Die Greuel
im Todeslager Omarska markierten im Frühjahr 1992 den Beginn serbischer Kriegsverbrechen gegen moslemische und kroatische Zivilisten. Der Vernichtungsfeldzug lief unter dem verharmlosenden Namen »ethnische Säuberung« und kostete weit mehr als 10 000 Menschen das Leben. Nun meldet sich ein Zeuge zu Wort, der jahrelang zum Politiker-Kreis um Radovan Karadzic gehört hat. In mehreren Gesprächen berichtete der serbische Oberst der Belgrader SPIEGEL-Korrespondentin Renate Flottau seine Kenntnisse über Massaker und die Beseitigung der Leichen. Damit macht zum erstenmal ein Serbe präzise Angaben über die Existenz von Massengräbern. Jetzt will der Zeuge mit Hilfe westlicher Botschaften Bosnien verlassen und seine Aussage vor dem Kriegsverbrechertribunal der Uno in Den Haag bestätigen. Der SPIEGEL dokumentiert seinen Bericht, muß aber, solange der Zeuge nicht in Sicherheit ist, dessen Anonymität wahren.