Deutsche im Camp
Wann immer beim Bundeskriminalamt (BKA) neue Nachrichten vom Endkampf Osama Bin Ladens eingehen, denken die Zielfahnder an zwei schmächtige Studenten aus Hamburg-Harburg.
Denn nach Afghanistan führt derzeit die heißeste Spur bei der Fahndung nach zwei mutmaßlichen Mitgliedern der Hamburger Terrorzelle, die wegen der US-Anschläge weltweit gejagt werden. Womöglich gehören die beiden zu Bin Ladens letzten Getreuen, die jetzt um ihr Leben kämpfen.
Said Bahaji, 26, und Zakariya Essabar, 24, sollen sich zumindest noch Ende September in einem der Lager Bin Ladens aufgehalten haben - die Erkenntnis verdanken die Fahnder den Aussagen eines Libanesen und eines Kosovo-Albaners aus Hamburg, die pakistanische Behörden Anfang Oktober an der Grenze zum Nachbarland Afghanistan aufgriffen.
Seit ihrer Rückkehr nach Deutschland sind die beiden mehrfach vernommen worden. Und nach einigem Hin und Her begannen sie zu reden: Danach waren sie wenige Tage vor den Anschlägen vor der Hamburger al-Nur-Moschee angesprochen worden. Eigentlich hätten sie in den Jemen gewollt, aber dann hätten die Unbekannten sie für eine Reise nach Afghanistan begeistert. Das Abenteuer wollten sich der 21- und der 24-Jährige offenbar nicht entgehen lassen.
In verschiedenen Lagern, räumten sie ein, seien sie an Waffen geschult worden, an einer Kalaschnikow, einer Panzerfaust und einer Flugabwehrrakete. Zu ihrer Überraschung hätten sie dann in einem Camp nahe Kabul sogar ein paar Männer aus Deutschland getroffen. Die BKA-Fahnder legten ihnen verschiedene Fotos vor: Bahaji, den sie nur unter einem Spitznamen gekannt hätten, und Essabar wurden identifiziert.
Die Aussage gilt den Fahndern als glaubhaft - denn zumindest Bahajis Flucht hatte sich schon zuvor fast lückenlos bis Quetta, nahe der pakistanisch-afghanischen Grenze, nachvollziehen lassen. Am 3. September flog Bahaji über Istanbul nach Pakistan, verbrachte eine Nacht im Hotel Embassy in Karatschi. Tags darauf ging es weiter nach Quetta.
Zu Essabars Flucht jedoch wissen die Fahnder bis heute fast nichts - nur dass er ungefähr zur selben Zeit wie Bahaji aus Hamburg verschwand. Beide gelten als enge Gefolgsleute der Gruppe um den Terrorpiloten Mohammed Atta: Bahaji soll sich um die Logistik der Gruppe gekümmert haben, Essabars Teilnahme an den Anschlägen soll nur daran gescheitert sein, dass ihm die US-Behörden zwei Visumanträge ablehnten.
Die neue Spur lässt bei den Fahndern leichte Hoffnung keimen, dass die beiden doch noch gefasst werden könnten - wenn sie denn die Kämpfe überleben. Für Unsicherheit sorgt nur, dass auch amerikanische Häscher von der Spur wissen und auf die beiden mindestens so scharf sind wie die Deutschen. Und weil sie mit den Taliban-Gegnern gemeinsam kämpfen, spekulieren Fahnder, dürfte den Amerikanern der Zugriff leichter fallen.
Washington hat angekündigt, al-Qaida-Terroristen von Militärgerichten aburteilen zu lassen. Zumindest bei Bahaji wäre das für die Bundesregierung problematisch - anders als der Marokkaner Essabar ist er deutscher Staatsbürger.