der westlichen Welt auch jetzt noch nicht auszurotten. Verurteilt wurde Alfried Krupp derzeit von einem amerikanischen Gericht, denn England, Rußland und Frankreich distanzierten sich von vornherein von den gesamten »Industrie-Prozessen«.
Hamburg 20 HANNA SCHULZE
Von den fünf Herren-Jägern, die während der Fasanenjagd-Pause den Jagdherrn an- oder belächeln, trägt nur einer seine Schrotflinte wirklich vorschriftsmäßig, nämlich aufgeklappt: Der Amerikaner allein weiß, was sich gehört! Herr Beitz weiß das nur halb, er hat die Doppelflinte mit der deutschen Schäftung und der sein Schlüsselbein schonenden Stoßkappe zwar aufgeklappt, doch trägt er seine Schrotkanone recht unästhetisch, fast wie einen Prügel. Die englisch geschäftete Flinte des Briten könnte wie die des etwas strammer stehenden Krupp-Angestellten allenfalls nur in die Luft puffen. Aber der Schrotdrilling des ehemaligen Kanonen-Königs gefährdet sehr das linke Bein seines »Mörsers« Beitz, der dann damit nicht mehr in ein Fettnäpfchen treten könnte.
Weikersheim (Württ.) DR. ERNST HOFMANN
Einen wahren Hymnus auf den modernen Macht- und Geldmenschen stellt Ihr Beitz-Artikel dar, den wahrscheinlich die Beitz-Enkel noch mit Stolz herumreichen werden.
Havelse (Hannover) HANS SCHILFFARTH
Parole: Beitz soll Wirtschaftsminister
werden!
Regensburg VIKTOR GÖTZ