»Die Mitte wird liquidiert«
San Salvador, El Salvador
Hoch in den Hügeln über der Hauptstadt, im Haus eines Abgeordneten, feiern die salvadorianischen Christdemokraten des Bürgerkriegslandes. Die Gäste klatschen begeistert, als einer der distinguierten Herren einen torerohaften Solotanz vollführt und eine Dame mit wiegenden Hüften auf ihn zuschwebt. Die hier tanzen, sind zwar die Führer von El Salvadors stärkster Partei, die Vertreter der legalen Opposition - und doch Gejagte im eigenen Land. Das Heer von Bewaffneten, das ihre Party beschützt, wird nicht von Polizisten oder Soldaten gestellt, sondern von Leibwächtern der Partei.
»Wir können nur ihnen trauen«, sagt der Gastgeber. Er gibt zu, daß die Wacht vor der Villa nicht vor Anschlägen linker Guerrilleros, sondern vor Todesschwadronen der regierenden rechten Militärs schützen soll. Mehr als 50 000 Menschen sind in dem mittelamerikanischen Staat bisher im Bürgerkrieg gefallen und ermordet worden. Hoffnungen auf bessere Zeiten bauen die Christdemokraten auf den auffälligsten Gast des Abends, einen großen, dunklen Mann mit weißen Schuhen: Napoleon Duarte.
Duarte war vor anderthalb Jahren als El Salvadors Präsident eine weltbekannte Figur. Im April 1982 abgewählt, ist er immer noch Parteichef und Führer der legalen Opposition. Bei neuen Wahlen, so schwärmen seine Getreuen, werde »Napo« wiederkommen: »Alles wird besser werden in El Salvador.«
Solche Hoffnungen passen eher in die bürgerliche Traumwelt als in die politische Realität El Salvadors. Denn das arme 5-Millionen-Einwohner-Land von der Größe Hessens mag einen Präsidenten haben, ein Oberstes Gericht und eine Volksvertretung - die wahre Macht üben indes seit jeher die Obristen aus.
Tegucigalpa, Honduras
Ein einsamer Christdemokrat, Efrain Diaz, stellt im Parlament von Honduras den Linksaußen. Er sorgt sich um die politische Funktion aller Abgeordneten: »Die Reagan-Regierung«, so klagt der junge Intellektuelle, »stärkt unser Militär mit immer neuen Waffen, mit Geld und politischer Unterstützung.« Für die Einübung des demokratischen Parlamentarismus ist das keineswegs förderlich. Im Jahre 1982 waren die aufeinanderfolgenden Militärregime in dem klassischen Bananenstaat von einer Zivilregierung abgelöst worden, und Hoffnung keimte, daß sich in Honduras politischer Pluralismus durchsetzen würde. Doch inzwischen wird der Pufferstaat zwischen El Salvador und Nicaragua in den Rechts-Links-Konflikt in Mittelamerika hineingezogen:
Amerikas Armee bildet in Honduras El Salvadors Streitkräfte für den Krieg gegen die Guerillas aus. Amerikas CIA läßt von Honduras aus die antisandinistischen Rebellen (Contras) in Nicaragua einfallen. Amerika stationiert Truppen in Honduras und baut Basen in dem hügeligen 4-Millionen-Einwohner-Land.
Das paßt vielen nicht in Honduras. Aber sogar der Christdemokrat Efrain Diaz hat nicht dagegen votiert, als das Parlament jener Errichtung von US-Stützpunkten zustimmte. Er enthielt sich der Stimme - die Ohnmacht der bedrängten Mitte.
Es ist nicht ungefährlich, sich gegen die Militärs und die ihnen hörige Regierungspartei des Landes zu stellen: In den vergangenen zwei Jahren sind zwölf Funktionäre der Christdemokraten ermordet worden. Das hindert die US-Schutzmacht nicht, Honduras als eine Art Musterdemokratie darzustellen.
