KOSOVO Die Toten von Racak
In den vergangenen zwei Jahren hat Russland wiederholt versucht, das Massaker an albanischen Zivilisten im Kosovo-Dorf Racak vor hohen Uno-Gremien zu diskutieren und dabei die USA der Manipulation zu bezichtigen. Der Vorwurf der russischen Diplomaten: Das angebliche Blutbad sei eine Erfindung, die Toten von Racak hätten der Nato letztlich als Rechtfertigung für das Eingreifen in der Krisenprovinz gedient. Bei ihren Initiativen, die von anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats bereits im Vorfeld abgewehrt wurden, stützten sich die Russen auf partielle Untersuchungen aus dem Institut für forensische Medizin in Helsinki, die ihnen zugespielt worden waren. Am 16. Januar 1999 hatten Dorfbewohner 45 Leichen gefunden - unter ihnen ein zwölfjähriges Kind, drei Frauen und mehrere ältere Männer. Kurz danach hatte der Chef der OSZE-Mission im Kosovo, der amerikanische Diplomat William Walker, serbischen Paramilitärs die Schuld an dem Massaker gegeben. Das Belgrader Regime wies den Vorwurf zurück und behauptete, es handele sich bei den Leichen um Kämpfer der albanischen Befreiungsarmee UÇK, die bei Gefechten ums Leben gekommen und erst nachträglich als Zivilisten verkleidet und verstümmelt worden seien. Seither tobt eine Propagandaschlacht um die Opfer, und die Mitarbeiter des renommierten pathologischen Instituts fürchten, dass ihre Arbeit ideologisch missbraucht wird. Fest steht nun, dass mindestens ein Mitarbeiter des Instituts, der an der Autopsie von fünf Leichen beteiligt war, persönliche Zweifel an der Massaker-Darstellung durch Walker bekam und seine Teilergebnisse weitergab. Seither taucht auch in westeuropäischen Medien immer wieder der Verdacht auf, es gebe Beweise für einen Täuschungsversuch der Amerikaner. Helena Ranta, die Chefin des finnischen Expertenteams, bleibt jedoch dabei: Ihre Forschungsergebnisse seien exklusiv für das Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen in Den Haag erstellt worden. Das allein habe darüber zu entscheiden, ob der gestürzte Serbenherrscher Slobodan Milosevic und dessen Handlanger wegen der Toten von Racak eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit überführt werden können. Nun wollen die Schweden als derzeitige Ratsvorsitzende der EU eine neue Zusammenfassung des Ranta-Berichts herausgeben, der alle offenen Fragen klären soll.