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UNTERNEHMEN / HORTEN Deutsch bleiben

• aus DER SPIEGEL 51/1969
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am Tag der Währungsreform besaß Helmut Horten 40 Mark Kopfquote, zwei kleine Kaufhäuser und ein Trümmergrundstück. Jetzt machte der Warenhausunternehmer Kasse. Auf Privatkonto verbuchte er 875 Millionen Mark.

Das größte Nachkriegsgeschäft im deutschen Einzelhandel verblüffte Kenner und Konkurrenten gleichermaßen: Aus seinem Tessiner Refugium Madonna de] Piano verkündete Helmut Horten, 60, am Donnerstag vorletzter Woche den teilweisen Ausverkauf seiner Düsseldorfer Horten AG. Über ein Banken-Konsortium unter Führung der Deutschen Bank bot der Milliardär die Hälfte seiner Aktien dem Publikum zum Erwerb an.

Den Rückzug aus seinem Konzern hatte Helmut Horten seit langem vorbereitet. Nach dem Rat seines stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Heinz Osterwind vom Vorstand der Deutschen Bank wandelte der rheinische Kaufhaus-Boß bereits im letzten Jahr seine Horten GmbH in eine Aktiengesellschaft um. Bevor Deutschlands Kleinanleger Horten-Aktien zeichnen konnten, sicherte sich Osterwind ("Ich hin seit 15 Jahren Hortens Freund und Ratgeber") für seine Bank und die Commerzbank noch eine Beteiligung von zusammen 25 Prozent. Den Bankern berechnete Horten denselben Preis wie jetzt den Käufern an der Börse -- 230 Mark je 50-Mark-Aktie.

Das nach Karstadt, Hertie und dem Kaufhof viertgrößte deutsche Warenhausunternehmen (Umsatz 1969: rund zwei Milliarden Mark) soll jedoch auch zukünftig unter der Führung seines Gründers bleiben. An der Spitze des Aufsichtsrats will Helmut Horten seine 52 Kaufpaläste wie bisher aus der Schweiz fernsteuern.

Bereits im Twen-Alter von 27 Jahren hatte sich der Bonner Juristensohn 1936 selbständig gemacht und das Duisburger Kaufhaus Gebrüder Alsberg erworben. Bis zum Ausbruch des Weltkriegs gründete Horten sechs weitere Häuser. Noch im Jahr der Währungsreform stampfte der Neugründer den ersten deutschen Warenhausbau nach dem Kriege in der Rekordzeit von nur hundert Tagen aus dem Duisburger Trümmerboden. Durch günstigen Erwerb der »Merkur«-Kette von der nach Amerika emigrierten Familie Schocken und der »Defaka«-Kaufhäuser der Emil Köster AG rangelte sich der emsige Bonner binnen weniger Jahre in die Spitzengruppe der deutschen Warenhaus-Giganten hoch.

Doch auch für Horten neigen sich die fetten Jahre ihrem Ende zu. Als einziges Warenhausunternehmen mußte der Düsseldorfer Konzern in den Filialen, die vor November letzten Jahres bestanden, für die ersten elf Monate 1969 ein Verkaufsminus von knapp einem halben Prozent hinnehmen. Ohne Illusion registriert Helmut Horten: »Der Markt in der Bundesrepublik ist eng geworden, ich sehe hier zur Zeit nichts, was sich unternehmerisch anböte.«

Optimistischer beurteilte der US-Handeisgigant Sears, Roebuck (Umsatz 1968: 30 Milliarden Mark) die Zukunft der Horten-Häuser. Die nach lukrativen Europaanlagen forschenden Amerikaner waren bereit, Horten für seine Aktien bis zu 300 Mark je Stück zu bieten. Doch der Milliardär ließ die Aufkäufer aus Übersee abfahren: »Ich wünsche, daß meine Firma deutsch bleibt, meinen Namen trägt und von Deutschen geleitet wird.«

Seinen deutschen Großbank-Freunden sicherte der bodenständige Horten daher außer dem Schachtelpaket und der einträglichen Emission der Publikums-Aktien auch noch das Vorkaufsrecht auf die ihm verbliebene 25-Prozent-Sperrminorität zu.

Der Run auf das neue Börsen-Papier übertraf alle Erwartungen des Horten-Zirkels. Schon am ersten Zeichnungstag, Montag letzter Woche, überstiegen die Kauforders das Angebot beträchtlich. Noch ehe die Horten-Aktie offiziell an der Börse eingeführt war, schnellte der sogenannte Kurs per Erscheinen bis auf 280.

Über die Anlage seines Mammut-Vermögens nach dem Tode entschied der kinderlose Warenhaus-Krösus bereits in einem Testament. Sein Reichtum soll in eine gemeinnützige Horten-Stiftung fließen, aus der vor allem medizinische Forschungen finanziert werden sollen. Wie er in den nächsten Jahren mit seinen Millionen zu operieren gedenkt, ließ Helmut Horten dagegen bislang nur undeutlich erkennen: »Das wirtschaftliche Zusammenwachsen im EWG-Raum hat manche anziehende Seiten, hier reifen Entwicklungsprozesse heran, die reizen.«

Daß der Europäer aus dem Rheinland seinem Handwerk treu bleiben wird, bezweifelt Hortens Vorstandsmitglied Fritz Seydaack nicht einen Augenblick: »Herr Horten ist Warenhausmann.«

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