Dirty Harry - DER SPIEGEL
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AFFÄREN Dirty Harry

• aus SPIEGEL Chronik 54/2005
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Er lebte schon im verdienten Retiro, als - aus tiefer Not - die Firma nach ihm rief. Harry Stonecipher, lange zweiter Mann des US-Flugzeugbauers Boeing, sollte den skandal- und krisengeschüttelten Luftfahrtkonzern sanieren und endlich in bessere Zeiten führen. Denn Boeing kämpfte an diversen Fronten ums Renommee. Der europäische Konkurrent Airbus hatte den Konzern erstmals als weltgrößter Flugzeughersteller überflügelt. Ranghohe Mitarbeiter waren in peinliche Affären verstrickt, Vorstandschef Phil Condit musste ebenso gehen wie der Finanzdirektor Michael Sears. So klang es ganz plausibel, dass der 2003 reinstallierte Alt-Boss Stonecipher einen strengen Verhaltenskodex für das Boeing-Personal erließ. Doch über diese Hürde ist der selbsternannte Chefmoralist, 68, nun selbst gestrauchelt. Wegen einer außerehelichen »persönlichen Beziehung zu einer Mitarbeiterin« muss Stonecipher seinen Posten räumen. Ein anonymer Mitarbeiter hatte den Fehltritt verpetzt. Die Sex-Affäre, so der Verwaltungsrat, werfe ein schlechtes Licht auf den Konzernherrn und beeinträchtige seine Fähigkeit, das Unternehmen zu leiten. Trotz beachtlicher geschäftlicher Erfolge in seiner Amtszeit gibt es für Dirty Harry keine mildernden Umstände. Die Sanierung war zügig vorangekommen, der Boeing-Aktienkurs um 30 Prozent gestiegen.

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