»Wir sind das neutralste Land in Mittelamerika«, spotten Honduras-Bürger, »wir mischen uns nicht einmal in unsere eigenen Angelegenheiten ein.«
Managua, Nicaragua
Im Parteibüro der Patriotischen Revolutionsfront (FPR) sieht jedermann, wer in dieser Koalition die Zukunft vertritt: Die drei Vertreter der - mit den Sandinisten verbündeten - Parteien PLI (Unabhängige Liberale), PSN (Sozialisten) und PPSC (Christlich-Soziale) sind älter als 50 Jahre und dick geworden. Moises Lopez, der Sandinist, drahtig und bebrillt, könnte einer ihrer Söhne sein. Er bestreitet die Unterhaltung mit dem Alleinvertretungsanspruch der Jugend:
»Die Existenz der Volksfront beweist, daß wir Demokratie haben«, sagt Lopez. Die drei bürgerlichen Verbündeten nicken matt, aber die überwiegende Mehrheit ihrer Klasse bestreitet das. Denn seit dem Sturz des Diktators Somoza durch eine Volksrevolution haben die kubafreundlichen, linken Sandinisten die
Führung in Nicaragua übernommen. Sie bestimmen autoritär den Kurs, obwohl sie noch »Dinge tolerieren, die anderswo nicht zugelassen sind« (Lopez).
Dazu gehört Nicaraguas Oppositionszeitung »La Prensa«, über deren Rolle freilich sogar Mitarbeiter Zweifel haben. »Wir sind gut für das Image der Sandinisten in Europa und Amerika«, sinniert ein leitender Redakteur, »doch wenn ihre Revolution ihre sozialistische Phase erreicht hat, wird es aus mit uns sein.«
»Aus« für die bürgerliche Opposition in Nicaragua? »Aus« für Demokraten in El Salvador? Kein Platz für Pluralismus in Honduras? Es scheint, als ob das Bürgertum in Mittelamerika seine immer schon prekäre politische Rolle verspielt hätte. Denn Männer und Frauen, die einmal als Geschäftsleute, Bankdirektoren, Apotheker und Anwälte Stützen der Gesellschaft darstellten, sind als politische Kraft in dieser Region nicht mehr gefragt: »Die Mitte«, so einer der Bedrängten, »wird liquidiert.«
Entweder Mittelamerikas bürgerliche Politiker verschmelzen mit den Gruppierungen der rechten Militärs (in El Salvador und Honduras) und linken Ideologen (in Nicaragua), oder sie tauchen ab in den Untergrund und in die Emigration. Die Endstationen heißen jedenfalls oft Guerilla oder Konterrevolution.
Die Hinfälligkeit der politischen Mitte wird beschleunigt durch außenpolitische Polarisierung. Denn wenn Staaten - wie Honduras, Nicaragua und El Salvador - zum Krieg rüsten, wenn fremde Flotten vor den Küsten kreuzen, Rebellen einsickern und die Militärs von den Supermächten mit Waffen gepäppelt werden, dann sind Demokraten mit ihren Selbstzweifeln und ihrem Beharren auf dem politischen Regelwerk der Verfassung am wenigsten gefragt, bleiben die Parteien der Mitte auf der Strecke. Washington scheint das nicht zu bekümmern:
So unterstützen die Vereinigten Staaten in Honduras den Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Alvarez, als ihren wichtigsten Mann. Doch dem linksliberalen Oppositionspolitiker Victor Meza verweigern sie das Einreisevisum.
So kungelt Washington seit Jahr und Tag mit den rechtsradikalen, mörderischen Obristen in El Salvador, und Reagans Sonderbotschafter Richard Stone trifft auf der anderen Seite den Guerilla-Sprecher Ruben Zamora. Aber Napoleon Duarte, der Christdemokrat und einstige Liebling der Amerikaner, hockt einsam in seiner zur Festung ausgebauten Villa in San Salvador - er hat keine Bataillone mehr im Lande.
In Nicaragua wiederum erklären die Sandinisten den Abbau bürgerlicher
Freiheiten - Streik- und Kundgebungsverbot, Pressezensur für Oppositionsgruppen - mit der drohenden Invasion der Amerikaner. »Der innere Pluralismus«, so Junta-Chef Daniel Ortega, »hängt auch vom Pluralismus der internationalen Beziehungen ab.« Landwirtschaftsminister Jaime Wheelock verspricht der Nation zwar eine »zivilisiertere politische Auseinandersetzung« - allerdings erst für die Zukunft, »wenn die äußere Einmischung nachgelassen hat«.
