RUSSLAND Die Walzer-Connection
Der Brand der Manege, eines klassizistischen Moskauer Kulturdenkmals vor der Kremlmauer, gibt weiter Rätsel auf. Bald nachdem die Ausstellungshalle und ehemalige Reitschule zaristischer Offiziere in Flammen aufgegangen war, machten die Nachricht vom Fund zweier Benzinkanister und der Verdacht einer Brandstiftung die Runde, deren Ziel es gewesen sei, die angestrebte Erweiterung des Baukunstwerks um Parkgarage und Restaurants zu beschleunigen.
Als Investor vorgesehen war eine österreichische Firma, die mit einem Pachtvertrag auf 20 Jahre ausgestattet werden sollte. Die M.S.I. Vertriebs GmbH ist aktenkundig als Messeveranstalter, der sich Adresse und Telefon mit der M.S.I. Exhibition & Congress Development teilt. Diese Firma gehört zur Hälfte Alexander Maculan, der 1996 die zweitgrößte Insolvenz in der Geschichte Nachkriegs-Österreichs verantwortete - Schuldenberg: 806 Millionen Euro, 8800 verlorene Arbeitsplätze. Maculan, Branchenname »Big Mac«, ist längst wieder aktiv, unter anderem über die Firma Tamak in Russland. Der Umbau der Manege am Kreml, für den bei der Österreichischen Kontrollbank Garantien beantragt waren, ist in Wien als »Maculan-G'schicht« bekannt. Oberbürgermeister Jurij Luschkow, Österreich-Freund und Moskauer Opernball-Patron, will nun den Wiederaufbau der Manege wie geplant einleiten. Denkmalschützer, die seit 1992 die Zerstörung von 400 historischen Gebäuden in Moskau zu beklagen haben, befürchten als Ergebnis eine weitere, im Luschkow-Geschmack marktwirtschaftlich optimierte Kopie eines zerstörten Originals.