Der »Militärrat der Nationalen Rettung« - DER SPIEGEL
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Der »Militärrat der Nationalen Rettung«

• aus DER SPIEGEL 52/1981
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hat 21 Mitglieder: 15 Generäle, einen Admiral, drei Obristen, zwei Oberstleutnante. Soweit bekannt, gehören sie nach ihrer Karriere und ihrer Funktion verschiedenen Richtungen an. Fünf gelten als gemäßigt:

* Armeegeneral Wojciech Jaruzelski, 58;

* Admiral Ludwik Janczyszyn, 58, Befehlshaber der Kriegsmarine. Seine Militärkarriere begann er mit 17 Jahren in der UdSSR, wohin er, wie Jaruzelski, mit seinen Eltern 1939 deportiert worden war: Er trat 1943 in die unter Sowjetbefehl aufgestellte »I. Polnische Armee« des General Berling ein. Während des Danziger Streiks 1980 weigerte sich Janczyszyn, seine Marineeinheiten gegen die Arbeiter einzusetzen.

* Generalleutnant Tadeusz Hupalowski, 59, Minister für Verwaltung, Kommunalwirtschaft und Umweltschutz. Er befehligte die Militärgruppen, die im Herbst in die Gemeinden als Ordnungsmacher und Helfer geschickt wurden, ein Test für den Kriegszustand.

* Generalleutnant Czeslaw Piotrowski, 55, bis Juli 1981 stellvertretender Rüstungschef, dann Minister für Bergbau.

* Generalmajor Michal Janiszewski, 55, früher Kanzleichef des Verteidigungsministers Jaruzelski, seit dessen Beförderung zum Premier Geschäftsführer des Ministerrats (etwa: Kanzleramt).

Fünf weitere Mitglieder sind nicht festgelegt, reine Berufssoldaten. Ihr Hintergrund läßt sich nicht ermitteln:

* Generaloberst Eugeniusz Molczyk, 56, stellvertretender Verteidigungsminister, früher Kommandeur des Militärbezirks Schlesien.

* Generalleutnant Henryk Rapacewicz, 55, Kommandeur des schlesischen Militärbezirks.

* Oberst Tadeusz Makarewicz, vom »Inspektorat für Territoriale Landesverteidigung«.

* Oberst Kazimierz Garbacik, aus demselben »Inspektorat«, ehemaliger Befehlshaber der »Einheiten für Innere Verteidigung« (Wojska Obrony Wewnetrznej - WOW), einer Sonderverfügungstruppe.

Oberstleutnant Jerzy Klosinski, 61.

* Ihnen steht ein Block von zehn Scharfmachern gegenüber:

* Generaloberst Florian Siwicki, 56, Generalstabschef und, seit Jaruzelski auch das Amt des Parteichefs übernommen hat, Politbüro-Kandidat. Er ist Absolvent der Kriegsakademie in Moskau. 1968 kommandierte Siwicki die polnischen Einheiten, die in die Tschechoslowakei einmarschierten.

* Generaloberst Tadeusz Tuczapski, 59, stellvertretender Verteidigungsminister, Absolvent der Moskauer Generalstabs-Akademie, Befehlshaber der »Territorialen Verteidigung«.

* Generalleutnant Czeslaw Kiszczak, 56, Innenminister, ehemals Chef des militärischen Abwehrdienstes; er gilt als Anhänger von »Kraftlösungen«.

* Generalleutnant Jozef Baryla, 57, Chef der Politischen Hauptverwaltung der Polnischen Armee (Oberpolitruk); auf dem letzten Parteitag wurde er, obwohl bis dahin ZK-Mitglied und obwohl sein Name auf der Kandidatenliste stand, nicht mehr ins ZK gewählt. Gilt als »Betonkopf«.

* Generalleutnant Wlodzimierz Oliwa, 58, Befehlshaber des Warschauer Militärbezirks; er arbeitete mit dem Warschauer Parteisekretär Kociolek (der bereits vor Monaten das Parteiaktiv der Hauptstadt bewaffnete) zusammen.

* Generalleutnant Jozef Uzycki, 51, Befehlshaber des Militärbezirks Pommern, Absolvent der Generalstabs-Akademie in Moskau.

* Generalleutnant Tadeusz Krepski, 61, Befehlshaber der Luftwaffe, Absolvent der Moskauer Generalstabs-Akademie.

* Generalleutnant Longin Lozowicki, von der »Landes-Luftabwehr« (Jagd-Flugzeuge, die nur über eigenem Territorium operieren), Absolvent der Moskauer Generalstabs-Akademie.

* Generalmajor Jerzy Jarosz, 50, Kommandeur der 1. Warschauer Mechanisierten Kosciuszko-Division, einer Eliteeinheit; Absolvent der Generalstabs-Akademie in Moskau.

* Oberst a. D. Roman Les, seit Sommer Vorsitzender des chauvinistischen, auch antisemitischen »Verbands der Berufsoffiziere der Reserve«.

Ein Mann wurde nur zur Dekoration aufgenommen - bei einer Kampfabstimmung im Militärrat könnte dennoch seine Stimme den Ausschlag geben:

* Oberstleutnant Miroslaw Hermaszewski, 40, erster polnischer Kosmonaut (Volksmund, nach dem ersten Sowjet-Hund im Weltraum: »polnische Laika").

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