Die Abrechnung - DER SPIEGEL
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Die Abrechnung

• aus DER SPIEGEL 26/1995
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mit dem real existierenden Sozialismus, 1977 unter dem Titel »Die Alternative« im Westen erschienen, machte Rudolf Bahro zum prominentesten DDR-Kritiker neben Robert Havemann. Nachdem der SPIEGEL Teile seiner Analyse veröffentlicht hatte, wurde Bahro im August 1977 verhaftet und 1978 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Ein Jahr später kam er im Zuge einer Amnestie frei und siedelte in den Westen über. Bahro, der am 18. November 60 wird, entschied sich schon als 16jähriger für die SED. Er studierte Philosophie. Seine Karriere als Journalist endete 1967 abrupt. Die SED nahm dem stellvertretenden Chefredakteur der Studentenzeitschrift Forum den Abdruck eines Theaterstücks von Volker Braun übel, das zarte Sozialismuskritik enthielt. Bahro arbeitete danach im Gummiwerk Berlin, tippte dort nach Dienstschluß heimlich an seiner »Alternative«.

Bei den Grünen im Westen fand Bahro vorübergehend eine politische Heimat, doch schon bald distanzierte er sich von der Reformpartei und spottete über ihre »Putzarbeiten auf der Titanic«. Der Vegetarier Bahro ging eigene Wege, besuchte 1983 den Bhagwan in Oregon, betrieb Öko-Bildungsarbeit in einer »Lernwerkstatt« im Eifeldorf Niederstadtfeld. Unmittelbar nach dem Zusammenbruch der DDR im November 1989 kehrte er nach Ost-Berlin zurück. Bahro wurde vom Obersten Gericht der DDR rehabilitiert, erhielt an der Humboldt-Universität ein eigenes »Institut für Sozialökologie« und initiierte im sächsischen Pommritz eine kommunitäre Basisgruppe, die alternative Landwirtschaft betreibt.

Das vereinte Deutschland tut sich noch immer schwer, der Symbolfigur Bahro eine wissenschaftliche Heimat zu geben. Den Vorschlag der Humboldt-Uni, dem Querdenker, »der für seine Überzeugung jahrelang in DDR-Gefängnissen saß, in einem Akt der Wiedergutmachung« eine ordentliche Professur zu verleihen, hat der Berliner Senat bis heute nicht umgesetzt. Im Ausland findet Bahro mehr Anerkennung: Die New Yorker Academy of Sciences wählte ihn jetzt zu ihrem Mitglied.

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