Die chilenischen Streitkräfte - DER SPIEGEL
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Die chilenischen Streitkräfte

• aus DER SPIEGEL 38/1973
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galten im Gegensatz zu fast allen anderen Armeen Lateinamerikas bisher als politisch neutral und verfassungstreu -- obgleich sie auch schon früher geputscht haben.

1891 meuterten die Marine und Teile der Armee gegen den Präsidenten Balmaceda, der gegen die Parlamentsmehrheit die Salpeter-Produktion. damals in den Händen europäischer und amerikanischer Gesellschaften, nationalisieren wollte. Die Putschisten siegten, Balmaceda beging Selbstmord.

1924 putschte die Armee gegen, 1925 für den Präsidenten Arturo Alessandri. 1931 revoltierten Militärs und linke Politiker gegen den Obersten Ibanez, der sich seinerseits nach einem Putsch zum Präsidenten hatte wählen lassen. Ein Jahr später war Chile hundert Tage lang Sozialistische Republik, bis das Militär wieder putschte.

1969 und 1970 war General Roberto Viaux in Komplotte verwickelt. beim zweiten Mal, weil er verhindern wollte, daß Allende an die Macht kam.

Nomineller Führer des Putsche«; der vergangenen Woche und derzeit selbsternannter Präsident Chiles ist General Augusto Pinochet Ugarte. 58, seit Ende August Chef der Armee. Seine Offizierslaufbahn begann 1936, später war er Lehrer für militärische Geographie und Logistik. 1956 ging er zur chilenischen Militärmission in Washington. Im August wurde er Armee-Chef.

Seinen Vorgänger, General Carlos Prats, hatte Allende-Vorgänger Frei zum Armee-Chef ernannt. Freimaurer wie Allende, wurde Prats einer der engen Mitarbeiter des marxistischen Präsidenten. Im November 1972 übernahm er das Amt des Innenministers -- Allende konnte ruhig zur Uno-Vollversammlung nach New York fahren. Wegen seiner Loyalität gegenüber Allende bedrängten ihn seine Kameraden. Prats zog es vor, den Kabinettsposten und sein Kommando in der Armee zu verlassen, bevor er den Generalen einen Vorwand zum Putsch lieferte.

Zur Junta-Spitze zählen noch: Admiral José Toribo Merino Castro. Marinechef, einst Marine-Attach~ in London. Seine Truppen lösten den Putsch der vergangenen Woche aus; General Gustavo Leigh Guzmán, Chef der Luftwaffe. war zweimal -- in den fünfziger und in den sechziger Jahren -- Luftwaffen-Attaché in Washington; General César Mendoza Durán. Chef der Carabineros, der Gendarmerie; als Reiter gewann er einst bei den Olympischen Spielen in Helsinki eine Silbermedaille.

Chiles Armee zählt 47 500 Aktive. Davon dienen 24000 Mann in sechs Heeres-Divisionen, 15000 Mann in vier Marinezonen, 8500 Mann in der Luftwaffe, die über 41 Kampfflugzeuge verfügt.

Die Carabineros sind 25 000 Mann stark, paramilitärisch organisiert und mit Infanteriewaffen ausgerüstet.

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