»Die Katastrophe wurde aufgebauscht« - DER SPIEGEL
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»Die Katastrophe wurde aufgebauscht«

Die Hungerkatastrophe in der Sahel-Zone hält Bonns Botschafter in Obervolta, Klaus Schrameyer, für ein »Windei«. In seinem vertraulichen Bericht Nummer 570/80 gibt der Diplomat den Rat, die Hungernden sich selbst zu überlassen. Auszüge:
• aus DER SPIEGEL 5/1981
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Wenn vom Sahel die Rede ist, dann werden bei uns Emotionen geweckt. Sahel -- das ist die große Naturkatastrophe, etwas Schicksalhaftes, wofür man sich besten Gewissens engagieren kann, ja muß. Die wenigsten wissen ... daß die 'große Sahel-Katastrophe' Anfang der 70er Jahre übermäßig aufgebauscht, zum Teil ein Produkt der Presse war: Es gab zwar ein Viehsterben, Menschen jedoch sind nicht verhungert. Die betroffenen Regierungen haben sich kräftig an dieser Kampagne beteiligt, nachdem sie erkannt hatten, wie lukrativ 'Katastrophenhilfe' sein kann. S.15 Es ist heute in Fachkreisen weitgehend anerkannt, daß es schon seit langem Sahelkrisen gibt und daß diese Krisen ab Mitte des Jahrhunderts nicht nur Naturkatastrophen sind, sondern auch 'manmade', vom Menschen verursacht, durch Ignoranz, vielleicht auch Gleichgültigkeit, Habgier usw.«

»Theoretisch« kann sich Schrameyer eine »Regeneration« so vorstellen:

»Durch völliges Absehen von Eingriffen in die Natur dieser Region ... Das hieße ferner, daß sich der Viehbestand und die Bevölkerung verringern müßten, bis das Gleichgewicht des 'Besatzes' und der Ressourcen wiederhergestellt wäre. Dies könnte durch weitere Katastrophen (Krankheit, Unterernährung) oder durch Abwanderung an andere Stellen geschehen.«

Schrameyers Fazit: »Es bleibt wohl nichts anderes übrig, als auf eine umfassende gelenkte Sanierung des Sahel zu verzichten und auf eine natürliche Reduzierung des 'Besatzes' bei gleichzeitigen flankierenden Maßnahmen zu hoffen.«

Der Technokrat im Botschafterrang gibt zu bedenken, »daß emotionale Reaktionen auf die Appelle der Regierungen des Sahels das Problem nicht lösen, sondern im Gegenteil verewigen, vor allem wenn weiterhin Nahrungsmittel geliefert werden«.

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