DER KONSUL - DER SPIEGEL
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Briefe

DER KONSUL
• aus DER SPIEGEL 46/1958
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DER KONSUL

Die Affäre von Saucken - der Herr Konsul, der den Uno-Korrespondenten der »Neuen Zürcher Zeitung«, Dr. Max Beer, mit »dreckiger Jude« tituliert haben soll - dürfte in vielem dem Fall Strack gleichzusetzen sein. In beiden Fällen deckten Sie ein beschämendes Intrigenspiel auf, und in beiden Fällen hat das Auswärtige Amt ... die Falschen geschlachtet.

Hagen WILHELM BORCHERS

Zu dem Konflikt Dr. Beer - von Saucken (SPIEGEL Nr. 44) bemerken Sie, daß der Herr Bundespräsident nach Empfang der Depesche des Herrn Dr. Max Beer vom Auswärtigen Amt gefordert habe, alle Personen, die in diese Sache verwickelt seien, sofort aus New York zu entfernen - »ob schuldig oder nicht«. Diese so formulierte Mitteilung ist ... unrichtig. Prof. Heuss hat dem Herrn Bundesaußenminister die Beersche Depesche mitgeteilt, um möglichst rasche Klarstellung ersuchend. Diese ist dann aus eigener Verantwortung vom Auswärtigen Amt unternommen worden. Der Herr Bundespräsident ließ sich, da er durch Herrn Dr. Beer unmittelbar telegraphisch angesprochen war, über den Ablauf der Dinge berichten, legt aber Wert darauf, daß der Eindruck Ihres Berichtes nicht unwidersprochen bleibt, als habe er für ein Ermittlungsverfahren in einer ihm selber zunächst ganz fremden Sache »Weisungen« gegeben, in denen ein mögliches Ergebnis im Urteil vorweggenommen wurde.

Bonn E. RAEDERSCHEIDT

Pressereferent

im Bundespräsidialamt

Ihre Aufklärung über eines jener leichtfertigen Kollektivurteile ("dreckiger Jude") im Munde eines deutschen Diplomaten im Ausland erschien mir dringend notwendig. Einen solchen Fehlgriff - diesmal der deutschen Diplomatenkaste - zu verhüten, war auch die Absicht des deutschen Redakteurs Dr. Richard Peters in New York, wenn er eine Persönlichkeit anprangerte, die er schon vor 1945 in Ankara erlebte

und deren Absichten gegen sich selbst er (glücklicherweise nur durch Dritte) zu spüren bekam.

Berlin-Zehlendorf PROF. DR. KURT H. BUSSE

Nicht überrascht, dennoch bestürzt, habe ich Ihren unter dem Titel »Der Zeuge« erschienenen antisemitischen Haßgesang gelesen. Der Mann, den Sie immer wieder als »der Beer«, »dieser Beer« oder »dieser Dr. Beer« apostrophieren - denn so verächtliche Bezeichnung verdient ja jeder, der »dreckiger Jude« genannt wurde -, »dieser Beer« also ist mir seit beinahe fünfundzwanzig Jahren bekannt. Zu einer Zeit, da Ihr Herausgeber Knöpferlhosen - oder die HJ-Uniform - trug, war Dr. Max Beer bereits einer der angesehensten Publizisten und Redakteur der »Deutschen Allgemeinen Zeitung«, die der braunen Flut beachtlich lange Widerstand leistete.. Als ich ihn in Genf kennenzulernen die Ehre hatte, war er Völkerbund-Korrespondent der Basler »National-Zeitung« und, mit Robert Dell vom »Manchester Guardian«, der verehrte Doyen jener journalistischen Elite, die man Völkerbund-Journalisten nannte. Wenn Ihre Zeitung informiert wäre - denn auch das ist sie nicht -, wüßte sie, daß die Person Dr. Max Beers allein ausreichende Gewähr für die Wahrhaftigkeit seiner Behauptungen ist. Es war wieder einmal Ihrer Zeitschrift vorbehalten, schlummernde antisemitische Instinkte durch die Aufwühlung des widerlichen Diplomaten -Skandals wachzurufen. Daß Sie sich dabei der falschen »Objektivität« bedienen, die in der letzten Zeile dementiert, was sie in der

ersten gesagt hat, wird die aufmerksamen SPIEGEL-Leser nachgerade nicht überraschen. Österreichs angesehenste katholische Zeitschrift, »Die Furche«, hat Sie neulich mit dem »Stürmer« verglichen. Sie haben diese treffliche Bemerkung im »Rückspiegel« zu erwähnen unterlassen. So wenig der »Stürmer« meinen Brief abgedruckt hätte, so wenig werden Sie es tun. Es wird nichts daran ändern, daß ein »S« den Weg des anderen »S« gehen wird. Der SPIEGEL den Weg des »Stürmer«.

St. Wolfgang (Oberösterreich) HANS HABE

Warum ist es nötig, einen Dr. Max Beer, einen Herrn Peters, einen Herrn von Saucken in dieser Form zu präsentieren? Keiner der drei ist so sympathisch. Wer gewinnt dabei? Der Herr Bundesaußenminister Heinrich von Brentano, der Bundespräsident? Das jüdische Volk, das nicht Herrn Dr. Max Beer als Verteidiger braucht und einen Herrn Peters - einen Menschen ohne Zivilcourage, der keinem Volke zur Ehre gereicht - als würdigen Vertreter nicht anerkennen kann?

Diese Affäre breitzutreten führt nur zu einer inneren Stellungnahme, einer oberflächlichen Kritik von Tausenden Lesern des SPIEGEL, die damit weder ihre Seelenruhe wiederbekommen noch konstruktiv zur Überwindung der Probleme beitragen können, die ja noch immer existieren. All diese Menschen müssen aber heute ihre Haltung wiedergewinnen, und dazu muß der SPIEGEL helfen ... Ich allein könnte Ihnen genügend Beispiele geben, die mir als Juden - bewiesen haben, daß man in Deutschland die Einstellung zu finden bemüht ist, die ... der anderen Seite das »Vergeben« leichter macht.

Hamburg ERNST KAWE

Habe (SPIEGEL 44/1954)

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