Ein Anwalt des nicht-staatlichen »Ständigen Komitees für die Menschenrechte« in Managua widerspricht: »Ich glaube einfach nicht, daß die Menschenrechtsverletzungen der Regierung ein Resultat von äußerem Druck sind. Sie entsprechen vielmehr dem Willen der Herrschenden, in Nicaragua die Macht zu behalten.«
Trotz der unbeschränkten, antibürgerlichen Sandinisten-Vorherrschaft ist Nicaraguas Bourgeoisie immer noch gespalten. Der bürgerliche Virgilio Godoy ist Arbeitsminister der Regierung. Er glaubt, daß Zusammenarbeit mit den Sandinisten notwendig sei.
Er hat geschluckt, daß die Zensur seine kritischen Anmerkungen zu Karl Marx aus einem Rundfunk-Gespräch herausschnitt. »Wir sind bereit, mit dem Teufel zu paktieren«, so Godoy, »wenn es darum geht, demokratische Freiheiten zu bewahren.«
Ein Gesinnungsfreund Godoys, der ehemalige Rektor der Universität von Managua, Indalecio Rodriguez, lebt im Exil in Honduras. Von dort aus unterstützt er den bewaffneten Kampf der CIA-finanzierten Contras gegen das Regime in Nicaragua. Als Direktor der »Demokratischen Front Nicaraguas«
(FDN) begrüßt der militante Gelehrte gar Amerikas karibische Kanonenboot-Politik: »Da sieht doch die schweigende Mehrheit in Nicaragua, daß die Welt auf ihrer Seite steht. Und so überwinden die Bürgerlichen vielleicht ihre Angst.«
Ex-Rektor Rodriguez irrt wahrscheinlich. Denn wenn die »Gringos« kommen, ist eher zu erwarten, daß die Nicaraguaner ihre Streitigkeiten begraben. Vorerst aber geht der Zwist über die Sandinisten-Herrschaft mitten durch die Familien: Pedro Joaquin Chamorro zum Beispiel verkörpert als Herausgeber der Zeitung »La Prensa« die Opposition. Sein Bruder Carlos und sein Onkel Xavier sind hingegen glühende Sandinisten.
Ein anderer Onkel der verfeindeten Brüder, Fernando Chamorro, gehört wiederum zu den militärischen Führern der Contras: Dabei kann er auf eine revolutionäre Vergangenheit zurückschauen. Er hatte 1979 in einer Kamikaze-Aktion vom Dach des Intercontinental-Hotels in Managua eine Panzerfaust auf den Palast des Diktators Somoza gefeuert und wurde prompt verhaftet. Aus der Gefangenschaft befreite ihn Eden Pastora, einst als »Comandante Cero« ein volkstümlicher Sandinisten-Held, heute wieder Partisan im Krieg gegen seine früheren Genossen.
Pastora wirft der Regierung in Managua vor, einen »dogmatisch marxistischleninistischen Weg mit stalinistischem Einschlag« zu beschreiten, während er selbst für »demokratischen Sozialismus« streite. »Man braucht einen klaren politischen Blick«, erzählt er in seinem Camp im Grenzgebiet von Nicaragua und Costa Rica, »aber auch ein bißchen Abenteuergeist und viel Machismo.« Dem rechten Zynismus der alten Herrscher Nicaraguas steht dieser Mann ebenso fern wie dem linken Machtdrang etablierter Revolutionäre - er ist vielmehr das seltene Exemplar eines bürgerlichen Guerrilleros in der Mitte.
Der Medizinstudent ohne Examen Pastora war dreimal verheiratet, er hat acht Kinder und »viele, viele Geliebte«. Die Sandinisten wollen ihn als »Verräter« und »kleinbürgerlichen Abenteurer« abtun. Doch viele Mittelamerikaner sind fasziniert vom »Comandante Cero«, der nicht aufhört, gegen die da oben zur Waffe zu greifen. Es ist, anders als in Europa, eine durchaus anständige bürgerliche Tradition in dieser Gegend.
Die »Glorifizierung der Gewehre« hat der mexikanische Schriftsteller Gabriel Zaid in einem Essay über den salvadorianischen Dichter und Revolutionär Roque Dalton beschrieben, einen als Guerilla ermordeten Jesuitenzögling. »Den Polizeichef umzubringen«, so der Mexikaner, sei die »höchste Erfüllung« für einen Bürgersohn, der »nicht länger ein zweitklassiger Revolutionär« sein möchte.
