DIRIGENTEN - DER SPIEGEL
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Briefe

DIRIGENTEN
• aus DER SPIEGEL 14/1955
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DIRIGENTEN

(Nr. 12/1955, Musik)

Im Karajan-Artikel wird davon gesprochen, daß das (von der bedeutenden amerikanischen Rundfunkgesellschaft National Broadcasting Company vor 18 Jahren eigens für Toscanini gegründete) NBC-Orchester »sogar unter die Fuchtel des Jazz-Duke Ellington geraten« und damit

der Bruch mit der alten Toscanini-Tradition offenbar geworden sei. Tatsache ist, daß der Kontakt des NBC-Orchesters mit Duke Ellington noch höchstpersönlich von Toscanini eingeleitet wurde, indem Toscanini seinerzeit Duke Ellington den Auftrag für dessen berühmtes jazz-symphonisches Tonbild »Harlem« erteilte. Das ehemalige NBC-Orchester hat ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es im Geiste Toscaninis handele, wenn es Duke Ellington zur Interpretation von Rolf Liebermanns »Konzert für Jazzband und Symphonieorchester« aufforderte. Die Bedenken lagen nicht auf seiten des NBC-Orchesters und der ihm nahestehenden Kreise, sondern allein auf seiten Duke Ellingtons und der Jazzkreise. Dukes Hauptargument: die katastrophalen Kritiken, die Liebermanns Stück in der gesamten internationalen Jazzpresse gefunden hat ...

Baden-Baden

JOACHIM-ERNST BERENDT

»Motornarr und Skiläufer« schreiben Sie von Karajan. Merkwürdig: Auch sein Antipode Furtwängler steuerte seinen Pkw gern selbst und fuhr nicht langsam; auch er lief leidenschaftlich gern Ski. Wer das nicht wußte, wurde im März 1941 durch ein Titelbild der alten »Berliner Illustrirten« darüber unterrichtet, die den »meisterlichen Dirigenten der Bretter« an einem Steilhang von St. Anton zeigte.

Berlin

DR. URSULA THIEME

... warum der von Ihnen erwähnte Dirigent Eugen Ormandy auf den Taktstock verzichtet. In einem Interview hat er sich dazu geäußert:

Der Verzicht auf den Taktstock ist vor Jahren durch ein Mißgeschick notwendig geworden: Mitten in einem Konzert ist mir eine Sehne im rechten Arm gerissen. Nach einer schweren Operation war ich drei Monate arbeitsunfähig. Die Ärzte rieten mir, den Arm nicht mehr zu heben. Wie wenig ich aber diese Anordnung befolge, haben Sie oft genug gesehen ... Außerdem: die Hände geben ohne Taktstock durch winzige Bewegungen der Finger feinere Ausdrucksmittel.

Diese Überzeugung dürfte auch die anderen von Ihnen genannten Dirigenten zum Verzicht auf den Taktstock bestimmt haben.

Frankfurt

LEOPOLD SCHUSTER

... Sie nennen das Bostoner Symphonie-Orchester das bestdotierte Orchester der Welt. Das mag wahr gewesen sein; heute haben aber die Bostoner längst ihre Existenzsorgen. Laut »Rheinischem Merkur«

warten 363 758 Dollar Defizit auf Abdeckung. Die Stadt Boston will davon nur 166 578 Dollar übernehmen. Staatliche oder städtische Subventionen, wie sie in Deutschland, in der Schweiz, in Holland und in Italien eine Selbstverständlichkeit sind, fehlen in Amerika entweder ganz oder sind ungenügend.

Düsseldorf

HERTHA STAHLMANN

Zu dem von Ihnen zitierten Ausspruch von Jean Cocteau, daß jede Musik, der man mit geschlossenen Augen zuhört, verdächtig sei, muß ich sagen, daß mir dieser Ausspruch unverständlich erscheint. Jeder musikalische und musikliebende Mensch wird mir beipflichten, wenn ich sage, daß sich bei geschlossenen Augen die Intensität der genossenen und erlebten Musik verstärkt. - Übrigens dirigiert auch Celibidache weite Strecken hindurch mit geschlossenen Augen.

Bielefeld

S. v. STEINWEHR Regierungsbaurat a. D.

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