Die blanke Angst
Nr. 42/2003, Drogen: Wie süße Party-Drinks aus Kindern Alkoholiker machen
Im vergangenen Sommer war ich in den Supermärkten vergeblich auf der Suche nach einer gekühlten Cola. Stattdessen waren die Kühlschränke von oben bis unten voll mit diesen so genannten Alcopops. Auf Anfrage hieß es, es gebe ja gekühltes Wasser, wenn nicht gar nur mit den Schultern gezuckt wurde. Wenn einem diese bunten, lustig und harmlos aussehenden Flaschen derart aufgedrängt werden, wundert es mich nicht, dass Jugendliche immer mehr trinken. Und wer mag schon warme Cola? Na ja, andererseits ist Alkohol ja auch keine Droge. In Deutschland jedenfalls nicht.
WIESBADEN SVEN WAGNER
Mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen und vermisst, dass Sie die Verantwortlichkeit der Werbung erwähnen. Wenn ich mit meiner zwölfjährigen Tochter am Sonntagnachmittag ein Kino besuche, um mit ihr einen Jugendfilm anzusehen, bin ich immer wieder entsetzt und empört über die Hochglanzwerbeclips, mit denen die Jugendlichen vor dem eigentlichen Hauptfilm bombardiert werden. In der Vorstellung sitzen Kinder, Probanden von 6 bis 14 Jahren, die sich mit großen Augen das muntere Treiben der dürren Werbemodels ansehen müssen. In den Clips wird erzählt, dass man Schüchternheit abbauen kann mit einem kräftigen Schluck aus der Pulle, dass nur eine Fete zünftig wird, wenn man ordentlich was getankt hat. Es werden Millionen angelegt und ausgegeben, um ein neues Zielpublikum zu erfinden und heranzuziehen.
MÜNCHEN YVONNE HEINRICH
Jawoll, Jugend säuft! Und man kann es sogar verstehen. Die Mittelalten und Alten machen es vor. Die Getränkeindustrie jubelt (geheim natürlich), und das Steuersäckel wird auch nicht allzu knapp gefüllt. In Gesellschaften, in denen mittlerweile eine vernünftige Zukunftsperspektive gänzlich fehlt, muss man sich ja fast zwangsläufig zudröhnen, um der rüden Wahrheit zu entgehen. Da regiert die blanke Angst! Bedauernswert, vor allem, wenn man bedenkt, was wir Älteren noch so alles erwarten von der Jugend.
ERLANGEN MIKE NEUN
Jugendliche, die keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, deren Eltern immer hilfloser werden, denen durch die Mittelstreichungen in der Jugendarbeit professionelle Unterstützung entzogen wird, »saufen sich ihre Zukunftsperspektiven schön«. Wenn die Suchtprävention, die von allen Drogenbeauftragten der Länder und des Bundes als wesentlicher Baustein in der Suchtkrankenhilfe angesehen wird, drastisch eingeschränkt wird, dann wird sich dieser Trend unweigerlich fortsetzen. Die Suchtkrankenhilfe wird dann nur noch Feuerwehrfunktion wahrnehmen können, anstatt vorbeugend tätig zu sein. Dass das Löschen von Bränden und die sich ergebenden Brandschäden erhebliche (volkswirtschaftliche) Mehrkosten verursachen, das wird bei den verantwortlichen »Streichern« immer noch ignoriert. Die Zeche zahlen wir alle.
HILDEN (NRDRH.-WESTF.) HENNING KLÖPPELT