DEUTSCHE MARK
Mit besonderem Interesse habe ich Ihren Vocke-Artikel »Bank deutscher Länder - Die Weiche wird gestellt« gelesen, der im Gegensatz zu sonstigen Presseberichten erfreulich sachlich erscheinen muß und offenbar aus der Feder eines mit den Dingen vertrauten Fachmannes stammt. Jedenfalls ist die Veröffentlichung geeignet, eine gewisse Klärung in den Wirrwarr der Meinungen über dieses Thema zu bringen - besonders im Hinblick auf die zwar begonnene, dann aber abgebrochene und hoffentlich noch längst nicht beendete Konjunkturdebatte im Bundestag.
Berlin-Halensee THEODOR VON SCHEVE
Ein ungewöhnlicher Bericht von einmaligem Eindruck.
Rendsburg GUSTAV HEESCHEN
. . . Das Wort »Inflation« kehrt in dem Artikel vielfach wieder, ohne daß versucht wird, diesen Begriff eindeutig zu klären. Daß diese Klarheit auch in »höheren« Kreisen nicht besteht, geht schon daraus hervor, daß wir, was jede Hausfrau weiß, seit dem 21. Juni 1948 eine ständig zunehmende Inflation haben, wie sie sich in der abnehmenden Kaufkraft der Deutschen Mark zeigt. Das geht auch daraus hervor, daß man sich nicht darüber klar ist, daß die Inflation von 1920/23 auf ganz anderen Grundlagen ruhte als die heutige. Daraus ergibt sich die dauernde Verwechslung zwischen der Kaufkraft der Deutschen Mark auf dem Weltmarkt und derjenigen auf dem Binnenmarkt. Nur so ist es zu erklären, daß Herr Erhard und Herr Schäffer immer wieder mit Emphase erklären, die Deutsche Mark stünde fest, während jede Hausfrau sie eines anderen belehren könnte. Damals (1920/23) bestand die Inflation in
dem Wertgefälle zwischen Dollar und Mark, weil Deutschland infolge der politischen Wirren nicht in der Lage war, genügend Ware auf den Weltmarkt zu werfen. Heute steht die Deutsche Mark auf dem Weltmarkt fest.
Demgegenüber ist die Deutsche Mark auf dem Binnenmarkt durchaus »weich«, trotz aller Beteuerungen des Herrn Erhard.
Oldenburg DR. HANS ULRICH HEINKE
Geheimrat Vocke ist ein ganz ausgezeichneter Kenner des Geld- und Bankwesens. Er hat zur rechten Zeit eingegriffen, nur
muß dafür gesorgt werden, daß er nicht durch einen willfährigen Herrn à la Funk im Dritten Reich ersetzt wird.
Berlin-Steglitz DR. RER POL. J. HADRICH
In Ihrem Beitrag »Die Weiche wird gestellt« setzen Sie die Lebenshaltungskosten in Relation zur Kaufkraft der Deutschen Mark. Da der Index der Lebenshaltungskosten um vier Einheiten im vergangenen Jahr gestiegen sei, folgern Sie daraus eine vierprozentige »Entwertung« der Deutschen Mark. Dieser Schluß ist aus verschiedenen Gründen irrig.
Vom wissenschaftlichen Standpunkt her erscheint es äußerst bedenklich, Indexzahlen, die für bestimmte statistische Vergleiche erstellt werden, auf die hier behandelte Frage zu übertragen. Indexziffern zeigen nur relative Änderungen an. Sie besitzen keine eigene Größenordnung, das heißt, sie sind dimensionslos . . .
Die Schwierigkeiten und die Problematik in der Berechnung der Lebenshaltungskostenindices veranlaßte die »Gesellschaft für Konsumforschung« unter der Leitung von Professor Dr. Wilhelm Vershofen, eine andere Größe aufzusuchen, die realiter vorhanden ist und verwendet werden kann. Es ist dies die Kennziffer der Kaufkraft der Deutschen Mark . . .
Ganz simpel gesagt, die Kennziffer beantwortet die Frage: Eine Deutsche Mark ermöglicht es, zu einem gewissen Zeitpunkt soundsoviele »Verbrauchseinheiten« dem Markt zu entnehmen. (Im Juli 1950 konnten mit einer Währungseinheit = 1 DM 2362 Verbrauchseinheiten erworben werden, während der Koreakrise im November 1951 dagegen nur noch 1910.)... Es besteht kein Zweifel, daß gerade bei den Hilfsbedürftigen eine Veränderung der Kaufkraft der
Währungseinheit von sehr starken Auswirkungen ist ...
Der Bank deutscher Länder sind diese Zusammenhänge vertraut, nicht aber den zuständigen Ressortministerien, die heute im Rahmen der Neuordnung der sozialen Leistungen sich anschicken, eine harte Sozialwährung und eine weiche Sparwährung einzuführen. In den Auswirkungen käme diese Sozialwährung sicherlich den Mefo -Wechseln nahe.
Frankfurt DR. WILHELM H. BIERFELDER
Diplom Industrial Sociology
Liverpool
Der Herr Bundeskanzler ist wegen der unpopulären Kreditrestriktionen der Bank deutscher Länder auf den Fachmann Vocke nicht gut zu sprechen.
Welch Segen jedoch, daß es noch verantwortungsbewußte Persönlichkeiten gibt, die bei ihren Entschlüssen auf die nächste Bundestagswahl keine Rücksicht zu nehmen brauchen. Sonst könnte es wieder dazu kommen, daß Stadtoberhäupter Geldscheine unterschreiben, wie weiland der Oberbürgermeister von Köln, Adenauer, im Jahre des Währungsverfalles 1923. Erlangen Friedrich Schröder
Simplicissimus
»Nu, passen Se mal auf, Erhard, dat mit der Wirtschaft, dat machen Se janz falsch, dat ist
nämlich so...«