Diffizile Probleme
(Nr. 16/1974, Philosophie: Die UdSSR feiert Kant in Kaliningrad und hat dort ein Museum eröffnet)
Ihre Bildlegende zu »Kant und seine Tischgenossen« verwirrt den Leser*. An Kants Tisch saßen damals im Jahre 1789 zu Königsberg unter anderem ein Geistlicher, ein Kaufmann, ein Bürgermeister und ein Medizinairat, letzterer mein Urururgroßvater« der Kant auch in diffizilen, weil Härte verlangenden Problemen aushalf: Mißliebige Diener wurden von ihm entlassen.
Donaueschingen (Bad.-Württ.)
BEATRIX VON HAGEN CHAVES M. A.
Ihr Hausphilosoph tut den Sowjets unrecht. Er macht sich ein wenig darüber lustig, daß Kants Lehre, wonach der Mensch das »Ding an sich« nicht erkennen kann, »bis heute« in der Sowjet-Union abgelehnt wird. Daß aber dieses »Ding an sich« ein Unding ist, das aus einer kaum mehr akzeptablen
* Bild und Unterschrift aus SPIEGEL 16/1974, Seite 127.
sogenannten »transzendentalen Ableitung« erwächst und Kants Metaphysik in größere Probleme stürzt als es löst, das ist in der britisch-amerikanischen und meines Wissens auch in der kontinental-europäischen Tradition der Philosophie doch wohl mindestens seit Jahrzehnten bekannt. Ebenso ist der Kategorische Imperativ auch keineswegs nur nach »sowjetoffizieller Ansicht« eine »rein formale Regel": sie ist wirklich formal, einfach weil sie -- anders als zum Beispiel die Nützlichkeitstheorie -- die Richtigkeit einer Handlung nicht aus »Inhaltlichem«. wie zum Beispiel ihren Folgen, sondern allein aus der Form der die Handlung betreffenden Maxime, nämlich ihrer Widerspruchsfreiheit« ableitet.
Grinnell/Iowa (USA)
DR. PHIL. WERNER S. PLUHAR Assistenzprofessor der Philosophie