DIE MORSCHEN KNOCHEN - DER SPIEGEL
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DIE MORSCHEN KNOCHEN

• aus DER SPIEGEL 34/1956
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wichtig nehmen meine Kritiker allein jenes eine Lied »Es zittern die morschen Knochen«, das vor 23 Jahren entstand, zu einer Zeit, in der ich der Hitlerjugend angehörte, weil ich wie Millionen, andere junge Menschen Hitler für einen berufenen Mann hielt. (Von Ermächtigungsgesetzen verstand ich damals noch nichts.) Für die Situation von 1933 ist kennzeichnend, daß jenes Lied von den »morschen Knochen« nicht etwa im Zentralverlag der NSDAP, sondern im Kösel-Verlag, München, einem der führenden katholischen Verlage Deutschlands, erschien. Ein namhafter Geistlicher hatte es dort placiert.

Das Lied wurde zum Ärgernis. Ich war davon betroffen und habe sofort in dem Satz »Denn heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt«, das Wort »gehört«, dem ein imperialistischer Sinn unterlegt werden konnte, durch die Fassung »hört uns Deutschland und morgen die ganze Welt« ersetzt, um keinen Zweifel daran zu lassen, wie das Lied von allem Anfang an gemeint war.

Meine Kritiker halten sich hartnäckig an jene erste verhängnisvolle Fassung, obgleich sie in Deutschland offiziell verboten war. Um eines einzigen Wortes willen, das in politisch erregten Zeiten in jugendlicher Unerfahrenheit geschrieben wurde, brechen sie über mich den Stab und kommen nicht auf den Gedanken, zu fragen, was der Mann, den sie angreifen, in den Jahren vor 1945 wirklich tat und wie seine Entwicklung nach Krieg und Gefangenschaft verlief. Vielleicht interessiert meine Kritiker,

daß ich heute, da in Deutschland wieder einmal die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wird, Mühe habe, ein Wiederaufleben der Lieder, die ich einst für die Hitlerjugend schrieb, zu verhindern. Im neuen Soldatenliederbuch wurden drei meiner früheren Lieder ohne meine Erlaubnis einfach nachgedruckt.

Iffeldorf (Bayern) HANS BAUMANN

Hans Baumann

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