Derek Deane,
45, künstlerischer Direktor des English National Ballet, fand viel Beifall in der britischen Presse für einen in der E-Branche ungewöhnlichen PR-Einfall. Zu Beginn der diesjährigen Saison ließ Deane sechs seiner Balletteusen zum Fototermin für das britische Herrenmagazin »Loaded« antreten - natürlich nicht in wehenden »Schwanensee«-Röckchen. Die Damen, wohlgebräunt oder -getönt, trugen, nabelfrei, Lycra-Bikinis. »Das sind Frauen«, schrieb die erboste »Guardian«-Kritikerin Judith Mackrell, die einzige negative Stimme in der britischen Presselandschaft, für »die Prinz Siegfried eine Meile laufen würde«. Die Theaterleitung verteidigt ihre Werbestrategie als »kreativ und provokativ«, im übrigen befände sich das Ballett im »Wettbewerb mit der Unterhaltungsindustrie«. Das läßt die Kritikerin nun überhaupt nicht gelten. Das Theater gewinne keine neuen Zuschauer, wenn es mit Sex für ein klassisches Ballett werbe: »Es klappt nicht, Computerspieler und TV-Süchtige mit dem Versprechen zu locken, die Ballerinen seien wie Lara Croft oder Pamela Anderson. Sie sind es nicht. Sie sind verschieden, das ist der Punkt.«