Zaid erkennt in der »moralischen Unerbittlichkeit« mittelamerikanischer Revolutionäre die »Theologie der Perfektion
... den Kampf gegen den Teufel, das Fleisch und die Welt«.
In solchen Kämpfen zerbrechen Bürgerfamilien. Jose Antonio Morales Ehrlich, ein sanfter Intellektueller, ist stellvertretender Generalsekretär von El Salvadors Christdemokraten. Zwei seiner Söhne aber haben - einer als Guerilla, der andere als politischer Häftling im Gefängnis von Santa Tecla - für die Revolution gekämpft und gelitten. Sie sehen ihren Vater in der Rolle eines »rechten Verräters«. Das ist er gewiß nicht. Öfter noch ist Morales Ehrlich wegen seines Engagements für die Landreform als »Kommunist« diffamiert worden. »Ich kann Ihnen 18 Personen mit Namen und Adresse nennen, die öffentlich verkündet haben, daß sie mich umbringen wollen«, sagt der Politiker. Seine Frau ist unter der Last der Familienverhältnisse krank geworden. Ihre Söhne, so heißt es, halten sich inzwischen im Ausland auf. Wo, wissen die Eltern nicht. Morales Ehrlich hat sich damit abgefunden, daß er, wie er sagt, »durch eine Kugel sterben« wird.
Sein Parteifreund »Napo« Duarte läßt sich manchmal die gut drei Autostunden nach Guatemala chauffieren, weil er dort
sicherer spazierengehen kann als in El Salvador. Duartes Schicksal ist beispielhaft für alle zwischen den Fronten zerriebenen bürgerlichen Politiker in Mittelamerika:
1972 wurde der Christdemokrat als Kandidat einer Koalition mit Sozialdemokraten und Kommunisten von den Militärs um den Sieg bei den Präsidentschaftswahlen betrogen und - nach einem mißlungenen Putsch - eingesperrt, gefoltert und ins Exil vertrieben. Sieben Jahre später kam er nach El Salvador zurück und übernahm das Präsidentenamt in einer von Obristen kontrollierten Rechtsregierung. Doch Duarte konnte nicht einmal durchsetzen, daß Mitglieder seiner eigenen Partei von einer 138 Namen umfassenden »Verräterliste« des Militärs gestrichen wurden.
Duarte ist damals als Präsident nicht zurückgetreten. Er weiß, daß er deshalb bei den Linken und Liberalen in aller Welt Ansehen verloren hat. Die Rechten brauchen ihn auch nicht mehr. So hat der studierte Ingenieur nun viel Zeit für sein Hobby: Duarte malt in Öl und Aquarell Landschaften und Szenen aus El Salvador - friedliche Bilder im naiven Genre.
Duartes Schicksal wiederholt sich spiegelverkehrt in der Karriere des Arturo Jose Cruz in Nicaragua - ein Technokrat, der es mit den linken Sandinisten versuchte und schließlich doch nicht mit ihnen leben konnte.
Cruz arbeitete während der letzten Jahre der Somoza-Herrschaft bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank in Washington. In seiner Freizeit agitierte er im US-Kongreß gegen die Diktatur in seiner Heimat. Seine Bewunderung galt den kämpfenden Sandinisten, »jungen Männern und Frauen, die einen Überfluß an Helden aufwiesen, die meiner älteren Generation fehlten«.
Nach ihrer Machtergreifung holten die jungen Helden ihren Verehrer Cruz nach Hause und machten ihn - nacheinander - zum Chef der Zentralbank, zum Mitglied der Regierungsjunta und zum Botschafter Nicaraguas in den USA. Rückblickend schreibt Cruz in der Zeitschrift »Foreign Affairs«, daß es »unfair und undankbar« wäre, »wenn ich die Gesten der Sandinisten von politischem guten Willen und von Großzügigkeit gegenüber Nicht-Sandinisten nicht öffentlich anerkennen würde«.
Nicht-Sandinist Cruz zeigte seinerseits guten Willen, aber die Arbeit für die Revolutionsregierung fiel ihm von Monat zu Monat schwerer. Ihn störte die »Sandinisten-Rhetorik«, die etwa bürgerliche Redakteure zu »CIA-Handlangern« stempelte. Er fand, daß »tölpelhaftes Benehmen die Revolution ein Vermögen kostet": Die Sandinisten beleidigten zum Beispiel den Papst während seiner Visite in Managua und machten damit gläubige Bürger zu überzeugten Gegnern des Regimes.
