Die Teufelsbox - DER SPIEGEL
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SÜDAFRIKA Die Teufelsbox

Die neueste Errungenschaft der Apartheids-Politiker in Johannesburg: ein Fernsehprogramm von Schwarzen für Schwarze.
• aus DER SPIEGEL 6/1982
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Phuza amandla« ("trink Kraft") stöhnte der Cowboy auf dem Bildschirm, nahm den Hut vom verschwitzten Kopf und setzte die Bierflasche an die staubverkrusteten Lippen. In reinstem Zulu sprach der Rinderhirte aus dem mittleren Westen der Vereinigten Staaten anschließend über die Vorzüge von »Carling Black Label«, einem Bier, das bei Südafrikas Schwarzen nicht zuletzt wegen seines Namens ein Marktrenner ist.

Weiße Gesichter haben beim neuesten Produkt der südafrikanischen Apartheid-Strategie allerdings Seltenheitswert. Das neu eingeführte Fernsehprogramm TV 2/3 ist ausschließlich für Schwarze bestimmt, und nur wer als Weißer eine der fünf wichtigen Eingeborenen-Sprachen Südafrikas perfekt beherrscht, hat Chancen, auf dem Bildschirm zu erscheinen - wie der mit Zulustimme unterlegte amerikanische Reklame-Cowboy.

»Ich betrachte TV 2/3 als ein Fernsehen von Schwarzen für Schwarze«, behauptet der (weiße) Programmdirektor Theuns van Heerden. »Es spiegelt haargenau die ethnischen Unterschiede des Landes wider.«

Mehr noch spiegelt Südafrikas neuester TV-Kanal die Rassenideologie der weißen Apartheid-Politiker. Vor sechs Jahren, nach langem Zaudern, hatten sie die »Teufelsbox« (so damals die mächtigen Calvinistenkirchen über das Fernsehen) zunächst nur den gut vier Millionen Weißen am Kap zugebilligt. Streng wacht der Aufsichtsrat der staatlich gelenkten South African Broadcasting Corporation (SABC) darüber, daß die Regierungspolitik im rechten Licht erscheint und Meinungen der weißen Opposition nur in kleinen Dosen verabreicht werden, die der Schwarzen gar nicht.

Folglich soll auch auf dem neuen Kanal den 20 Millionen Schwarzen nur politische Schonkost geboten werden - dafür aber viel Musik und farbenprächtige Stammestänze. Am ersten Abend kamen gleich drei Führer von schwarzen »Homelands« zu Wort, die mit der Aufteilung Südafrikas in 87 Prozent weißes und 13 Prozent schwarzes Gebiet einverstanden sind.

Bissig schrieb der schwarze Zeitungskolumnist Percy Quoboza: »Meine Kinder schalteten auf TV 1 um, wo in der amerikanischen Western-Serie 'Rauchende Colts' wirklich was los war.« Andere Schwarze kommentierten die Neuerung im Apartheidland mit einem Witzwort: »Wir sind der einzige Staat der Welt, der ein Schwarzweiß-Fernsehen hat, das in Farbe ausgestrahlt wird.«

Immerhin ließen sich die Buren ihre jüngste Errungenschaft etwas kosten. Rund 250 Millionen Mark wurden für TV 2/3 ausgegeben. In mehreren Synchronstudios werden ausländische Sendungen in afrikanische Sprachen übertragen. Die elektronische Ausstattung der schwarzen TV-Anstalt, die zunächst 27 Stunden pro Woche sendet, übertrifft teilweise die des weißen Fernsehens.

Etwa 1000 Schwarze wurden für den neuen TV-Dienst angeheuert. »Die Auswirkungen auf afrikanische Künstlerkreise sind gar nicht abzusehen«, versichert der schwarze Filmproduzent Patrick Mohape.

Zu einer Verbrüderung von schwarzen und weißen Fernsehkollegen - den Journalisten, Kameraleuten oder Technikern - wird es bei SABC wohl nicht kommen. Denn das schwarze Fernsehen wurde in der Stadtmitte, acht Kilometer vom Fernsehhochhaus der Weißen in Aucklandpark, untergebracht. »Nur die Zensoren sind dieselben«, spottet einer der neu eingestellten schwarzen Journalisten.

TV 2/3, »ein Meilenstein für das System, das die Welt als Apartheid kennt« ("The New York Times"), paßt nicht nur ins ideologische Konzept der Burenherrschaft. Auch Geschäftsleute und Werbe-Experten in Johannesburg freuen sich über den neuen Kanal.

Sämtliche Verleihfirmen von Fernseh- und Videogeräten arbeiteten monatelang mit Hochdruck. Hersteller schätzen, daß bislang schon etwa 235 000 Geräte an Schwarze verkauft wurden.

Die Zahl der schwarzen TV-Zuschauer, derzeit etwa zwei Millionen, wird sich bis Ende des Jahres verdoppeln. Und danach kann's nur noch aufwärtsgehen. Im kommenden Jahr nämlich soll die Elektrifizierung von Soweto weitgehend abgeschlossen sein. In diese riesige schwarze Siedlung vor den Toren vor Johannesburg, mit etwa eineinhalb bis zwei Millionen Einwohnern, konnten bislang nur wenige Fernsehgeräte verkauft werden.

Ob sich die Schwarzen allerdings mit dem Apartheidfernsehen - laut Kolumnist Quoboza »beleidigende Propaganda« - anfreunden, ist zweifelhaft.

Ein schwarzer Werbefilmer aus Johannesburg zur Kanalwahl: »Warum sollten wir uns im TV 2/3 die traditionellen Tänze aus der Transkei anschauen, wenn gleichzeitig auf dem ersten Kanal 'Dallas' läuft?«

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