Der Hass wird geschürt
Nr. 45/2001, Titel: Falle Afghanistan: Amerikas heilloser Bombenkrieg und das Gespenst von Vietnam; Regierung: In der Koalition wächst der Unmut über Schröders Solidaritätskurs
Nach vier Wochen ununterbrochener Bombardierung des geschundenen Afghanistan sollte es für uns Deutsche an der Zeit sein, über die von Kanzler Schröder verkündete »uneingeschränkte Solidarität« mit Amerika neu nachzudenken. Zumal der Krieg gegen das Land und seine Bevölkerung in erster Linie geführt wird, um einen einzelnen Terroristen (Bin Laden) und eine Gruppe fanatischer Islamisten (Taliban) und ihre Helfer auszuschalten. Wenn der amerikanische Präsident bei seinem Kreuzzug gegen den internationalen Terrorismus deshalb auch die völlige Zerstörung eines Landes und den Tod vieler unschuldiger Menschen billigend in Kauf nimmt, dann stellt er sich auf eine Stufe mit Bin Laden. Meine Solidarität dazu hat er nicht.
WORMS (RHLD.-PF.) KARLHEINZ BAUER
Warum verrät der SPIEGEL eigentlich nicht, was er den Amerikanern empfehlen würde? Sollen sie mit den Terroristen verhandeln, und über was sollen sie verhandeln? Oder sollen sie ihren Entwicklungshilfeetat erhöhen? Ich bin sicher, dass alle Alternativen noch schlimmere Folgen hätten als der Weg, den die Amerikaner jetzt beschreiten.
FRANKFURT AM MAIN WERNER FEUERSTEIN
Ihre Artikel zum Thema Afghanistan-Krieg werden jede Woche besser, nur ein Sachverhalt wird von Ihnen immer nur unvollständig wiedergegeben. Sie haben in den letzten Wochen schon oft erwähnt, dass die pakistanische Regierung die Grenze zu Afghanistan größtenteils geschlossen hat. Als Pakistan der so genannten Anti-Terror-Allianz beigetreten ist, war eine Bedingung der US-Regierung, dass die Grenzübergänge geschlossen werden müssen. Dem stimmte Pakistan zu. Die US-Regierung hat Pakistan dazu gedrängt, »damit al-Qaida-Mitglieder und Mitglieder der Taliban-Regierung nicht aus dem Land flüchten können«. Dass hiermit die USA das Elend der afghanischen Bevölkerung noch weiter vergrößert, wird nur selten in den Medien erwähnt.
BERLIN JÖRN EHRENTRAUT
Der Kompetenz der höchsten islamischen Autoritäten, der Religionsführer und Rechtsgelehrten unterliegt es, dem Krieg in Afghanistan die rechtliche Grundlage zu entziehen, indem sie gegen Osama Bin Laden, seine al-Qaida-Terroristen und seine politischen Beschützer eine Fatwa erlassen, um dadurch die Unvereinbarkeit von Islam und Terrorismus, ihrer Religion und Bin Ladens Menschheitsverbrechen zu bekunden. Damit könnten sie zugleich ihre Anerkennung der Grund- und Menschenrechte sowie des Völkerrechts bezeugen. Dieses Verdikt würde den USA die moralische, juristische und politische Berechtigung nehmen, den Krieg in Afghanistan fortzusetzen! Den Autoritäten des Islam dürfte bewusst sein, dass sie ihre Verantwortung vor Allah und dem Jüngsten Gericht nicht bestreiten können.
HAMBURG PROF. HELMUT SAAKE
Als langjährige SPIEGEL-Leserin kann ich es nur begrüßen, dass Sie den Krieg gegen Afghanistan endlich als Amerikas Bombenkrieg bezeichnet und mit dem Attribut »heillos« versehen. Es ist nicht mein Krieg, und ich hoffe sehr, dass es auch nicht der Krieg anderer zivilisierter Menschen ist. Die Bomben fallen unermüdlich auf eine ohnehin verwüstete Region, treffen trotz aller Versprechungen der USA eine auf unvorstellbare Weise Not leidende Bevölkerung und schüren den wohl verständlichen Hass weiter, wo eine Annäherung der Kulturen und eine sensible Politik vonnöten wäre.