Cruz sah, wie bei der »revolutionären 'Reinigung' mit dem Unkraut auch
Rosen vernichtet« wurden. So schikanierten und vertrieben die Sandinisten gutwillige Bürger wie Nicaraguas Rot-Kreuz-Präsidenten. Und schließlich konnte Cruz die Außenpolitik seiner Regierung nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren. Die Revolutionäre verurteilten Moskaus Afghanistan-Invasion nicht und schwiegen zu den Ereignissen in Polen. Diplomatische Beziehungen zu Moskaus Gegner Peking wollten die Sandinisten auch nicht aufnehmen. Cruz reichte seinen Abschied ein: Die Revolution entließ einen Sympathisanten.
»Nach zwei Jahren Hoffnung«, so predigte der Erzbischof Nicaraguas schon 1981 in Managua, »droht unsere Revolution in die Fußstapfen des kubanischen Marxismus zu treten.« Der Freiraum von Nicaraguas politischer Mitte schrumpft. Die liberalen Volksfrontpartner der Sandinisten hören und sehen die Signale: *___Die neuen Schulbücher feiern auf vielen Seiten die ____bolschewistische Oktoberrevolution 1917 und die Pariser ____Kommune 1871. Frankreichs bürgerliche Revolution von ____1789 dagegen wird nur kurz beschrieben. Die ____Zivilisationen der Griechen und Römer fallen ganz unter ____den Tisch. *___Stipendienangebote aus dem blockfreien Jugoslawien ____behandelt die Regierung mit der linken Hand, Studien- ____und Ausbildungsplätze in Kuba und im Ostblock werden ____hingegen sofort angenommen. *___Die Zensurbehörde untersagte den Abdruck der Erklärung ____einer Delegation niederländischer Linksliberaler. Sie ____enthielt - neben grundsätzlichem Lob für die ____Sandinisten-Regierung - kritische Anmerkungen zur ____Politik gegenüber der legalen Opposition. *___Die Sandinisten-Zeitung »Barricada« definiert ____"Sozialdemokratie« als »Tendenz, die sich als ____Alternative gegenüber dem Marxismus-Leninismus ____präsentiert, ... ist dem antikommunistischen Netz der ____CIA verbunden«.
»Marxismus-Leninismus - ja; Sozialdemokratie/Christdemokratie/Liberalismus - nein; das hört man heute viel öfter als vor drei Jahren«, sorgt sich ein Mitglied der bedrängten PLI von Nicaragua. Die Verteufelung als »CIA-Ableger« oder als »Konterrevolutionär« könne zudem jede Person oder politische Gruppe erwürgen, »jetzt, wo die CIA wirklich gegen Nicaragua Krieg führt«.
Washingtons Politik mit dem dicken Knüppel in Mittelamerika hat jene Kraft tödlich geschwächt, welche die USA eigentlich stärken möchten - die demokratische Mitte.
Ein Mann, der sich zum bürgerlichen Lager der Liberalen zählt, der aus El Salvador geflohene Landreformer Lionel Gomez, klagt in einem Cafe in Washington: »Ich weiß nicht, wer mehr lügt in Mittelamerika, die Rechten oder die Linken. Sicher ist nur, daß die Rechten mehr morden.« Um dem Tod zu entgehen, melden sich deshalb in El Salvador junge Männer zur Armee - oder zur Guerilla.
Am Ende der Christdemokraten-Party in den Hügeln über Salvador stellt der Fraktionsvorsitzende seinen europäischen Gästen einen Jüngling vor. »Sehen Sie sich den an«, schluchzt der Altpolitiker gerührt, »auf ihn sind schon mehrere Anschläge verübt worden. Und doch ist er bei uns Christdemokraten und nicht bei den Jungs in den Bergen.«
Noch nicht.
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KUBA MEXIKO BELIZE Belmopan GUATEMALA Guatemala HONDURAS Tegucigalpa NICARAGUA Managua San Salvador EL SALVADOR COSTA RICA San Jose PANAMA Panama
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