HAMBURG SUSANNE ZAHRA SCHIEWE
Unser Kanzler, den ich einmal für einen Glücksfall für unser Land hielt, ist wohl mit seiner »uneingeschränkten Solidarität« von allen guten Geistern verlassen. Ich kenne noch die Zeit, als man das »Gefolgschaft« nannte.
NORDERSTEDT GÜNTER ANSORGE
Nie wieder deutsche Soldaten im Ausland! Das hat man uns Jahrzehnte lang eingebläut. Ausgerechnet der Schröder samt SPD-Kriegstreibern und die Anti-Kriegs-Partei »Grüne« mit Joschka Fischer, dem Weltverbesserer, an der Spitze schicken jetzt deutsches Militär in diesen Schwachsinn, den sich die US-Generäle und -Politiker wieder ausgedacht haben. Die machen doch den gleichen Mist wie in den letzten 40 Jahren seit dem Vietnam-Desaster. Joschka, mein Love-and-peace-Freund, hast du Vietnam vergessen?
KÖLN ECKHARD LAUTERBACH
Was ist das für ein »Heldentum«, wenn die stärkste Militärmacht der Welt das ärmste, schon seit Jahrzehnten durch Naturkatastrophen, Kriege und Bürgerkriege zerstörte Land wochenlang bombardiert?
RIEHEN (SCHWEIZ) REINHARD HENZ
Ist es nicht erschreckend, dass die PDS als einzige Partei eine zurückhaltende Stellung zu Militäreinsätzen bezieht? Was soll man als Wessi denn jetzt nur wählen?
BOCHUM HISHAM EL-EMAM
Dagegen sein ist noch keine Politik! Wer Wert darauf legt, politisch ernst genommen zu werden, sollte - ganz konkret - darstellen, wie die Alternative zu einem Militäreinsatz in Afghanistan aussehen soll. Um dabei nicht, wie häufig zu beobachten, ins moralisch Selbstgefällige abzurutschen, ist bei der Konkretisierung dieser Alternative der folgende Gedanke im Hinterkopf sicher sehr hilfreich: Sie sitzen in einem von Bin Ladens Jüngern entführten Flugzeug, das direkt auf ein deutsches Atomkraftwerk zurast ...
HANNOVER WERNER FAHRENKAMP
Was gegenwärtig in Afghanistan stattfindet, ist der erste Kreuzzug des 21. Jahrhunderts!
FRANKFURT AM MAIN ERIC SCHNEIDER
Es sollte niemand mehr davon sprechen, George Bush Jr. hätte nach den Terroranschlägen besonnen gehandelt. Es hat einfach ein bisschen gedauert, bis die Truppen für den Gegenschlag stationiert waren. Und seit dem 7. Oktober warte ich auf den ersten Politiker, der sagt: »Heute sind wir alle Afghanen.«
SAAL A. D. DONAU ANDREAS KRAMER
Ich bin empört über die Ordnungsrufe des Bundeskanzlers, die er während seiner China-Reise bezüglich der IG-Metall-Äußerungen zum Bombenkrieg in Afghanistan von sich gegeben hat. Statt der IG Metall einen Maulkorb zu verpassen, sollte US-Kriegsvasall-Kanzler Schröder sich besser um das Wahlversprechen »Reduzierung der Arbeitslosigkeit« kümmern und die geplanten Kriegssteuern verhindern.
WITTEN-HEVEN (NRDRH.-WESTF.) HANS BROSE
Wie weit verlangt Solidarität, die eigenen Bedenken hintanzustellen? Die in Afghanistan angestrebten Ziele erweisen sich als Illusion; die Bevölkerung leidet mehr denn je. Am schlimmsten: Man treibt zu viele Muslime in die Arme der Fundamentalisten. Hier müsste gerade Deutschland mit einem nicht geringen muslimischen Bevölkerungsanteil besondere Vorsicht üben. Es gibt kein Patentrezept, aber wenn man den Brand brennbarer Flüssigkeiten mit dem falschen Feuerlöscher bekämpft, breitet man das Feuer nur noch weiter aus!
BIELEFELD DR. CARL-ROLAND RABL
Wenn man einen Giftpilz ausrotten will, indem man ihn niederwalzt, so erreicht man das Gegenteil: Man verteilt seine Sporen überall hin.
BALINGEN (BAD.-WÜRTT.) WOLFGANG WILLIG